Der letzte Pokalsieg der Stuttgarter Volleyballerinnen liegt zwei Jahre zurück – in Wiesbaden gab es 2022 einen 3:0-Erfolg gegen den Dresdner SC. Foto: Baumann

Vier ehemalige Stuttgarter Volleyballerinnen erinnern sich vor dem Finale an diesem Sonntag an die vier bisherigen Pokalsiege, beurteilen die Entwicklung ihres Ex-Clubs und tippen, wer den nächsten Coup landen wird.

Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart spielen an diesem Sonntag (13.30 Uhr/SWR) gegen ihren Dauerrivalen SC Potsdam in der Mannheimer SAP-Arenaum ihren nächsten Erfolg im Cupwettbewerb nach 2011, 2015, 2017 und 2022. Maren Fromm, Deborah van Daelen, Micheli Tomazela Pissinato und Ilka Van de Vyver erinnern an ihre Erfolgs-Mannschaften und geben einen Tipp ab, wer 2024 den Pott holen wird.

 

Fromm: „Entscheidend war der Weg ins Finale“

Maren Fromm (37)
bestritt unter ihrem Geburtsnamen Brinker als Außenangreiferin 321 Länderspiele – und schmetterte 2010/11 auch eine Saison lang für Smart Allianz Stuttgart.

„Der Pokalsieg 2011 war nicht nur der erste Titel für das neue Stuttgarter Volleyballprojekt, sondern auch für mich persönlich – deshalb ist dieser Erfolg unvergessen! Vor einer Kulisse wie in Halle/Westfalen spielen zu dürfen entschädigt für die viele harte Arbeit. Das Finale gegen Suhl war eine klare Sache für uns, entscheidend ist der Weg dorthin gewesen. Stuttgart war damals noch kein Top-Bundesligist, umso mehr zählten die Siege in Schwerin, gegen Wiesbaden und vor allem im Halbfinale Ende Dezember 2010 in der völlig überfüllten Hegelhalle gegen Dresden. Wir hatten damals einen super Zusammenhalt im Team, haben sogar die Verletzung von Zuspielerin Anna Nowakowska verkraftet. Ich hätte mir gut vorstellen können, länger als ein Jahr in Stuttgart zu bleiben, bekam aber ein Angebot aus Italien, das ich nicht ausschlagen konnte. Am Ende habe ich im April 2011 noch das erste Spiel in der Scharrena mitgemacht. Danach fand eine enorme Entwicklung statt. Von den Strukturen her kann nur der SSC Schwerin mit dem MTV mithalten, Stuttgart ist auch diese Saison mein klarer Favorit auf die Meisterschaft.“

Der Finaltipp
von Maren Fromm: „Allianz MTV Stuttgart will nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League etwas gutmachen, ist gegen den SC Potsdam der klare Favorit.“

Pissinato: „In Stuttgart ist Großes entstanden“

Micheli Tomazela Pissinato (39),
Mittelblockerin aus Brasilien, spielte von 2014 bis 2019 für den MTV und holte mit dem Club drei Titel (Meisterschaft 2019, Pokal 2015 und 2017). Sie blieb danach in Stuttgart, arbeitet heute im Marketing bei ELO Digital Office.

„Das Frühjahr 2015 war speziell. Wir hatten ein komplett neues Team, von dem sehr viel erwartet wurde. Im Pokalfinale in Halle/Westfalen waren wir gegen Aachen klar favorisiert. Wir wussten, dass wir damit umgehen können, und trotzdem passte in den ersten zwei Sätzen nichts zusammen. Beim Stand von 0:2 haben wir umgestellt. Jelena Wlk, die bis dahin in dieser Saison verletzungsbedingt kaum gespielt hatte, kam auf Außen, dafür wechselte Renata Sandor auf die Diagonalposition. Dagegen fand Aachen kein Mittel – und Jelena Wlk hat das Spiel ihres Lebens gemacht. Es wurde ein Spektakel, das wir 3:2 gewonnen haben. Wir waren total aufgeregt, stolz und glücklich, aber auch so platt, dass die Party im Hotel nicht lange gedauert hat. Es freut mich ungemein, dass sich der Verein danach immer weiter professionalisiert hat und eine herausragende Arbeit leistet. Seit fast einem Jahrzehnt stand Allianz MTV Stuttgart in jeder Play-off-Finalserie um die Meisterschaft – allein diese Konstanz belegt, was der Club leistet. Auch die Erfolge in der Champions League zeigen, dass hier Großes entstanden ist.“

