Die Vorbereitung bei Volleyball-Meister Allianz MTV Stuttgart läuft voll nach Plan – doch was am Ende herauskommen wird, weiß niemand. Dafür ist der Umbruch zu groß.
Seit einem Monat bereiten sich die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart auf die Saison vor, bisher läuft alles nach Plan. Trotzdem kann niemand sagen, was letztlich herauskommt. Nur eines betonen die Verantwortlichen bei jeder Gelegenheit: Das vergangene Jahr, in dem das Triple gewonnen wurde, ist nicht der Maßstab.
Vorbereitung Am 5. August war das erste Training, allerdings traf Coach Konstantin Bitter nur die Hälfte seines Teams an. Der Rest weilte bei den Olympischen Spielen in Paris oder Nationalmannschaftslehrgängen. Dennoch wurde seither in der Scharrena hart gearbeitet – mit Unterstützung von sechs Talenten aus dem Bundesstützpunkt. Der Nachwuchs ermöglichte sinnvolle Einheiten, zeigte aber auch sein großes Potenzial. „Die jungen Spielerinnen eingebunden zu haben war für alle sehr positiv“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema. Und auch Konstantin Bitter ist nach den ersten vier Wochen zufrieden: „Die Einheiten sind sehr intensiv gewesen, die Basis ist gelegt. Die Neuzugänge haben sich an unsere Kultur und Arbeitsweise gewöhnen können. Jede muss verinnerlichen, was es heißt, in Stuttgart zu trainieren, zu spielen und zu leben.“
Seit Dienstag hat der Triple-Trainer sein komplettes Team beisammen. „Nun geht die wirkliche Vorbereitung los“, erklärt Kim Renkema, „das Trainingsniveau wird ordentlich nach oben gehen.“ Davon ist auch Konstantin Bitter, der mit seiner Mannschaft an diesem Freitag und Samstag an einem Testturnier in Paris teilnimmt, überzeugt. „Die entscheidenden Wochen“, sagt er, „beginnen jetzt.“ Klar ist für ihn aber auch, dass die verbleibenden 17 Tage bis zum Supercup nicht ausreichen werden, um alle in Form zu bringen: „Wir stecken in einem Umbruch. Es wird bis weit in die Saison hinein dauern, ehe bestimmte Entwicklungen abgeschlossen sein werden.“
Kader Nach dem Gewinn von Supercup, Pokal und Meisterschaft hat sich das Team stark verändert. „Wir stehen“, sagt Trainer Bitter, „vor einem sehr spannenden Neuanfang.“ Im Diagonalangriff (Krystal Rivers, Pauline Martin), auf der Libera-Position (Roosa Koskelo, Florien Reesink) und im Außenangriff (Rückkehrerin Maria Segura Palleres, Jolien Knollema, Mija Siftar, Madelyn Robinson, Antonia Stautz) ist der Bundesligist noch stärker besetzt als in der Triple-Saison, im Mittelblock (Kelsey Veltman, Breland Morrissette, Lucía Varela Gómez) vermutlich etwas schwächer. Das größte Fragezeichen steht hinter den Namen Milana Bozic und Charlotte Krenicky. Die Verantwortlichen halten sehr viel von den neuen Zuspielerinnen. Ob sie allerdings in der Lage sein werden, den Abgang von Britt Bongaerts, vergangene Saison als Bundesliga-Beste ausgezeichnet, einigermaßen zu kompensieren, ist offen, zumal Krenicky sich im Sommer einer Operation am Handgelenk unterziehen musste. „In der Breite sind wir sehr gut besetzt“, sagt Konstantin Bitter, „doch wir werden Zeit benötigen, um wieder die Überzeugung leben zu können, die wir in der vergangenen Saison hatten.“
Saisonziel Die Erwartungshaltung der Fans ist in Stuttgart hoch, weshalb der Verein versucht, Druck vom Team zu nehmen: Niemand erwartet ein weiteres Triple. „Diesen Erfolg zu wiederholen ist nahezu unmöglich“, erklärt Trainer Bitter, „unser Ziel ist, bis zum Beginn der Champions League im November unser Potenzial ausschöpfen zu können. Und am Ende der Saison in der Lage zu sein, einen Titel zu gewinnen.“ Ähnlich äußert sich die Sportchefin. „Wir haben an Erfahrung verloren, aber an Talent gewonnen“, meint Renkema, „ich bin überzeugt, dass unser Kader gut genug ist, einen Titel holen zu können. Damit wären wir zufrieden, niemand von uns fordert das nächste Triple. Das wäre die falsche Herangehensweise.“ Weil die Erwartungshaltung rund um einen Spitzenclub ohnehin hoch genug sei: „An diesen Druck müssen sich unsere neuen Spielerinnen gewöhnen.“
Supercup Am Sonntag, 22. September, trifft Allianz MTV Stuttgart ab 17 Uhr in der Porsche-Arena auf den SSC Schwerin, bisher sind rund 4000 Tickets verkauft. Der Gastgeber hofft darauf, die 5000er-Marke zu knacken, was nicht selbstverständlich ist, schließlich spielt der VfB parallel gegen Borussia Dortmund, was vor allem das Absetzen von VIP-Karten erschwert. Beide Teams bestreiten ihren Saisonauftakt, wollen sich den ersten Titel und Selbstvertrauen holen. „Sportlich“, erklärt Konstantin Bitter, „wird dieses Duell allerdings keine Aussagekraft haben.“