Nur mit einem Vergrößerungsglas kann man die Schönheit der Miniaturmalerei in der Wenzelbibel richtig erkennen (linkes Bild). Die neueste Errungenschaft im Alpirsbacher Offizin stammt von der Firma Schlott aus Freudenstadt. Es ist eine alte Steindruckpresse aus dem 19. Jahrhundert. Fotos: Privat Foto: Schwarzwälder-Bote

Gerät aus dem 19. Jahrhundert soll in der Alpirsbacher Offizin wieder in Betrieb genommen werden

Alpirsbach. Es gibt wieder Neuheiten in der Alpirsbacher Offizin, der historischen Schaudruckerei. Davon unterrichtete Hermann Kilgus die Mitglieder des Trägervereins bei der jüngsten Mitgliederversammlung.So erwarb der Verein von der Firma Schlott in Freudenstadt eine Steindruckpresse. "Es ist eine ausgesprochen Seltenheit aus dem 19. Jahrhundert", erklärte Kilgus. Der Vorsitzende hofft nun, dass sich kundige Steindrucker melden, die diese Erfindung des Alois Sennefelder wieder in Betrieb nehmen und der Öffentlichkeit vorführen können.

Senefelder entdeckte kurz vor 1800, dass man den Solnhofer Schiefer mit fetthaltiger Kreide oder Tusche beschriften oder bebildern kann. An diesen fetten Stellen bleibt die Farbe haften und lässt sich dann auf Papier mit der Steindruckpresse umdrucken.

Viele bekannte Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts arbeiteten mit diesem Verfahren, auch Lithographie genannt, unter anderem Goya, Manet, Renoir, Munch und Käte Kollwitz. Der Steindruck ist der Vorläufer des Offsetdrucks.

Faksimile der Wenzelbibel aus dem 14. Jahrhundert vorgestellt

Vereinsmitglied Gerd Weigold stellte den im vergangenen Jahr restaurierten Typographen im Betrieb vor. Er berichtete dabei über den fortgeschrittenen Stand der Überholung der Monotype-Setzmaschine. Sie ist wohl die komplizierteste Maschine der Museumswerkstatt in der Alpirsbacher Galerie.

Hermann Kilgus zeigte den Mitgliedern des Trägervereins außerdem eine beachtenswerte Sammlung von seltenen Büchern zur Buchdruckerkunst. Als besondere Seltenheit wurde ein prachtvolles Faksimile der Wenzelbibel aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. Die zahlreichen Miniaturmalereien zeigten ihre  Schönheit erst bei einem Blick durch das Vergrößerungsglas. Man durfte in dem Werk auch blättern – allerdings nur mit den bereitgelegten Einmalhandschuhen. Die Besucher spürten das Bedauern von Herman Kilgus bei der Präsentation, dass diese mittelhochdeutsche Handschrift wieder seinem Eigentümer zurückgegeben werden muss.

Schatzmeisterin Katrin Glauner legte den von Michael Trein geprüften Kassenbericht vor. Die Mitglieder des Fördervereins nahmen den positiven Kassenstand zufrieden zur Kenntnis.