Der Finaltipp
von Micheli Tomazela Pissinato: „3:1 für Allianz MTV Stuttgart.“

Van Daelen: „Das Endspiel noch zu drehen, war einfach nur mega“

Deborah van Daelen (34)
 spielte von 2012 bis 2014 und 2015 bis 2019 in Stuttgart. Die niederländische Diagonalangreiferin war Kapitänin des ersten Meisterteams. Heute ist sie Projektmanagerin bei der Firma Opus, die auch die Jazz Open veranstaltet.

„Das Pokalfinale 2017 war ein ganz besonderes. Der SSC Schwerin hatte ein richtig starkes Team mit Louisa Lippmann, Denise Hanke und Jennifer Geerties, wir waren anfangs sehr wackelig und nervös. Ich durfte auf der Diagonalposition beginnen, war froh über die Chance, aber auch schnell wieder draußen. Ende des zweiten Satzes kam ich zurück, jede von uns spielte angesichts des 0:2-Rückstands nach dem Motto ‚Alles oder nichts‘. Entscheidend war der Wechsel unserer Zuspielerin. Karmen Kocar gab uns die Gewissheit, es doch noch schaffen zu können. Zudem war Michaela Mlejnkova überragend – dieses Spiel vor der riesigen Kulisse in der SAP-Arena noch zu drehen und mit 3:2 den Pokal zu gewinnen, war einfach nur mega. Entsprechend lange haben wir gefeiert. Am nächsten Morgen hat mein Praktikum bei meinem heutigen Arbeitgeber begonnen, das war kein leichter Start. Im Stuttgarter Volleyball ging es seit dieser Zeit stetig bergauf, 2019 folgte dann ja in meinem letzten Spiel die erste Meisterschaft. Die Entwicklung des Vereins ist richtig krass, ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon gewesen zu sein.“

Der Finaltipp
von Deborah van Daelen: „3:1 für Allianz MTV Stuttgart.“

Van de Vyver: „Wir waren ein wunderbares Team“

Ilka Van de Vyver (31),
Zuspielerin aus Belgien, war die emotionale Anführerin der MTV-Mannschaft, die 2022 das Double holte. Derzeit spielt sie in Rumänen bei CSO Voluntari.

„Ehrlich gesagt hatte ich mir, was die Atmosphäre angeht, ein anderes Pokalfinale 2022 erhofft. Wir waren bestens vorbereitet auf ein Volleyball-Fest in der SAP-Arena und wussten, dass uns dort viele Fans unterstützen würden. Doch dann gab es bei unserem Gegner Dresdner SC einige Corona-Infektionen, das Endspiel wurde verschoben. Es fand dann in Wiesbaden statt, die Stimmung dort war nicht vergleichbar. Trotzdem ist es ein tolles Erlebnis gewesen. Wir waren ein wunderbares Team, haben uns super verstanden. Dazu kam, dass jede von uns für den Erfolg alles gegeben hat. Als Zuspielerin ist es einfach, wenn man zwei so starke Angreiferinnen wie Krystal Rivers und Simone Lee neben sich weiß. Wir haben zuerst das Pokalfinale klar mit 3:0 gewonnen und später dann noch die Play-off-Serie um die Meisterschaft mit 3:2 gegen den SC Potsdam. Dieses Double war eine Folge der herausragenden Entwicklung von Allianz MTV Stuttgart. Der Verein hat sich in Europa einen tollen Namen gemacht – weil es immer wieder gelingt, Spielerinnen mit großem Talent und der richtigen Mentalität zu verpflichten. Mein Herz schlägt immer noch für Stuttgart.“

Der Finaltipp von Ilka Van de Vyver:
„Die Stuttgarterinnen siegen dank ihrer großen Erfahrung in wichtigen Spielen gegen den SC Potsdam.“