Für den künftigen Betrieb des historischen Backhäusles in Rötenbach wollen sich zwei Vereine und eine private Gruppierung zusammentun. Foto: Held

Nach dem drohendem Aus soll nun eine Betreibergemeinschaft für altes Gebäude in Rötenbach gegründet werden.

Alpirsbach - Der Ofen im alten Backhäusle in Rötenbach drohte für immer auszugehen: Zum Jahresende wollte der Männergesangverein Rötenbach eigentlich den Betrieb einstellen. Doch nun gibt es plötzlich viele Backhausfreunde. Als die Mitglieder der Alpirsbacher Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins von dem bevorstehenden Aus für das gemeinschaftliche Backen hörten, erklärten sie sich bereit, das historische Gebäude künftig in Eigenregie zu betreiben, wie Vorsitzender Dirk Buschmann resümiert. Das traditionelle Brotbacken sollte eine touristische Attraktion des Schwarzwaldvereins werden. Wenn die Stadt das Backhäusle dem Verein gratis zur Nutzung überließe, so der Vorschlag, würde der Schwarzwaldverein im Gegenzug die Pflege und Unterhaltung des Gebäudes übernehmen. Ein detailliertes Nutzungskonzept und eine Backhausordnung wurde ausgearbeitet, und die Zustimmung des Alpirsbacher Gemeinderats schien nur noch reine Formsache zu sein.

Stattdessen jedoch setzte das Gremium den Tagesordnungspunkt bei seiner jüngsten Sitzung ab. Denn die Ausgangslage hatte sich überraschend geändert. Fünf Privatpersonen, die unter dem Namen "Freunde des Backhauses" firmieren, äußerten gegenüber Bürgermeister Reiner Ullrich ihr Interesse, an verschiedenen Terminen ein Schaubacken zu veranstalten. Und Vertreter des Männergesangvereins Rötenbach teilten Ullrich kurz vor der Gemeinderatssitzung mit, dass sie, wie der Vorstand bei einer Sitzung beschlossen habe, das Backen zum Jahresende nun doch nicht einstellen wollen.

Betreibergesellschaft ein "gangbarer Weg"

Aus Altersgründen hätten Josef Rimprecht und sein Team vom Männergesangverein nicht mehr so viele Backvorführungen anbieten können wie bisher, sagt Volker Krötz, zweiter Vorsitzender des MGV, auf Anfrage unserer Zeitung. Dem Männergesangverein sei es wichtig, dass das Backhäusle als öffentliche Einrichtung für jedermann zugänglich bleibe und nicht allein in die Obhut eines einzelnen Vereins komme. Backinteressenten müssten diesen dann immer um Erlaubnis fragen, und das, meint Krötz, gäbe "bloß Streit".

Um keine Interessenskonflikte aufkommen zu lassen, holte Ullrich alle drei Gruppierungen an einen Tisch. Nun sollen der Schwarzwaldverein, der Männergesangverein und die Privatinitiative auf Vorschlag des Bürgermeisters eine Betreibergemeinschaft gründen. Krötz hält dies für einen "gangbaren Weg". Auf der Grundlage des vom Schwarzwaldverein vorgelegten Konzepts erarbeiten sie zudem gemeinsam eine Backhausordnung. Dafür hat der Schwarzwaldverein schon viel Vorarbeit geleistet. Alle Einwohner der Stadt, örtliche Vereine und Organisationen sollen nach seinen Vorstellungen das Backhaus benutzen dürfen, wenn sie die Backhausordnung beachten. Deren vom Schwarzwaldverein vorgelegter Entwurf sieht unter anderem eine Benutzungsgebühr vor, deren Höhe noch offen ist. Das Holz und den Hudelwisch sollen die Benutzer selbst mitbringen, und sauber hinterlassen müssen die das historische Gebäude nach ­Backtagen auch. Zudem haften sie für Schäden, die sie selbst zu verantworten haben. Das Backhaus soll ein lebendiges Museum werden, wie Vorsitzender Dirk Buschmann betont. Geführte Wanderung-gen zu der Einrichtung sind ebenso vorgesehen wie "gläserne Vorführungen" des Backens im Holzbackofen für interessierte Gäste. Die Vorführungen sollen pädagogisch begleitet werden. Auch Exkursionen für Schulklassen mit pädagogischer Führung kann sich der Schwarzwaldverein vorstellen, zudem die Teilnahme am Ferienprogramm mit Backvorführungen und an verschiedenen Veranstaltungen, zum Beispiel am Weihnachtsmarkt.

Um mögliche Vorbehalte von Alpirsbacher Bäckern im Hinblick auf unliebsame Konkurrenz zu entkräften, hat Buschmann vorsorglich eine Beispielrechnung aufgestellt: Bei einem Termin im Monat im Backhäusle würden etwa 50 Brote gebacken. Das bedeute, dass jeder Alpirsbacher Bäcker statistisch pro Tag ein halbes Brot weniger verkaufen würde. Wenn dadurch seine Existenz bedroht wäre, meint Buschmann, "sollte er seine Firmenphilosophie überdenken und einen Grundkurs in Betriebswirtschaftslehre belegen". Dem Schwarzwaldverein gehe es vor allem um die Überlieferung des traditionellen Backens für die nachfolgenden Generationen. Er sei generell gegen eine kommerzielle Vermarktung des Betriebs im Backhaus – auch mit Rücksicht auf die heimischen Bäcker.

Fest steht jedenfalls: Der Holzofen in dem kleinen historischen Gebäude in Rötenbach geht wohl nicht aus. Und das ist durchaus im Interesse der Stadt, wie Bürgermeister Ullrich betont: "Der Betrieb des Backhäusles ist auch touristisch interessant."