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Alpirsbach Zukunft des Silbersees ist ungewiss

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Lange Zeit war er ein Geheimtipp, dann wurde er zum Besuchermagnet, seit einigen Monaten ist seine Zukunft ungewiss. Die Rede ist vom Silbersee in Reinerzau. Ortsvorsteher Thomas Gutmann erklärt, warum der beliebte Badeplatz vielleicht geschlossen bleiben muss. Foto: Fuchs

Alpirsbach-Reinerzau - Bleibt der Silbersee dauerhaft gesperrt? Möglich wäre es, denn das Gedränge in der kleinen Freizeitanlage, das vor der coronabedingten Schließung täglich zu beobachten war, darf es in Zukunft nicht mehr geben. Hinzu kommt, dass Ortsvorsteher Thomas Gutmann über regelmäßige Einbrüche mit Vandalismus und Vermüllung klagt. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Lange Zeit war er ein Geheimtipp, dann wurde er zum Besuchermagnet, seit einigen Monaten ist seine Zukunft ungewiss. Die Rede ist vom Silbersee in Reinerzau. Ortsvorsteher Thomas Gutmann erklärt, warum der beliebte Badeplatz vielleicht geschlossen bleiben muss.

Seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts bietet der idyllische Badesee, eingebettet in bewaldete Felsen, Erholung pur für die Besucher. "Im Internet war der See immer als Geheimtipp angepriesen", erinnert sich Gutmann. "In Zeiten, als die sozialen Netzwerke noch nicht so aktiv waren, hat sich nur über Mundpropaganda verbreitet, dass das ein schönes Fleckchen ist." In den vergangenen Jahren sei es mit dem Besucheransturm jedoch eskaliert. "Jetzt kommen die Leute aus einem Umkreis von 100 Kilometern zum Baden nach Reinerzau", sagt Gutmann.

Diese Entwicklung beobachte die Stadt mit Sorge. Gesetzlich gebe es nämlich einen Unterschied zwischen Badestelle und Badestätte. Anfangs sei der Silbersee noch eine Badestelle gewesen. "Wenn eine gewisse Besucherzahl überschritten ist, kann aber nicht mehr die Rede von einer Stelle sein, wo gelegentlich gebadet wird." Und wenn sich eine Tendenz zur Badestätte entwickle, werde auch eine Badeaufsicht nötig. Ganz davon abgesehen, sei dieses Gelände nie auf einen so großen Besucheransturm ausgelegt gewesen. Die Schnellstraße vor dem Parkplatz sei im Sommer komplett zugeparkt, weil es auf dem Parkplatz nicht genügend Stellplätze gebe. Auch gebe es in der Anlage keine Toiletten und nur ein Umkleidehaus.

Kleine Liegefläche führt zu Gedränge auf dem Freizeitgelände

Der Stadt wäre es lieber, wieder zur Situation aus den Anfangszeiten zurückzukehren, als der See nur von den Reinerzauern genutzt wurde. Wie das möglich sein soll, ist jedoch noch unklar. "Die Besucherzahl zu reduzieren wäre eine Idee", überlegt Gutmann, "aber da fehlen Personal und technische Mittel".

Nichtsdestotrotz war die Freizeitanlage in die Jahre gekommen. "Ein solches Gelände braucht alle zehn bis 15 Jahre eine gründliche Sanierung." Und dann sei Corona gekommen. Da führte ohnehin kein weg daran vorbei, den See für die Öffentlichkeit zu schließen. "Und diese Zeit nutzen wir jetzt", sagt Gutmann. Die Sanierung werde in Eigenleistung von Reinerzauer Bürgern umgesetzt. "Einige davon sind Anwohner, die den See auch immer gerne genutzt haben", erklärt der Ortsvorsteher.

Gedränge wegen Corona nicht mehr nötig

Die Sanierung sei inzwischen halb abgeschlossen, der Rest werde im kommenden Jahr gemacht. "Holzpalisaden werden erneuert, die Umkleidehütten werden renoviert, Bäume zurückgeschnitten, das ganze Programm." Und dennoch sei nicht einmal klar, ob der Silbersee überhaupt wieder für Badegäste zugänglich gemacht werde. "Die Liegefläche ist nicht sehr groß und kann platztechnisch auch nicht erweitert werden", meint Gutmann mit Bedauern. Im Moment ist das Wasser zu einem großen Teil abgelassen, aber im Sommer nehme es fast die ganze Vorhandene Fläche in der Senke ein. Der verbleibende Platz ist verschwindend gering. Vor allem in der Badesaison sei es da unheimlich eng geworden.

