Lisa und Artur Ribsam betreiben seit Mai den „Lebenshof Federbande“ in Kappel-Grafenhausen. Dort leben überwiegend Hühner, die aus Massentierhaltungen gerettet wurden.
Mit dem kleinen Gehege in ihrem Garten haben sich Artur und Lisa Ribsam aus Kappel-Grafenhausen einen Traum erfüllt. Es ist das Zuhause von acht Tieren, darunter sechs Hühner. Sie haben viel Platz, genug Essen und fühlen sich offenbar pudelwohl. Das war jedoch nicht immer so: Selbstverständlichkeiten wie Zuneigung, frische Luft oder Tageslicht existierten im Leben der Geflügeltiere zuvor nicht.
Sie wurden nämlich in Massentierhaltung groß, eingesperrt auf engestem Raum. „Sie sind Tiere, die von Organisationen gerettet wurden. Im Juni haben die ersten auf einem Rasthof bei Mannheim abgeholt“, erinnert sich Lisa Ribsam beim Besuch unserer Redaktion. Heute leben die Tiere auf dem „Lebenshof“ des Ehepaars, tragen Namen und genießen, was ihnen zuvor verwehrt blieb.
Doch wie hat das Ganze angefangen? „Wir haben 2020 eine Dokumentation über Massentierhaltung gesehen und uns gefragt, wie wir helfen können“, erklärt die 32-Jährige, die sich seither mit ihrem 29-jährigen Mann vegan ernährt. Darauf hin seien sie auf den „Lebenshof“ in Odenwald aufmerksam geworden und boten ihre handwerkliche Hilfe an. „Daraus ist eine enge Freundschaft entstanden“, freuen sich die Eheleute.
Die Idee, einen eigenen Hof – und damit auch einen „Lebenshof“-Verein – zu gründen, entstand Ende 2024. „Ich habe immer mal wieder verletzten Tieren geholfen und wurde so zu einem lokalen Ansprechpartner“, berichtet Lisa Ribsam. So kam es, dass man ihr eine verletzte Ente gebracht habe. „Ich bin mit ihr zu einem Vogelspezialist nach Karlsruhe gefahren und habe sie versorgt“, erklärt sie.
Da der Hof in Odenwald das Tier jedoch nicht dauerhaft aufnehmen konnte, beschlossen die Ribsams, ihren eigenen zu eröffnen. Und so wurde die Ente „Fraufred“ im Mai des vergangenen Jahres zum ersten Bewohner des „Lebenshof Federbande“.
Innerhalb sieben Monate ist die Anzahl der Tiere auf acht gestiegen. Die neusten Zugänge sind die Hühner „Lilli“ und „Tatjana“, die im September aufgenommen wurden. Auch sie haben offenbar Schreckliches erlebt.
Die Hühner kommen aus miserablen Zuständen
„Als die Hühner hier ankamen, hatten sie fast keine Federn mehr und waren in sehr schlechtem Zustand“, verdeutlicht die 32-Jährige. Ein Huhn sei sogar wenige Tage nach der Rettung an den Folgeschäden der Massentierhaltung gestorben. In Kappel-Grafenhausen angekommen, seien die Federtiere sehr zurückhaltend. „Für sie ist alles neu – sogar der bloße Temperaturunterschied“, so die Retterin.
Damit sich die Hühner von ihren Erlebnissen erholen können, braucht es Zeit – und vor allem Geld. Allein für das Gehege hätten die beiden rund 6000 Euro aus Eigenleistung investiert. Zudem seien die Ribsams mittlerweile Stammgast beim Karlsruher Vogelexperten. „Seit Mai haben wir rund 10.000 Euro für Tierarztrechnungen ausgegeben“, schätzt sie.
Hinzu kommt, dass die Hühner jeden dritten Monat einen Hormon-Chip bekommen. Kostenpunkt: pro Tier 150 Euro. Dieser verhindert, dass die Hühner Eier produzieren. „Sie wurden so hochgezüchtet, dass sie normalerweise einmal am Tag legen. Bei einem Huhn blieben sie stecken, worauf hin der Arzt fünf Stück aus dem Tier entfernen musste“, so die Tierexpertin.
Zu stemmen sei das Ganze nur durch Spenden. Zumal Lisa Ribsam nur noch Teilzeit arbeitet, um für die Tiere da zu sein. „Das ist ein großer Aufwand“, weiß sie. Zu sehen, wie sich die Hühner erholen, sei jedoch „jede Träne wert“.
Weitere Informationen
Wer den „Lebenshof Federbande“ Kappel-Grafenhausen unterstützen möchte, findet im Internet unter www.lebenshof-federbande.org weitere Informationen. Bei Fragen stehen die Betreiber Lisa und Artur Ribsam auch per E-Mail an info@lebenshof-federbande.org, unter Telefon 0176/ 38 80 56 70 oder auf der Internet-Plattform Instagram unter „lebenshof.federbande“ bereit.