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Alpirsbach Für starke Schulen im ländlichen Raum

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Kultusministerin Susanne Eisenmann referierte im Hotel Rössle in Alpirsbach. Rechts CDU-Ortsverbandsvorsitzende Maria Klink, links Kreisvorsitzender Norbert Beck. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

Das brenzligste Thema spart sie sich auf. Fast 50 Minuten lang spricht Kultusministerin Susanne Eisenmann im "Rössle" in Alpirsbach über Bildungspolitik im Land. Doch einen der wichtigsten Aspekte spricht sie zuletzt an: Lehrermangel.

Alpirsbach. "Bildungspolitik in Baden-Württemberg" heißt die Überschrift des Vortrags der Kultusministerin. Es ist eine Tour d’horizon, die vom Thema Rechtschreibschwäche bis zur "Verwahrlosung unserer Gesellschaft" reicht. "Qualitätsvoller Unterricht hat eine Voraussetzung: Dass er überhaupt stattfindet", sagt Susanne Eisenmann. Das klingt ein wenig witzig, soll heißen: Ohne ausreichend Lehrer geht gar nichts, gibt es höchstens Unterrichtsausfälle.

Auch im kommenden Schuljahr wird es nicht genügend Lehrer geben, auch im kommenden Schuljahr werden wieder Unterrichtsstunden ausfallen. Als Ursache der Misere, die nun schon seit Jahren andauert, gibt die Ministerin an, dass es in der Vergangenheit eine "unglaubliche Pensionierungswelle" gegeben habe. "Das wusste man doch vorher", meint da ein schüchterner Zwischenrufer. Antwort Eisenmann: "Ja, das war ein Planungsfehler."

Ein weiterer interessanter Beitrag zu dem Abend: Der Hilferuf einer hilflosen Lehrerin. Die junge Frau meldet sich gleich nach der Rede der Ministerin, man spürt ihre Aufregung. Ihre Klage ist lang, sie spricht von Kindern, "die nicht mehr bindungs- und bildungsfähig" seien, bei denen es zu Hause praktisch keine Erziehung mehr gebe, denen grundlegende soziale Fähigkeiten abgingen. Sie spricht von "Kindern, denen geholfen werden muss".

Eisenmann nimmt den Ball auf, auch sie kennt das Phänomen zunehmender Aggressivität von Schülern, zunehmender "Schulwut". Eisenmann spricht von "Sozialverwahrlosung", doch Erziehung könne nicht nur Sache der Schule sein, meint sie, Schule dürfe nicht zum "Reparaturbetrieb der Gesellschaft" werden, Erziehung sei zunächst einmal Angelegenheit und Pflicht der Eltern.

"Es gibt Eltern, die sich vom Erziehungsauftrag verabschiedet haben – das geht gar nicht." Das Publikum weiß, was sie meint, und spendet Beifall. Spontanen Applaus erntet Eisenmann auch bei einem anderen Thema: "Wir legen wieder mehr Wert auf Rechtsschreibung."

Referentin bricht eine Lanze für Werkreal- und Realschulen

Schreiben nach Gehör, diese jüngste pädagogische Mode mit teilweise verheerenden Folgen, finde bei ihr keine Unterstützung. Lesen, Schreiben, Rechnen, das seien zunächst die zentralen Lernziele der ersten Schuljahre, auch die "Ausübung einer Handschrift" gehöre dazu. "Lernen durch Wischen", also Computer statt Schreibstift – auch das werde es bei ihr nicht geben.

Überhaupt, meint Eisenmann in ihrem verhaltenen Stuttgarter HonoratiorenSchwäbisch, sie werbe für einen "humanistischen Bildungsansatz". Nicht alles, was gelehrt wird, müsse unbedingt und sofort nützlich sein. Allerdings: Auch sie räumt ein, dass in Sachen Digitalisierung "natürlich noch Nachholbedarf in Baden-Württemberg" bestehe. Man müsse sehen, dass man in der digitalen Ausstattung der Schulen vorankomme. Die Fragen aus dem Publikum gehen eher in eine andere Richtung. Die Sorgenkinder vor Ort sind vor allem die Werkreal- und Realschule Oberes Kinzigtal und das Progymnasium Alpirsbach. Letzteres hat zwar einen guten pädagogischen Ruf, aber niedrige Schülerzahlen, es geht die Furcht um, dass es über kurz oder lang geschlossen werden könnte. Man führe geradezu einen "Kampf ums Überleben", wie etwa Maria Klink, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Alpirsbach, meint.

Eisenmann geht das Thema freilich eher grundsätzlich an, plädiert für die Stärkung von "Schulzentren im ländlichen Raum", von der Erhaltung kleiner Grundschulen und Zwergschulen ("Mit mir wird es kein Schließungsprogramm geben"), zudem bricht sie eine Lanze für Werkreal- und Realschulen. Immerhin, ihr Etat sei schließlich der größte Etat des Landes, sagt die Ministerin nicht ohne Stolz. Jeder fünfte Euro des Haushalts fließe in die Bildung. Wenn da nur nicht dieser Lehrermangel wäre.

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