Auch Luisa Keller (li.) und Laura Künzler werden den alten und neuen Meister Allianz MTV Stuttgart verlassen. Foto: Baumann

Auf die gemeinsame Titelfeier folgt die Abschiedstour: Sechs MTV-Profis gehen neue Wege. Einige von ihnen hätte der Verein gerne in Stuttgart gehalten.

Es ist im Volleyball üblich, dass die Saison nicht mit dem letzten Ballwechsel endet. Denn danach beginnen die Wechselspielchen. Auch deshalb konnte sich Toni Rieger, der Manager des SC Potsdam, nicht zu einer Kampfansage in Richtung des alten und neuen Meisters durchringen. „Wir waren als einziger Bundesligist in drei Finals“, sagte er, „aber Allianz MTV Stuttgart ist ein super Team, hat die Schale bravourös gewonnen. Wir wollen nächstes Jahr wieder unter die besten vier kommen – dafür muss alles passen.“ Und der Umbruch gelingen.

 

Dem Vernehmen nach wird der SC Potsdam nicht nur Trainer Guillermo Naranjo Hernández (von 2013 bis 2017 in Stuttgart) an Galatasaray Istanbul verlieren, sondern offenbar auch Topspielerinnen wie Sarah van Aalen (Türkei), Maja Savic (Ziel offen), Anett Nemeth (Italien), Aleksandra Jegdic und Hester Jasper (beide Dresdner SC).

Auch bei Allianz MTV Stuttgart gehen Profis, die der Club gerne gehalten hätten. Trotzdem ist die Lage komfortabler. Sechs Spielerinnen werden nicht mehr im Kader stehen, spürbare Auswirkungen hat das vor allem auf zwei Positionen: den Außenangriff und den Mittelblock. „Wir werden etwas weniger Erfahrung, dafür ein bisschen mehr Talent im Team haben“, sagt Kim Renkema, „es wird auf jeden Fall spannend.“

Simone Lee und Laura Künzler gehen in die Türkei

Das Ziel der MTV-Sportdirektorin war, zumindest eine ihrer zwei schlagstarken Außenangreiferinnen zu halten, am Ende gelang das weder bei Laura Künzler noch bei Simone Lee. Beide verdienen bald in der Türkei wesentlich mehr Geld. Auch Luisa Keller wird sich verabschieden, um bei einem anderen Bundesligisten öfter zu spielen. Alexis Hart, in welche die Verantwortlichen große Hoffnungen setzen, wechselt von der Diagonal- auf die Außenposition, kommen sollen zudem wohl drei externe Verstärkungen.

Die zweite große Veränderung gibt es im Mittelblock. Denn neben Barbara Wezorke (Karriereende) verlässt auch Marie Schölzel den Verein – in Richtung Polen. „Ich habe mich nicht schnell genug für Stuttgart entschieden“, sagte die Nationalspielerin, nachdem sie in der Finalserie noch einmal ihre Klasse gezeigt hatte, „und irgendwann hat der Verein die Entscheidung dann ohne mich getroffen.“ Was an Monique Strubbe lag.

Noch mehr Qualität im Mittelblock

Als sich Kim Renkema die Chance bot, die Nationalspielerin vom Dresdner SC holen zu können, griff sie zu. „Marie Schölzel hat eine super Saison gespielt, aber sie wollte oder konnte ihren Vertrag nicht frühzeitig verlängern“, sagt Renkema, „und Monique Strubbe ist für mich das größte Talent in Deutschland auf dieser Position.“ Ebenfalls vom Dresdner SC kommt die US-Amerikanerin Kayla Haneline, Eline Timmerman bleibt beim Meister. „Strubbe und Haneline waren in dieser Saison die besten Spielerinnen in Dresden“, erklärt Renkema, „mit diesem Trio werden wir im Mittelblock noch besser aufgestellt sein.“

Der letzte Abgang ist schon länger bekannt: Zuspielerin Hannah Kohn, das 19-jährige Talent aus dem eigenen Nachwuchs, soll bei einem anderen Bundesligisten auf mehr Einsatzzeiten kommen als hinter der gesetzten Britt Bongaerts in Stuttgart. „An der Stabilität der neuen Mannschaft werden wir arbeiten müssen“, sagt Trainer Tore Aleksandersen, „doch ich bin mir sicher, dass wir auch nächste Saison ein starkes Team sein werden.“

Es ist eine Gewissheit, die derzeit (noch) nicht alle Top-Bundesligisten haben.