In mystischem Lichtschimmer erstrahlte die Alpirsbacher Klosterkirche.Fotos: Haubold Foto: Schwarzwälder Bote

Musikalischer Gottesdienst: Eigenwillige, altertümliche Melodien erklingen in der Klosterkirche / In blaues Licht getaucht

Eine Licht-Klang-Stein-Meditation erlebten die Besucher der Klosterkirche bei einer musikalischen Andacht. Kantorin Carmen Jauch gestaltete die mystische musikalische Andacht mit liturgischen Gesängen aus der Feder von Hildegard von Bingen.

Alpirsbach. Kaum eine Person des Mittelalters ist in so vielen Bereichen heute noch so aktuell wie Hildegard von Bingen. Um das Wirken dieser berühmten Äbtissin drehte sich eine musikalische Andacht in der Klosterkirche. Für die erste Licht-Klang-Stein-Meditation der Reihe "Musik und Mystik" hatte Kantorin Carmen Jauch für die zahlreich erschienenen Besucher Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Hildegard von Bingen und Arvo Pärt ausgesucht. Die passende Lichtgestaltung lieferte Matthias Zizelmann, und für die Umwandlung von Klang in Vorstellungskraft sorgte Pfarrer Horst Schmelzle mit einem aussagekräftigen Porträt über die berühmte Klosterfrau.

Die Atmosphäre im ganz in blaues Licht getauchten Altarraum passte zu den eigenwilligen, altertümlichen Klängen. Mit übertragenen Schwingungen auf dem Monochord und dem Klangstein brachte Carmen Jauch die liturgischen Gesänge zur Geltung. Voller Hingabe und Stimmkraft stellte sie die Musik der Benediktinerinnen als Sologesang vor. Die hohe Konzentration, die der Solistin abverlangt wurde, um den starken Nachhall in der Kirche in Einklang zu bringen, stand fast greifbar im Raum. Die Besucher verfolgten die Darbietung mit Spannung. Das seltene Instrument der Kantorin schien wie geschaffen dafür, den Zuhörern diese alten Kompositionen auf musikalisch hohem Niveau nahezubringen. Eine Komposition Arvo Pärts fügte sich ebenso in den mystischen Rahmen wie das einleitende Orgelstück von Johann Sebastian Bach, dem ein gemeinsames Psalmgebet folgte.

Nonne, Wundertäterin, Ärztin und Komponistin

Aus dem umfangreichen Briefwechsel der Äbtissin rezitierte der Pfarrer Texte. Er berichtete zur Ergänzung der Klangeindrücke viel Wissenswertes über Hildegard von Bingen. Die mittelalterliche deutsche Mystikerin sei bekannt als Wundertäterin, in den letzten Jahren sogar als Homöopathin und Ärztin, und sie fasziniere seit über 800 Jahren, erzählte Schmelzle. Geboren in einer adeligen Familie, sei sie bereits mit drei Jahren ihrer Vision gefolgt, die eine geistliche Vita voraussah. Schon mit elf Jahren lebte sie unter Begleitung des Heiligen Otto, dem Bischof von Bamberg, als Klausnerin, um sich ganz dem geistlichen Leben zu widmen.

300 Briefe von Hildegard von Bingen überliefert

"Im 43. Jahr meines Lebens sprach eine himmlische Stimme zur mir", las der Pfarrer aus den Briefen Hildegards, von denen rund 300 überliefert wurden. "Sie werden es nicht glauben, sie schrieb sogar nach Alpirsbach", schmunzelte Schmelzle. Im Jahr 1150 gründete sie ein Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Von einer geschichtlich bewegten Zeit, die die Äbtissin nicht nur erleben sollte, sondern in die sie auch aktiv hineinwirkte und die sie prägte, berichtete Schmelzle unterhaltsam. Von Bingen war nicht nur als Mystikerin und Nonne bekannt, sondern auch als Dichterin, Ärztin, Psychologin und Komponistin. "Zum Schluss hat sie auch Predigerreisen gemacht."

Heute würden Edelsteine, Pflanzen und Tiere als Grundlage der Hildegard-Medizin dienen. Mit dem Zitat Hildegards "Jedwede Kreatur hat einen Urtrieb nach liebender Umarmung", beendete Schmelzle die Zeitreise. Völlig versunken schienen die Besucher, die konzentriert lauschten und sich auf die meditative Wirkung eines letzten Wechselspiels zwischen dem Gesang der Steine und der hellen Stimme von Carmen Jauch sichtlich gerne einließen.

Nächste Gelegenheit am Samstag, 31. Januar

Die nächste Licht-Klang-Stein-Meditation gibt es am Samstag, 31. Januar, ab 18 Uhr mit einem Porträt von Edith Stein, einer deutschen Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft.

Die Mitwirkenden sind wieder Carmen Jauch (Orgel, Klangstein, Monochord und Gesang), Matthias Zizelmann (Lichtgestaltung) und Pfarrer Horst Schmelzle (Liturgie).

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: