Sopransolistin Verena Stickert mit der "Capella Vivace" und der Alpirsbacher Kantorei beim Weihnachtskonzert. Links im Bild, Kantor Ulrich Weissert. Foto: Steffens Foto: Schwarzwälder-Bote

Weihnachtskonzert in voll besetzter Klosterkirche Alpirsbach / Händels "Messias" als Höhepunkt

Von Georg Steffens

Alpirsbach. Einen solchen Andrang hatte die Klosterkirche schon lange nicht mehr gesehen: Noch zum offiziellen Beginn des Weihnachtskonzerts standen Besucher Schlange bis zur gegenüberliegenden ehemaligen Stadtbücherei. Über ein "volles Haus bis zum letzten Platz" freute sich denn auch der Kirchengemeinderatsvorsitzende Axel Kohler. Die Kulturliebhaber kamen in dem knapp zweistündigen Konzert voll auf ihre Kosten. Den Auftakt bildete die Ouvertüre Nr. 3 von Johann Sebastian Bach, deren "Air" zu den prominenten Stücken klassischer Musik gehört. Unter der Leitung von Kantor Ulrich Weissert musizierte die "Capella Vivace" aus Rottweil, die auch die Alpirsbacher Kantorei samt Jugendchor begleitete. Walter Fürniß gedachte dem im Oktober überraschend 52-jährig verstorbenen Schiltacher Kantor Detlev Zeller und lobte dessen Humor und Esprit, "der in Improvisationskunst aufblitzte".

Mit Max Regers Chorgesang "Unser lieben Frauen Traum" setzte die Kantorei Zeller und seinem Wirken auch in Alpirsbach ein würdevolles Denkmal. Den Höhepunkt bildete der erste Teil von Georg Friedrich Händels Monumentalwerk "Der Messias".

Das 1742 entstandene Oratorium zeichnete mit aussagekräftig verwobenen Bibelzitaten die Heilsgeschichte nach – im ersten Teil bis zur Geburt des Messias Jesus Christus. Daran knüpfte auch Klosterkirchenpfarrer Horst Schmelzle an, der im knöchellangen Wollmantel die Besucher begrüßte und auf die winterblühende Weihnachtsrose auf seinem Altar hinwies. Aber der Tag habe auch dunkle Seiten: die Christenverfolgung, der man am Stephanustag gedenke und ein Hausbrand in der Nachbarschaft. Schmelze versicherte der geschädigten Familie Ugur die Solidarität der Kirchengemeinde und ermutigte, das Licht von Weihnachten im Alltag zu bewahren. Händel selbst habe, so wusste Kantor Weissert zu berichten, seinen Messias weit häufiger in weltlichen Theatern als in Kirchengebäuden aufgeführt.

Nach einer Orchestersinfonie eröffnete Tenor Peter Erdrich das Händeloratorium mit der warm tönenden Zusage Gottes aus dem Jesajabuch "Tröstet, tröstet mein Volk". Einer anspruchsvollen Arie folgte ein bewegtes Loblied des Chors. Bass Felix Schuler-Meybier sang von göttlichen Gerichtsansagen und dem Trost aller Völker – vermochte aber von seiner Stimmlage her die Gewalt der Endzeitereignisse nur beschränkt zu verkörpern.

Altistin Livia Kretschmann stellte in der Arie "Doch wer kann bestehen" den Ernst der menschlichen Verantwortung vor Gott dar. Lebhaft besangen alle vier Solisten als Quartett die Hoffnung, Gott werde sein Volk "reinigen und läutern", bevor Kretschmann in einem Rezitativ das Kommen des Menschensohns ankündigte. Düsteren, beengenden Harmonien um "Das Volk, das da wandelt im Dunkeln" setzte der Chor die Botschaft vom "Wunderrat" und "Friedefürst" Jesus Christus entgegen.

In einem stimmgewaltigen Rezitativ entfaltete die am Sulzberg Forum tätige Sopranistin Verena Stickert die Heilsbotschaft der Engel an die Hirten und rief zur Freude auf, in die der Chor abschließend einstimmte: "Sein Joch ist sanft, die Last ist leicht". Nach minutenlangem Applaus gaben alle Musiker gemeinsam noch das bekannte "Große Halleluja" zum Besten, das eigentlich erst den zweiten Teil des "Messias" abschließt.