"Angesichts von Corona wird ein solches Gedränge an einem Badeort noch eine Weile nicht wieder möglich sein", befürchtet Gutmann. Vielleicht sei das, wo sich nun ein anderes Bewusstsein für Hygiene und Abstand eingebürgert habe, auch auf lange Sicht nicht mehr angebracht. "So ändern sich die Zeiten."

Ursprünglich entstand der Silbersee als Entschädigung für die Reinerzauer. Die hatten nämlich beim Bau der Trinkwassertalsperre Kleine Kinzig einiges an LKW- und Baggerlärm zu ertragen. Über vier Jahre sei zwischen 1978 und 1982 massenweise Erde und Gestein umgeschichtet worden, bis die Anlage fertig war, erklärt Gutmann. "Als Art Wiedergutmachung wurde der Silbersee in der Steinbruchanlage für die Ortschaft geplant." Die Beliebtheit der Freizeitanlage sei über die Jahre stetig gewachsen und das, obwohl sie genau genommen nur als "Abfallprodukt beim Bau der Trinkwasseranlage" entstanden sei.

Polizei erwischt täglich jemanden beim Hausfriedensbruch

Der ein oder andere halte unterdessen nichts davon, dass der See nun gesperrt sei. "Es wurde in den vergangenen Monaten oft eingebrochen", ärgert sich Gutmann. Zum Teil habe man auch die Spuren von Vandalismus beseitigen müssen. "Es wurden zum Beispiel mit Spraydosen die frisch gestrichenen Wände und Zäune beschmiert." Grüne Farbstreifen ziehen sich durch das Gelände, angefangen bei den Schildern am Tor bis zur Holzblockhütte am See. Überall liegt Müll herum, den die Stadt regelmäßig kostspielig entfernen lassen müsse. Absperrungen und Zäune sind eingerissen. Sogar der Mülleimer bei der Blockhütte ist randvoll, und das, obwohl eigentlich niemand Zutritt haben sollte.

"Normalerweise kommt mindestens einmal am Tag das Ordnungsamt vorbei und fast jedes Mal erwischen die jemanden", erklärt Gutmann. "Wenn Leute erwischt werden und man die fragt, was sie da machen, sagen sie oft: Nur gucken." Aber gucken, weiß der Ortsvorsteher, kann man genausogut von der anderen Seite des Zauns aus. Die Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei seien verstärkt und Einbrüche zur Anzeige gebracht worden. "Wer über Absperrungen klettert, muss sich im klaren sein, dass das Hausfriedensbruch ist und da können hohe Geldstrafen fällig werden." Aus diesem Grund gab es über den Sommer nur die spärliche Info auf der Homepage der Gemeinde, dass der See weiterhin gesperrt bleibt. "Hätten wir mehr zu dem Thema preisgegeben, dann hätten wir den Silbersee noch stärker publik gemacht und es wären noch mehr Leute auf Ideen gekommen", erklärt der Reinerzauer Ortsvorsteher. Das habe die Ortsverwaltung verhindern wollen.

Ähnliche Probleme gebe es am nahegelegenen Stausee. "Das ist ein Wasserschutzgebiet, wo man nur zu Fuß hin kommt. Aber es fahren trotzdem regelmäßig Autos auf den Wegen", ärgert er sich. "Nicht auszudenken, was passiert, wenn ein Auto in den See fährt und dann noch Öl verliert." So könnten 13 Millionen Kubikliter Trinkwasser verunreinigt werden. Gutmann hofft darauf, dass sich schnell herumspricht, dass Kontrollen gemacht werden. "Es ist verständlich, dass die Leute ihre Zeit in diesem Jahr, wo der Urlaub flach gefallen ist, anders nutzen mussten", meint er. "Aber das sollte man trotzdem mit Verstand und im Rahmen der Gesetze tun."

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