Es läuft: Die niederländische Außenangreiferin Hester Jasper spielt bei Allianz MTV Stuttgart bisher eine herausragende Saison. Foto: Baumann

Die Stuttgarter Bundesliga-Volleyballerinnen haben einen super Start hingelegt – und nach Meinung ihres Trainers Tore Aleksandersen trotzdem noch Luft nach oben.

Stuttgart - Sieben Spiele, sieben Siege, souveräner Spitzenreiter: Die Stuttgarter Volleyballerinnen haben einen starken Start in die Saison erwischt. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Trainer Tore Aleksandersen vor dem Duell an diesem Samstag (18 Uhr) beim Bundesliga-Dritten Ladies in Black Aachen – und betont zugleich: „Wir sind noch in der Entwicklungsphase.“ Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung. Erst recht angesichts der Gründe für den bemerkenswerten Beginn.

 

Die Klasse

Allianz MTV Stuttgart ist der aktuelle Vizemeister, die Endspielserie im April gegen den Dresdner SC ging auch deshalb verloren, weil Krystal Rivers (in Spiel vier und fünf) sowie Juliet Lohuis (komplett) ausfielen. Nun sagt Tore Aleksandersen: „Unsere individuelle Qualität ist noch höher als in der vergangenen Saison.“ Das liegt an Neuzugang Eline Timmerman, die mit Juliet Lohuis und Mira Todorova ein starkes Trio bildet – der Coach kann im Mittelblock nun beliebig rotieren. Das liegt an Hester Jasper, die sich vor einem Jahr am Knie verletzte, operiert werden musste und jetzt ihr großes Potenzial zeigt. „Wir haben viel gearbeitet. Sie hat sich noch einmal verbessert, verfügt nun über mehr Schlagvarianten“, lobt Aleksandersen. Und das liegt an den neuen Zuspielerinnen. Ilka Van de Vyver und Julia Nowicka passen aus Sicht des Trainers perfekt zusammen. „Wir können im Angriff nun das machen, was wir machen möchten“, erklärt er, „die beiden sind sehr gute Zuspielerinnen. Und sie sind lernfähig, arbeiten zusammen daran, noch besser zu werden. Das ist anders als in der vergangenen Saison.“

Das System

Krystal Rivers ist weiterhin die durchschlagskräftigste Angreiferin der Bundesliga. Und dennoch ist das Stuttgarter Team in dieser Saison weniger leicht ausrechenbar – weil in wichtigen Phasen nicht mehr fast alles über die US-Amerikanerin auf der Diagonalposition läuft. Die Mittelblockerinnen und die Außenangreiferinnen übernehmen viel Verantwortung, zumeist sogar noch ohne Top-Neuzugang Simone Lee, die noch nicht Bestform ist. „Wir wollten Spielerinnen holen, mit denen wir ein höheres Tempo anschlagen können“, sagt Trainer Aleksandersen. „Das ist uns gelungen.“ Das sieht auch seine Sportdirektorin so. „Unser Ziel muss es sein, nicht nur die große Rivers-Show zu zeigen“, meint Kim Renkema, „richtig gut sind wir erst, wenn alle ihre Qualitäten ausspielen.“

Das Auftreten

Wer ein Team zusammenstellt, achtet immer darauf, die richtigen Charaktere zu finden. Diesmal war das für Renkema und Aleksandersen aber besonders wichtig. Sie wollten Spielerinnen, die viel mitbringen: Erfolgshunger, Extrovertiertheit, Einstellung, Energie. „Wir brauchten mehr Schwung auf dem Feld“, sagt Renkema, „und den haben wir auch bekommen.“

Der Stamm

Im Volleyball ist eine große Fluktuation nicht unüblich. In Maria Segura Pallerés, Roosa Koskelo, Rivers, Lohuis, Jasper und Todorova stehen bei Allianz MTV Stuttgart dennoch sechs Spielerinnen im Fokus, die schon vergangene Runde eine wichtige Rolle gespielt haben. Was sich laut Renkema positiv bemerkbar macht: „Da besteht eine große Vertrautheit.“

Die Rotation

Am 8. Dezember steht für die Stuttgarterinnen das Achtelfinalhinspiel im europäischen CEV-Pokal an, es ist der dritte Wettbewerb der Saison. Ganz bewusst hat Aleksandersen von Beginn an auf die Belastungssteuerung geachtet. Vor allem bei Krystal Rivers, die öfter geschont wurde. „Sie wird es nicht schaffen, eine Saison zu spielen, in der sie pro Partie zwischen 80 und 100 Sprünge absolvieren muss“, sagt der Coach, der froh ist, dass die Spielerinnen aus der zweiten Reihe ihre Chancen bisher genutzt haben. Allen voran Lara Berger, die zweite Diagonalangreiferin: „Sie hat ein super Potenzial. Die Herausforderung wird nun sein, dieses Niveau konstant zu spielen.“

Der Spielplan

Der Spitzenreiter traf in sechs seiner sieben Spiele auf Konkurrenten, die derzeit in der unteren Tabellenhälfte zu finden sind. Namhaftester Gegner war der Dresdner SC. Es gab zwar einen 3:2-Sieg, neben dem bisher einzigen Punktverlust stand unterm Strich aber auch eine alles andere als optimale Leistung. „In Dresden war zu sehen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt“, sagt Renkema. Und Aleksandersen erklärt: „Wir hatten anfangs nicht die stärksten Gegner. Das hat uns geholfen, gut in die Saison zu kommen – so ehrlich müssen wir schon sein.“

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Zur Wahrheit gehört zudem, dass trotz der fast makellosen Bilanz bisher nichts gewonnen ist. Läuft es auch künftig optimal, stehen bis Ende April weit über 30 Spiele an. Folglich bleibt genügend Zeit für Anpassungen. Der MTV-Trainer spricht gerne davon, das System „noch dichter“ bekommen zu wollen, denkt dabei vor allem an die Themen Präzision, Physis und Disziplin, auch mit Annahme und Abwehr war er nicht immer zufrieden. „In den Play-offs geht die Saison von vorne los, mit Ausnahme des Pokals zählt es erst im März und April“, sagt Tore Aleksandersen. Um mit einem Lächeln hinzuzufügen: „Wir sind noch längst nicht am Limit.“