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Alpirsbach Kloster-Whisky: Edler Tropfen

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Im Keller lagert der Kloster-Whisky. Foto: Wiegert

Alpirsbach - Ein Blick hinter sonst verschlossene Türen kann den Horizont beträchtlich erweitern. Genau das wollen wir unseren Lesern mit einer neuen Serie bieten. Zum Auftakt kommen Geschichtsinteressierte und Genießer auf ihre Kosten – mit einem tiefen Blick in den Klosterkeller.

Der Weg zu dem rund 900 Jahre alten Sandstein-Gewölbekeller beginnt einen Steinwurf vom Westportal der Alpirsbacher Klosterkirche entfernt in einem Gebäude der Klosterbrauerei. Dort stand früher die Zehntscheuer des Klosters, heute bietet sich dort ein Blick in die Geschichte der Brauerei. Vor einer alten Gefängnistür endet der Weg für Museumsbesucher. "Hier stehen wir auf der guten Seite", sagt Carl Glauner (60), Chef der Alpirsbacher Klosterbrauerei, bevor er die kaum mannshohe, massive Holztür aufschließt. In der sogenannten Biet-Tür lässt sich ein durch ein Metallgitter gesichertes kleines Holzfenster öffnen – dadurch wurde den Gefangenen früher das Essen gereicht. Das Alpirsbacher Stadtgefängnis, von dem die Holztür stammt, war früher im Vogtsturm nebenan. Massiv vergitterte Fenster in dessen Obergeschoss zeugen noch heute von dem historischen Knast.

Der Vogtsturm gehört der Brauerei, ebenso wie der alte Sandsteinkeller. Einige Gänge und abwärtsführende Treppen hinter der Gefängnistür weiter öffnet sich der Gewölbekeller des klösterlichen Ökonomiegebäudes. Dort lagerten einst die Vorräte der Mönche. Nach der Säkularisierung folgte der erste Dornröschenschlaf des Kellers – bis der Urgroßvater des heutigen Besitzers Carl Glauner die Klosterbrauerei 1880 gründete. Die Brauerei nutzte den zweiteiligen, rechtwinklig gebauten Keller für die Bierproduktion.

Im Zuge der Modernisierung und mit dem Bau der Bierleitung, die das Sudhaus, Gär- und Lagerkeller sowie die Abfüllanlage verbindet, wurde der Keller nicht mehr gebraucht und fiel in seinen zweiten Dornröschenschlaf. Aus dem erwachte er, als Alpirsbacher Klosterbräu vor einigen Jahren damit begann, einen Kloster Whisky zu destillieren. Seither lagert die hochprozentige Spezialität in Eichenfässern in dem alten Gewölbe. In jedem Fass reifen 250 Liter Whisky.

"Das Holz ist schon zu Zeiten Napoleons gewachsen", sagt Carl Glauner und streicht mit der Hand über ein Fass. Die Dauben werden "getoastet", sagt der Brauereichef: In ihnen wird ein Feuer entfacht. Mit zwei der gebogenen Seitenbretter demonstriert er, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen dies führen kann: Eine Daube ist stark angekohlt. Das führt zu einer schnellen Färbung und geschmacklichen Beeinflussung des Whiskys, allerdings nicht zu einer Spitzenqualität, so Glauner. Die Fässer, in denen der Kloster Whisky lagert, zeigen optisch und geruchlich keinerlei "Brandspuren". Sie wurden nur leicht "getoastet". Mit ihnen wird laut Glauner das beste Ergebnis erreicht. Auch die äußeren Lagerbedingungen in dem Gewölbekeller sind optimal – der Raum muss nicht künstlich belüftet werden. Die Lufttemperatur schwankt zwar mit den Jahreszeiten, aber nicht so stark, dass sie aufwendig geregelt werden müsste.

Verkostungen an urigem Holztisch angedacht

Seit 1924 hat die Klosterbrauerei ein Brennrecht für 300 Liter reinen Alkohol im Jahr. Bisher wurde in der eigenen Destillation Bierbrand hergestellt. Der erste Alpirsbacher Kloster Whisky kam vor zwei Jahren auf den Markt. Stolz präsentiert Carl Glauner in dem alten Klosterkeller nicht nur den hauseigenen Whisky, sondern auch einen fast zehn Meter langen wuchtigen Holztisch. Er ist aus einem Stamm gefertigt. Der Baum stand im Garten von Klosterbräu-Geschäftsführer Markus Schlör in Freudenstadt. "Das war Millimeterarbeit", erinnert Glauner daran, wie der Tisch von Hand in den Keller getragen wurde.

In nicht allzu ferner Zukunft bekommen vielleicht auch Besucher Einlass durch die Gefängnistür und können an dem urigen Holztisch den Kloster Whisky oder den Bierschnaps der Brauerei genießen. Denn Carl Glauner spielt mit dem Gedanken, dort Verkostungen anzubieten.

Das Beste liegt eben manchmal unter der Erde. Und im Zentrum der Klosterstadt fließt es dort sogar: Neben dem Bier in der Pipeline auch das ebenfalls in Rohre gefasste Alpirsbächle.

Für unsere Serie "Verschlossene Türen" können Leser Tipps einreichen: Wenn Sie wissen wollen, was sich in nicht öffentlich zugänglichen Bereichen von historischen Gebäuden oder anderen Bauwerken, technischen Anlagen, alten Kellern oder auch Stollen verbirgt, lassen Sie uns Ihren Vorschlag per E-Mail an redaktionfreudenstadt@schwarzwaelder-bote.de oder auf dem Postweg an die Lokalredaktion des Schwarzwälder Boten in der Martin-Luther-Straße 5, 72250 Freudenstadt, zukommen. Vielleicht können wir dann ja als Türöffner dienen!

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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