Bei Allianz MTV Stuttgart beginnt die Vorbereitung auf die neue Volleyballsaison. Mit dabei: der neue Co-Trainer Vitus Rasshofer. Der ist gerade mal 21 Jahre alt – hat aber einen recht klaren Plan.
Noch dauert es ja eine Weile, bis die ersten sportlichen Erfolge gefeiert werden können. Erst am 6. Oktober beginnt die neue Saison in der Volleyball-Bundesliga der Frauen – für Allianz MTV Stuttgart mit dem Heimspiel gegen den VC Wiesbaden. Zwei Monate also sind es noch bis zum Auftakt – doch Vitus Rasshofer klingt schon jetzt ziemlich zufrieden.
„Ich freue mich sehr“, sagt der junge Mann, der erst kürzlich das Trainerteam des deutschen Meisters für die kommende Saison komplettiert hat. Er freut sich auf seine neue Aufgabe bei einem Topteam der Liga. Auf die Stadt Stuttgart. Auf die Zusammenarbeit mit den anderen Trainern und den Spielerinnen. Und vor allem: auf die Auftritte in der Scharrena. „Die Stimmung dort“, sagt er, „ist deutschlandweit einzigartig.“
Vitus Rasshofer kennt sie nicht nur vom Hörensagen, sondern hat sie schon selbst erlebt. Mit einem großen Unterschied allerdings: Bislang war er nur Gast – als Co-Trainer der Roten Raben Vilsbiburg. „Teilweise hat man sein eigenes Wort nicht verstanden, so laut war es“, erinnert er sich und gibt zu: „Für die Auswärtsteams ist es in Stuttgart nicht immer leicht.“ Umso mehr freut er sich, dass er künftig zu jenen gehört, denen die Anfeuerungsrufe und das laute Klatschen zuvorderst gelten.
Vitus Rasshofer gilt als „enthusiastischer“ Trainer
Wenn an diesem Dienstag die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart in die Vorbereitung auf die neue Saison starten, ist Vitus Rasshofer einer von zwei Co-Trainern des neuen Chefcoaches Konstantin Bitter. Was erst einmal wenig spektakulär klingt, ist dennoch speziell. Denn der Bayer ist gerade einmal 21 Jahre alt.
„Dass jemand in diesem Alter schon in der Bundesliga coacht, ist sicher außergewöhnlich“, sagt Kim Renkema. Dennoch hat die Sportdirektorin Rasshofer voller Überzeugung nach Stuttgart gelotst. Zum einen wollte sie generell „jungen, deutschen Trainern eine Chance geben“. Dazu passt auch, dass Konstantin Bitter (33) nach dem gesundheitlich begründeten Rückzug von Tore Aleksandersen – der Norweger konzentriert sich auf seine Krebstherapie – die volle Verantwortung für das Team übernimmt. Andererseits glaubt Kim Renkema auch daran, dass Vitus Rasshofer viel mitbringt, was dem Stuttgarter (Trainer-)Team helfen kann: „Er ist ein sehr enthusiastischer und extrovertierter Typ.“ Der schon in jungen Jahren einen beachtlichen Aufstieg hingelegt hat.
Erst vor zwei Jahren hat er die Schule beendet, in etwa zur selben Zeit gemerkt, dass es ihm nicht mehr ganz so wichtig ist, selbst im Volleyball aktiv zu sein. Stattdessen hat es ihn fasziniert, „das Spiel von einer anderen Sichtweise aus kennenzulernen, es ständig zu hinterfragen, Spielerinnen und Spieler zu entwickeln“. Gerade recht kam da das Angebot, in Vilsbiburg bei den Bundesliga-Damen als Co-Trainer einzusteigen.
Er hatte gleich im ersten Jahr „total Spaß“ – und die Verantwortlichen wohl derart überzeugt, dass er in der vergangenen Saison zusätzlich das U-20-Team des Clubs in der zweiten Liga als Cheftrainer betreute. Danach stand „recht früh“ sein Entschluss fest, seinen sportlichen Horizont zu erweitern und die Roten Raben Vilsbiburg zu verlassen. Es gab Ideen, Gespräche – und dann den Lehrgang der deutschen U-23-Auswahl vor dem Start der World University Games in China.
Hohe Ansprüche in Stuttgart
Auch hier war Rasshofer als helfende Hand dabei – an der Seite von Konstantin Bitter, den er „seit acht Jahren“ kennt. Und der dann mal fragte, was der junge Kollege denn künftig so vorhabe. Der Antwort Rasshofers folgte ein ausführliches Gespräch, dann ein Telefonat mit Kim Renkema, wenig später gab es ein Angebot aus Stuttgart – und Vitus Rasshofer „musste nicht lange überlegen“. Am Montag nun hat er schon seine neue Wohnung in Esslingen bezogen.
Von diesem Dienstag an ist er nun als zweiter Co-Trainer neben Wojciech Kurczyński gefragt – und doch auch wieder als aktiver Volleyballer. Denn ein Augenmerk bei der Auswahl eines weiteren Assistenten lag bei Allianz MTV Stuttgart auch darauf, dass der Neue auch selbst den Ball ganz gut trifft, so Spielsituationen simulieren und auch mal mitspielen kann. Gerade in der ersten Phase der Vorbereitung fehlen schließlich zahlreiche Nationalspielerinnen.
Vitus Rasshofer indes freut sich auf „eine superinteressante Mannschaft“, auf die Arbeit daran, „den hohen Ansprüchen“ beim Meister in Stuttgart gerecht zu werden – und will auch selbst als Coach weiter wachsen. Zwar absolviert er nebenbei auch ein Fernstudium im Fach Sportmanagement, aktuell sieht er seine Zukunft aber als Volleyballcoach am Spielfeldrand. „Ich kann mir gut vorstellen, das langfristig zu machen“, sagt er.
Ganz kurzfristig gibt es ja ohnehin noch nichts zu gewinnen.