Tempus fugit hat sein Stück zum Thema Ladendiebstahl aktualisiert. 200 Schüler aus Lörrach und Rheinfelden wurden befragt. Auch die Polizei macht mit.
Über 200 anonyme Fragebögen von Schülern der 6. Klassen aus Lörrach und der GMS in Rheinfelden haben Liliane Rieckmann, Studentin der Theaterpädagogik, und Angelika Ebert, freie Mitarbeiterin am Theater Tempus fugit, ausgewertet, um so das Klassenzimmertheaterstück „Alles auf Anfang“ zu aktualisieren.
Warum klauen Kinder
Dieses thematisiert das Ausprobieren krimineller Handlungen, wie den klassischen Ladendiebstahl. Damit ist Mobbing, Ausgrenzung und Selbstbehauptung eng verknüpft. Nun haben Theaterpädagogen von Theater Tempus fugit das Stück anhand dieser Fragebögen aktualisiert.
„Alles auf Anfang“
„Alles auf Anfang“ hat das Theater Tempus fugit 2005 entwickelt. Bei der aktuellen Überarbeitung ging es um Fragen wie: „Was wird geklaut, warum macht man das?“. Angelika Ebert sagt, die Schüler hätten erstaunlich offen geantwortet. So haben einige geschrieben, die zu stehlenden Gegenstände müssten leicht auszupacken sein, andere gaben an, wo und was man am besten klauen kann. Getränke und besonders Kosmetik würden gestohlen, im letzten Stück standen Elektronikgeräte im Fokus der Schüler.
Erkenntnisse aus Fragebögen
In den Fragebögen zeigte sich auch deutlich, dass die Schüler ein Unrechtsbewusstsein haben. Stehlen in der Familie, im Freundeskreis verurteilen sie, hingegen fanden einige, dass Ladendiebstahl nicht so problematisch sei, denn dies würde den Großkonzernen nicht wirklich schaden. Ihre Motivation ist vielfältig und reicht von Mutprobe, Gruppenzwang bis hin zu finanziellem Druck, schreibt Tempus fugit.
Die neuen Erkenntnisse sind direkt auf der Bühne zu sehen: So beschließt Lotta in „Alles auf Anfang“, der Klassenlehrerin den Schlüssel zu entwenden, um an die Handygarage zu kommen.
Lotta will an Geld kommen
Ihr Plan: Ein Smartphone zu verkaufen, um an Geld zukommen. Ihre Eltern schämen sich, finanzielle Unterstützung zu beantragen, um die Klassenfahrt zu finanzieren. Lukas, einziger in der Gruppe, der sich gegen Diebstahl ausspricht, nimmt die Schuld auf sich.
Bei „Alles auf Anfang“ schauen die Schüler zunächst ein Theaterstück an. Im zweiten Teil können sie Situationen ändern und die Figuren unterstützen.
Von Anfang an arbeiten das Polizeirevier Lörrach und das Theater eng zusammen. Der ehemalige Polizeirevierleiter Andreas Nagy stellte fest, dass Aufklärung enorm wichtig sei. Die finanzielle Situation vieler Familien habe sich verschlechtert, die Begehrlichkeiten seien geblieben.
Milliardenschaden im Einzelhandel
Ladendiebstahl verursache einen Milliardenschaden. Die Zahlen für Ladendiebstahl seien in den beiden vergangenen Jahren bei Kindern und Jugendlichen stark gestiegen, unter anderem liege dies auch daran, dass mehr Security Personal im Einsatz ist.
Polizei geht an Schulen
Nach jeder Vorführung geht die Polizei in die Schulen und bereitet das Thema in der Klasse nach. Gruppenzwang, das Dazugehören wollen, sei ganz wichtig anzusprechen, erklärt Manuela Radau, Polizeioberkommissarin. Vielen Schülern sei nicht bewusst, welchen materiellen Schaden das beim Einzelhandel verursache. Rund vier Milliarden Euro seien das jährlich. Erst wenn die Schüler erwischt würden, realisierten sie die Konsequenzen, sagt sie.
Die Staffel 2026 beinhaltet zehn Aufführungen und erreicht damit rund 400 Schüler. Sie finden am Hebelgymnasium Lörrach, am Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach, an der Theodor-Heuss-Realschule Lörrach und an der GMS Rheinfelden statt.