Wilderei aus Langeweile: Ein Problem, mit dem Familie Engisch in ihrer zweiten Heimat Simbabwe konfrontiert wurde. Sie wollte nicht tatenlos zusehen und setzte sich für den Aufbau einer Fußballmannschaft ein, um Jugendlichen Beschäftigung zu bieten.
„Grundsätzlich gibt es für die Wilderei in Afrika verschiedene Gründe“, erzählt Manfred Engisch aus Alpirsbach im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das können mafiös organisierte Banden sein, die skrupellos Nashörner oder Elefanten abschlachten, oder aber gewöhnliche Leute aus den Dörfern, die ihren Proteinbedarf mit Buschfleisch decken wollen.“
Vor 30 Jahren bereisten Engisch und seine Frau Susanne Simbabwe das erste Mal. Die grandiose Natur und die überwiegend froh gelaunten, sanftmütigen Menschen beeindruckten sie, sagt Engisch rückblickend. Mittlerweile ist das Land ihre „zweite Heimat“. Auch auf ihre Kinder Leonie und Lorenz ist der Funke der Begeisterung für das Land übergesprungen.
Dennoch, betont Engisch, habe die Familie bei all den Besuchen der vergangenen Jahre niemals die Schattenseiten ausgeblendet: „Davon gibt es viele.“ Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben die Engischs Beiträge zu Verbesserungen geleistet, sagen sie. Das neueste Projekt in dem sie sich engagieren: eine neu gegründete Fußball-Liga.
Langeweile und Perspektivlosigkeit
Es ist laut Engisch bekannt, dass die Jungs aus den Dörfern – oft aus reiner Langeweile und Perspektivlosigkeit – losziehen, um im Busch Schlingen zu legen. Was auf den ersten Blick vielleicht sogar Verständnis auslöse, habe fatale Folgen, sagt er. In den Drahtschlingen verfange sich nicht nur die anvisierte Antilope, sondern all zu oft auch Vertreter seltener Spezies. Bis hin zum größten Elefanten sei kein Tier sicher vor Tod oder Verstümmelung durch die Schlingen. „Wir kennen einen professionellen Fährtenleser, der in einem Jahr mehr als 2000 Schlingen aus dem Busch entfernt hat“, merkt Engisch an.
Nyamakate League mit aktuell 33 Mannschaften
Nun sollen diese Wilderer mit Fußball beschäftigt werden. Was nach einem simplen Konzept klingt, zeigt laut Manfred Engisch bereits erste Erfolge. In kürzester Zeit sei im Distrikt Hurungwe am Zambezi die Nyamakate League mit aktuell 33 Mannschaften ins Leben gerufen worden. Im Distrikt leben 17 000 Menschen. Seit Mai vergangenen Jahres wird Fußball gespielt. Die positiven Auswirkungen auf die Wilderei sind laut Engisch enorm. Der Rückgang dieser Form von Wilderei sei bedeutender, als es die Verantwortlichen erwartet hätten.
Um dieses aussichtsreiche Projekt zu festigen, wurde und wird weiter an der Organisation gearbeitet. So gibt es ein Komitee von acht Personen, das den Spielbetrieb managed. Es gibt für die besten der Teams die Aussicht, in eine Auswahl zu kommen. Das ist dann das Team Nyamakate United FC. Die Truppe hat es bereits bis in die zweite Liga Zimbabwes geschafft, wo es ab März um die ersten Punkte geht. Dafür trainiert das Auswahlteam dreimal in der Woche, die anderen Mannschaften zweimal.
Nächster Schritt bereits in der Planung
„Wir brennen darauf, selbst einmal bei einem Spiel zuschauen zu können“, sagt Manfred Engischs Sohn Lorenz, selbst Fußballer beim Sportverein Alpirsbach. „Immerhin konnten wir schon vorab etwas fürs Team beisteuern und einen kompletten Satz Trikots und Kickschuhe übergeben.“
Manfred Engisch ergänzt: „Wir werden alles dran setzen, diese Erfolgsstory mit zu begleiten.“ Die Engischs planen bereits den nächsten Schritt: „Wir wollen unseren Herzensverein aus Stuttgart über dieses Fußballmärchen informieren und im besten Fall dafür begeistern.“