Ingmar Wein will nach Möglichkeit noch bis Februar 2021 in Neuseland bleiben und das Land bereisen.Foto: Noah Wilkening Foto: Schwarzwälder Bote

Reisen: Ingmar Wein hält trotz Pandemie an seinen Plänen fest / Fotograf aus Alpirsbach will ein Jahr in Neuseeland bleiben

Alpirsbach. Seit Anfang Februar ist Ingmar Wein, Fotograf aus Alpirsbach, in Neuseeland. Der 26-Jährige reist viel und hat auch schon längere Aufenthalte in Finnland und Kanada hinter sich. Wegen der Corona-Krise unterscheidet sich seine jetzige Reise allerdings von den bisherigen. An seinem Plan, ein Jahr dort zu bleiben, hält er aber weiterhin fest.

Was machen Sie zurzeit in Neuseeland, und was sind Ihre weiteren Pläne?

Mein Plan hier ist es, ein Jahr lang das Land zu bereisen und hier zu arbeiten, eben im Rahmen des Work-and-Holiday-Visums. Beim Reisen habe ich vor, so viel wie möglich hier zu fotografieren. Ich habe mir direkt am Anfang einen umgebauten Van gekauft, um damit reisen zu können, bin damit bisher ein bisschen über die Nordinsel gefahren und habe mir einige Sachen angeschaut und fotografiert. Mein Plan ist, bis Mitte Mai auf der Nordinsel zu bleiben und hier zu arbeiten, danach geht es den Winter über auf die Südinsel, da es dort einige schöne Skigebiete gibt. Die Möglichkeit, hier ein Jahr lang leben zu dürfen, würde ich gerne voll ausnutzen, also bis Februar 2021.

Neuseeland gefällt mir als Fotograf unglaublich gut, es ist ein Traum, hier leben zu dürfen. Die Nordinsel ist recht tropisch mit vielen Stränden sowie Hügeln, zusätzlich ist es hier auf der Südhalbkugel noch Sommer.

Wie ist die Situation in Neuseeland im Hinblick auf die Corona-Krise?

Für eine recht lange Zeit gab es keine großen Auswirkungen oder Fälle von Covid-19 in Neuseeland. Ende Februar gab es einige Restriktionen, die allerdings das Leben zunächst nicht stark verändert haben. Ab Mitte März haben sich die Ereignisse dann etwas überschlagen, und die Maßnahmen wurden stufenweise verschärft. Seit dem 25. März gilt der landesweite Notstand. Das heißt konkret, dass alle Firmen und Schulen geschlossen bleiben. Öffentliche Gebäude haben zum größten Teil zu. Niemand darf mehr reisen, und die Menschen müssen zu Hause in Selbstisolation bleiben und dürfen nur für notwendige Besorgungen nach draußen. Zusätzlich soll ein Abstand von zwei Metern zu anderen Personen eingehalten werden. Das wird auch von der Bevölkerung hier in der Gegend, in der ich bin, Katikati im Bezirk "Bay of Plenty", gut angenommen.

Wie wirkt sich das auf Ihre persönliche Situation aus?

Vor zwei Wochen habe ich mich in einem Kiwi-Packhaus beworben. Dort wurde ich eingestellt, um fertig verpackte Kiwi-Boxen auf Paletten zu stapeln, damit diese dann lokal und weltweit weiterverkauft werden können. Die komplette Nahrungsmittelindustrie wurde von der Regierung als systemrelevant eingestuft, das heißt, wir haben das Privileg, weiter arbeiten zu dürfen. Hier zählen ebenfalls die Regeln wie zwei Meter Abstand, und wir werden mit Schutzkleidung und Atemmasken ausgestattet. Sonst geht es aber normal weiter.

Was bekommen Sie von der Situation in Alpirsbach und Deutschland mit?

Über meine Familie sowie Freunde und Fotografenkollegen im Schwarzwald bekomme ich ein bisschen was mit von der aktuellen Lage. Die Entscheidung, hier in Neuseeland zu bleiben, habe ich zusammen mit meiner Familie getroffen, da das Land sehr gut und sehr schnell nach dem Ausbruch von Covid-19 reagiert hat und ich mich hier sicher fühle. Meine Familienangehörigen sind entweder selbstständig in der Land- und Forstwirtschaft oder arbeiten im Handwerk. Dort scheint es für sie noch keine allzu großen Einschränkungen zu geben. Über Facebook bekomme ich des Weiteren einiges aus Deutschland mit.

Wie ist ihr Eindruck von der Lage hier?

Mein Eindruck der Lage ist stark beeinflusst vom Vorbild Neuseeland, das sehr schnell reagiert hat, als das Virus ausgebrochen ist. Die Zwei-Meter-Abstandsregel sowie das Zuhause-Bleiben werden von der Bevölkerung strikt eingehalten. Die Regierung arbeitet sehr schnell daran, betroffene Personen oder Geschäfte finanziell abzusichern. Stark von der Regierung hier finde ich, wie das Thema Depression und psychische Gesundheit angegangen wird, dazu gibt es von Seiten der Regierung Hinweise und Hilfen für die lange Zeit der Selbstisolation. Das alles hilft der Bevölkerung, zuhause bleiben zu können. Dadurch wird ein weiteres Ausbreiten des Virus stark erschwert. Deshalb kann ich die Aufforderung, wenn möglich zuhause zu bleiben und Kontakt über das Internet zu halten, nur voll unterstützen.

Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Krise?

Meine Hoffnungen für die Zukunft nach dem Virus: Dass wieder mehr lokal eingekauft wird, beziehungsweise lokale Geschäfte unterstützt werden, dass wieder von regionalen Landwirten gekauft wird, dass Pflegeberufe endlich angemessen gewürdigt und bezahlt werden, dass die Natur sich weiter erholen kann und dass Deutschland den Sprung zur modernen Technologie, unter anderem mit besserem Internetausbau und Homeoffices,  schafft.   Die Fragen stellte Alexander Reimer

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: