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Alpirsbach Ein Kloster der Hirsauer Tradition

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Das Hauptportal zieren zwei stilisierte Löwenköpfe, Meisterwerke des romanischen Kunsthandwerks. Foto: Schwarzwälder Bote

Es war 1095, als drei Adelige ihr gemeinsames Erbe dem heiligen Benedikt stifteten: Graf Alwik von Sulz, Graf Adalbert von Zollern und Ruotmann von Neckarhausen schenkten das Hofgut Alpirsbach im Schwarzwald dem Orden. Damit war das Kloster gegründet – vor 925 Jahren.

Alpirsbach. Über das Jubiläum der Stiftung – das genaue Datum der Stiftung war der 16. Januar 1095 – informieren die Staatlichen Schlösser und Gärten in einer Pressemitteilung.

Es ist bis heute ein mehr als eindrucksvolles mittelalterliches Architekturensemble, das im Tal der Kinzig entstand. Nach einer allerersten Kapelle, noch aus Holz erbaut, konnte bereits 1099, gerade vier Jahre nach der Stiftung, die erste steinerne Klosterkirche geweiht werden. Von dieser kleinen Steinkirche, auch Leutkirche genannt, ist nur noch der Turm vorhanden – das älteste Zeugnis für die Entwicklung der Klosteranlage.

Kloster Alpirsbach wurde, wie viele Klöster, die im 11. Jahrhundert entstanden, im Zuge der sogenannten "Hirsauer Reform" gegründet. Diese Reform der Benediktinermönche ging ursprünglich vom bedeutenden burgundischen Kloster Cluny aus. Sie stand vor dem Hintergrund des Investiturstreits: Das Ziel der Bewegung war es, die Klöster aus der Abhängigkeit von den weltlichen Machthabern zu befreien. Zugleich wollten sich die Reformklöster auf ihre Ursprünge besinnen und zurückkehren zu den monastischen Idealen: persönliche Armut, Gehorsam, Keuschheit und Stille.

Kloster Hirsau im Schwarzwald wurde schnell das beherrschende Zentrum für diese Bewegung – auch für die Gründung von Alpirsbach. Die abgeschiedene Lage des neu gegründeten Klosters war von den Vorschriften von Cluny und Hirsau vorgeschrieben. An der Stelle, an der das Kloster errichtet wurde, war zwar der dichte Wald bereits gerodet. Aber es gab kaum Verbindungen zu besiedelten Gebieten – nur die zwei Schwarzwaldflüsschen, die Große und die Kleine Kinzig, boten Verkehrswege.

Meisterwerk der Romanik

Das Kloster entwickelte sich schnell: Es waren meist junge Adelige aus der Umgebung, die ins Kloster eintraten. Schon eine Generation nach der Gründung entstand die heutige Klosterkirche. Sie wurde zwischen 1125 und 1133 errichtet. Der mächtige romanische Bau, dem Heiligen Nikolaus geweiht, ist in seiner klaren und schlichten Monumentalität ein eindrucksvolles Beispiel für die von Cluny und Hirsau geprägte Architektur der Zeit. Das Hauptportal zieren zwei stilisierte Löwenköpfe, Meisterwerke des romanischen Kunsthandwerks.

Das Tympanon – das Giebelfeld – über dem Hauptportal zählt laut Mitteilung der Staatlichen Schlösser und Gärten zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Plastik in Südwestdeutschland. In der Mitte thront Christus als Weltenrichter. Ganz links ist einer der drei Stifter zu erkennen, Adalbert von Zollern, der am Ende seines Lebens selbst in das von ihm gestiftete Kloster eintrat. Zu erkennen ist das an der Mönchskutte, die er trägt.

In der späten Gotik entstanden die prächtigen Neubauten von Kreuzgang und Klausur. Damals erblühte Kloster Alpirsbach ein zweites Mal: Nach einer Zeit des Niedergangs hatte es sich wieder einer Reformbewegung angeschlossen. In der Reformation wurde Alpirsbach wie alle Klöster in Württemberg aufgelöst. Herzog Christoph ließ eine evangelische Klosterschule in den Gebäuden einrichten. Diese Zeit ist verblüffend gegenwärtig dank eines spektakulären Funds von Alltagsgegenständen. Besonders eindrucksvoll sind die Kleidungsstücke, die sich aus dieser Zeit erhalten haben. Aber es gibt auch freche Karikaturen, die die Klosterschüler angefertigt haben. Die Originale sind im Klostermuseum zu besichtigen und lassen die Klosterschüler von einst wieder lebendig werden.

Aktuell lohnt sich der Besuch in Alpirsbach besonders: Das berühmte romanische Lesepult ist derzeit, zusammen mit einem eindrucksvollen gotischen Kruzifix, zu Gast im Kloster.

Dieses Meisterwerk der mittelalterlichen Skulptur wird in Alpirsbach gezeigt, weil die evangelische Stadtkirche Freudenstadt wegen Sanierungsmaßnahmen geschlossen ist. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, die heute Kloster Alpirsbach betreuen, bieten regelmäßig Führungen an. Besonders eindrucksvoll sind die winterlichen Rundgänge "Bei Kerzenschein und Glühwein". Der letzte Termin der aktuellen Saison ist am 8. Februar. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 07444/510 61.   Kloster und Klostermuseum sind in der Wintersaison (bis 14. März) donnerstags bis sonntags jeweils von 13 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt drei Euro, für Familien 15 Euro.

Weitere Informationen: www.kloster-alpirsbach.de

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