Reimold (Bild) und Hufnagel haben eine Farm und ein Safari-Unternehmen. Foto: Schwarzwälder Bote

Auswanderer: Trotz Corona und vieler anderer Krisen halten zwei Alpirsbacher ihrer neuen Heimat Simbabwe die Treue

Seit fast 30 Jahren betreiben Dietmar Reimold und seine Frau Bettina Hufnagel, die beide ursprünglich aus Alpirsbach kommen, ein Safariunternehmen in Simbabwe im südlichen Afrika. Corona ist nur eine von etlichen Krisen, mit denen sie dort zu kämpfen haben.

Alpirsbach/Harare. Schon die Kommunikation ist eine Herausforderung. Um zu telefonieren, müssen Bettina Hufnagel und Dietmar Reimold von ihrem Haus aus einen Kilometer in den Busch fahren. Denn nur von einem Hügel aus ist das Mobilfunksignal aus der nächsten Stadt stark genug für ein einigermaßen störungsfreies Telefonat. "Buschoffice" nennen beide liebevoll dieses Provisorium.

Eigentlich sollte es nur eine einjährige Afrikareise werden, die das Paar Anfang der 90er-Jahre nach Simbabwe verschlagen hat. Dort hat es ihnen so gut gefallen, dass sie gar nicht mehr zurück nach Deutschland wollten. Stattdessen bauten sie sich vor Ort eine neue Existenz mit einem Safari-Unternehmen und einer eigenen Farm auf.

Normalerweise bieten sie für Touristen Touren durch die Wildnis Simbabwes und die der Nachbarländer an. Doch die Corona-Pandemie hat auch in Simbabwe den Tourismus fast völlig zum Erliegen gebracht. "Seit Anfang letzten Jahres sind wir arbeitslos", berichtet Reimold. Geld verdiene er nur noch, indem er die Fahrzeuge der benachbarten Farmer repariere. Er sei außerdem auch künstlerisch begabt und kreiere hin und wieder Kunstwerke aus Schrott, die er an Interessierte vor Ort verkauft. So halten sich die beiden über Wasser.

Alle weißen Farmer wurden enteignet

Doch Corona ist bei weitem nicht die einzige Herausforderung. Vor zehn Jahren hatte Simbabwe gerade eine schier apokalyptische Hyperinflation hinter sich. Reimold und Hufnagel schöpften Hoffnung, da durch die Einführung des US-Dollars eine Stabilisierung der Wirtschaft absehbar war. Doch diese Hoffnungen sind mittlerweile wieder dahin.

"Vor circa zwei Jahren hat die Regierung über Nacht beschlossen, den Simbabwe-Dollar wieder einzuführen." Der US-Dollar wurde wieder verboten. Die Inflation kehrte zurück. "Unsere Regierung will der Bevölkerung ihr Micky-Maus-Geld aufdrängen", ärgert sich Reimold. Mittlerweile kehre der Dollar nach und nach zurück, trotz Verbot. "Benzin und Diesel muss ich mit US-Dollar bezahlen."

Zu den wirtschaftlichen Problemen gesellt sich politische Instabilität. Im November 2017 wurde der langjährige Diktator Robert Mugabe durch einen Putsch gestürzt. Unruhen folgten. "Das kam in der Weltpresse. Das war natürlich nicht gut für den Tourismus", berichtet Reimold. Mittlerweile habe sich die Lage aber beruhigt. Und Hufnagel ergänzt: "Als Tourist merkt man davon nichts und die Menschen sind freundlich." Und zumindest die Straßen seien mittlerweile in einem besseren Zustand.

Doch wäre es angesichts all dieser Probleme nicht naheliegend, das Land zu verlassen und in eines der Nachbarländer zu gehen? "Die Überlegung ist schon da", meint Reimold, "aber unser ganzes Geld steckt in der Farm. Und wir können sie nicht verkaufen." Denn 2003 wurden alle weißen Farmer enteignet. Reimold und Hufnagel hatten Glück, der neue Besitzer ist bis heute nicht aufgetaucht, sodass sie auf ihr Grundstück zurückkehren konnten. Doch: "Offiziell dürfen wir kein Land besitzen." Und damit ist ein Verkauf unmöglich.

Und nach wie vor schwebt das Damoklesschwert der erneuten Vertreibung über den beiden Unternehmern, weshalb sie von weiteren Investitionen zurückschrecken. Eigentlich wollten sie schon längst Ferienwohnungen auf dem Gelände bauen.

Bevölkerung misstraut dem Impfstoff aus China

Auch die breite Bevölkerung habe von der Landreform nicht profitiert: "Das Problem ist, die Bauern haben das Land nicht bekommen", erklärt Reimold. "Das wurde an Regierungsmitglieder, die Militärs und die Polizei verteilt. Das sind reine Wochenendfarmer. Die produzieren nichts."

Die Folge: 80 Prozent der gehandelten Lebensmittel müssen aus dem Ausland importiert werden. Die Lebensmittelpreise seien daher höher als in Deutschland, und das bei einem wesentlich geringeren Pro-Kopf-Einkommen. Die ganz große Katastrophe sei nur deshalb bisher ausgeblieben, weil die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor als selbstversorgende Bauern auf dem Land lebe.

Wie geht es nun mit dem Safari-Unternehmen weiter, vor allem bei der derzeitigen Lage? Reimold und Hufnagel hoffen auf baldige Impfungen. Derzeit laufe die Impfkampagne im Land noch schleppend. "Die Landbevölkerung will sich nicht impfen lassen, weil der Impfstoff aus China kommt", erzählt Reimold. Weil sich chinesische Unternehmen zahlreiche Minen in Simbabwe unter den Nagel gerissen hätten, stünde die Bevölkerung allem Chinesischen kritisch gegenüber.

Bald soll aber auch Impfstoff aus Indien und Russland kommen, sodass vermutlich bis Ende des Jahres eine Herdenimunität erreicht sei. Doch beide hoffen, dass Europa und Amerika wesentlich schneller impfen und die dann immunisierten Touristen schon Mitte des Jahres kommen.

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