Utz Hügle leitet ehrenamtlich die Markenentwicklung der Stadt.Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Markenentwicklung: Beratungen über einen Kompromiss / Abstriche gering gehalten / Entscheidung an diesem Dienstagabend

Wie sehr darf die Markenentwicklung im Alpirsbacher Haushalt zu Buche schlagen? Womöglich haben Projektmanager Utz Hügle und die Stadtverwaltung einen Kompromiss gefunden. Ob sich damit auch der Gemeinderat anfreunden kann, wird sich an diesem Dienstagabend zeigen.

Alpirsbach. Das von Utz Hügle ursprünglich angedachte Budget von 195 000 Euro für die Weiterentwicklung der Stadt Alpirsbach wird die Verwaltung im Jahr 2021 wohl nicht erübrigen können. Das bedeutet Abstriche bei der Umsetzung der Projekte, die in naher Zukunft anstehen. 95 000 Euro seien ein realistischer Kompromiss, der sich bei der Überarbeitung des Jahresplans gemeinsam mit der Stadtverwaltung ergeben habe, verrät Hügle im Vorfeld der Gemeinderatssitzung im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Und das, wo dem Markenentwicklungsteam kein Sprint, sondern ein Marathon bevorstehe, wie Hügle es ausdrückt. "Nehmen wir zum Beispiel die Webseite. Mit der Erstellung ist es nicht getan." Sie müsse schließlich weiterhin gepflegt und bestückt werden.

"Es ist nicht so, dass man einfach ein paar Bausteine wegnehmen kann", erklärt Hügle das Problem. "Dann funktioniert das ganze Konstrukt nicht mehr." Zu stark seien die Zusammenhänge. Der Rahmen für die Entwicklung einer lebendigeren, moderneren Stadt, stehe. Nun gehe es darum, ihn mit Inhalt zu füllen. Die Grundsteine dafür will der ehrenamtliche Projektleiter in diesem Jahr legen.

In diesem Jahr werden die Bausteine gemacht

Bei der Präsentation nach außen sei wichtig, mit Bildmaterial zu arbeiten. Die Videoschnipsel und Fotos lassen sich, wenn einmal hergestellt, für verschiedene Projekte verwenden und beliebig kombinieren. "Damit können wir in den nächsten vier, fünf Jahren arbeiten." Zum Beispiel, wenn es darum gehe, "Geschichten zu erzählten".

Hügle erklärt in diesem Zuge genauer, was es mit dem Großprojekt "Wasserzyklus" auf sich hat: "Wir erzählen Geschichten in Bild- und Videoform, die etwas mit den Gewässern und ihrer Nutzung in Alpirsbach zu tun haben." Dazu gehören Quellen, Bäche, Flüsse, das alles in Verbindung mit dem Trinkwasserreservoire und auch der Brauerei, der Fischzucht oder Unternehmen wie "Mafac", die das Wasser brauchen.

Das Material werde auf der Internetseite hochgeladen. "Die Bereitstellung von Trinkwasser wird zu einem immer bedeutenderen Faktor. Und mit dem großen Wasserreservoire hat Alprisbach ein Alleinstellungsmerkmal", so der Projektchef. "Außerdem lassen sich die Gewässer touristisch sehr gut vermarkten. Dieses Thema wollen wir also nach außen tragen."

Im nächsten Schritt müssen Zielgruppen angesprochen werden. "Angenommen, eine junge Familie aus Berlin will gerne Urlaub in der Natur machen. Wie erfährt die von Alpirsbach?" Das funktioniere über die Algorithmen der Suchmaschinen und sozialen Netzwerke, mit deren Hilfe die Information zielgenau transportiert werden kann. Das ist so kompliziert, wie es klingt und brauche gutes Onlinemarketing. "Ich kann alles organisieren, aber für die Umsetzung braucht es Profis" erklärt Hügle, warum ohne finanzielle Mittel nichts gehe.

Budgetkürzung eine Frage des Prinzips?

Seine Sorge ist, dass sich die Entscheidungsträger auf einen geringen Betrag festgefahren haben und die Argumente im Sande verlaufen könnten. "Bei einer Investition in die Zukunft sieht man nicht sofort Ergebnisse", meint er. Aber das sei beim Bau eines Feuerwehrhauses genauso. "Mir ist klar, dass wir nicht alles machen können." Man streite aber um nur etwa 10 000 bis 15 000 Euro. "Es ist eine Frage des Prinzips. Bürgermeister Pfaff spricht von freiwilligen Aufgaben. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Steuern, Gebühren und Tourismus die Haupteinnahmequellen der Stadt sind. Deswegen ist die Markenentwicklung so wichtig", so Hügle.

Und wie lässt sich diese Sichtweise gegenüber denen rechtfertigen, die andere freiwillige Aufgaben ins Feld führen, die aber nicht finanziert werden? "Das Sulzbergforum ist ein Verein", nimmt Hügle das Beispiel der Musikschule (wir berichteten). Das sei nicht vergleichbar. "Da gebe ich dem Bürgermeister recht. Das Sulzbergforum ist nicht bereit, über eine Kooperation mit anderen Schulen oder über die Generierung von Einnahmen, zum Beispiel durch Konzerte, nachzudenken. Andere Vereine dagegen finanzieren sich selbst", sagt er. "Dennoch darf die musikalische Ausbildung nicht unterschätzt werden. In Alpirsbach ist die Musik durch Kloster- und Kreuzgangkonzerte schon sehr präsent." Einen Verein in das Markenentwicklungskonzept aufzunehmen, ist für ihn aus Gerechtigkeitsgründen dennoch keine Option.

"Konzerte wollen wir aber im Rahmen der Markenpräsenz schon verwirklichen." Während klassische Musik in Alpirsbach stark vertreten sei, kommen moderne Musik oder zum Beispiel Jazz zu kurz. Hier will Hügle mit der Förderung ansetzen.

Was die Überarbeitung des Jahresplans und der darin angedachten Projekte angeht, haben sich Stadtverwaltung und Markenteam nun zusammengesetzt. "Wenige Sachen wurden auf das nächste Jahr verschoben. Wir können fast alle Projekte auch mit einem geringeren Budget umsetzen, nur kleiner", verrät Hügle. "Von der Wirkung geht dadurch nicht viel verloren."

Während Pfaff an ein Budget von höchstens 85 000 Euro dachte, sei man nach der Überarbeitung bei 95 000 herausgekommen. Pfaff habe das "zur Kenntnis genommen". Ausschlaggebend ist jedoch die Entscheidung des Gemeinderats, der an diesem Dienstagabend den Jahreshaushalt beschließt.

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