Auf dem Balinger Marktplatz durften die Alphornbläser am Samstag um 12 Uhr noch spielen, in Rottweil ging es um 14 Uhr dann aber nicht. Foto: Breisinger

"Alphörner für den Frieden": Es war dasselbe Programm, dasselbe Musikerquartett und dieselbe Intention. Am Samstag durften die Alphornisten in Balingen auftreten, zwei Stunden später ging es in Rottweil nicht mehr. Die Stadt hatte das Konzert nicht genehmigt. Ein bedauerliches Missverständnis?

Rottweil - In vielen Städten haben die vier Alphornisten Joachim Bänsch, Eckhart Fischer, Aileen Jenter und Ulrike Schlienz in den vergangenen Tagen gespielt, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen und Spenden für Flüchtlinge aus der Ukraine zu sammeln. Auch in Rottweil war ein Auftritt angekündigt, und zwar für Samstag ab 14 Uhr.

Wer den besonderen Klängen lauschen wollte, wurde allerdings enttäuscht. Was zwei Stunden früher auf dem Balinger Marktplatz noch möglich war, ging in Rottweil nicht mehr. Dabei haben einige Zuhörer extra einen Weg auf sich genommen, um bei der Aktion dabei zu sein, wie uns eine Leserin mitteilt.

Auftritt wird nachgeholt

Bedauerlich findet es Joachim Bänsch, der das Ensemble leitet: "Es kam das Ordnungsamt, uns wurde gesagt, dass es eine Demonstration ist und wir nicht spielen dürfen." Dabei seien solche Auftritte wunderbare Erlebnisse, schwärmt er. Die Alphornisten entführten die Zuhörer für eine Stunde in eine andere Welt, man komme auf andere Gedanken. Am Ende dürften die Kinder das Instrument ausprobieren – ein Highlight! Und draußen könnten die Abstände problemlos eingehalten werden.

Dass der Auftritt in Rottweil nun nicht zustandegekommen sei, tue den Alphornbläsern leid. "Es war bestimmt keine böse Absicht", meint Bänsch. Und er kündigt an: "Bei schönem Wetter wird der Auftritt am übernächsten Wochenende nachgeholt."

Stadt: "Antrag kurzfristig eingegangen"

Doch was war eigentlich das Problem? Auf Nachfrage heißt es aus dem Rathaus, dass Auftritte von Musikgruppen im öffentlichen Straßenraum von der Stadtverwaltung genehmigt werden müssten. "Der Auftritt wurde uns erst am Freitagmorgen vor dem geplanten Termin ankündigt. Gerade mit Blick auf die wieder steigenden Corona-Fallzahlen müssen wir hier gegebenenfalls Vorgaben, wie beispielsweise Abstandsregeln, festlegen. Hierfür war der Antrag leider zu kurzfristig", wird weiter erläutert.

Zudem sei dem Ordnungsamt nicht mitgeteilt worden, dass es sich um ein Friedenskonzert für die Ukraine handle. "Da der Antrag sehr kurzfristig einging und kein tagesaktueller Bezug ersichtlich war, haben wir den Auftritt am Samstag nicht genehmigt", so die Konsequenz.

Also ein Missverständnis? "Es tut uns sehr leid, dass die Aktion unter diesen Umständen nicht stattfinden konnte. Sollte ein erneutes Solidaritätskonzert für die Ukraine mit dem erforderlichen Vorlauf angemeldet werden, würden wir einer solchen Aktion positiv gegenüberstehen und den Antrag selbstverständlich gerne wohlwollend prüfen", versichert die Stadtverwaltung.