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Alfed Hrdlicka ist tot Leben und Kunst - eine einzige Härte

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Stuttgart - Alfred Hrdlicka, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer, Maler und Zeichner, ist am 5. Dezember im Alter von 81 Jahren in Wien gestorben. Die Auseinandersetzung mit Krieg, Gewalt und Faschismus prägte sein Werk.

Sie reckten sich gegen manche Widerstände. Wirkliche Freunde fanden sich für Alfred Hrdlickas Bronzen auf der Königstraße in Stuttgart jedenfalls immer nur wenige. Und in einer Zeit, in der die ständige Ereignisbühne Stadt keine Störung des eiligen Verweilens erträgt, waren die Figuren eine Zeit lang gar ganz aus dem Blickfeld verschwunden. Ja, sie hatten sich quergestellt, ja, sie formierten sich zu einem störrischen Gegenbild zwischen Schlossplatz und Kleinem Schlossplatz. Erinnerten sie aber nicht an einen Geist, der Stuttgart eben auch prägt, den Geist der Gegenrede?

Stuttgart hat mit der einst von Freerk Valentien platzierten Gruppe wohl das brisanteste Gegenstück zu Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertinaplatz in Wien zu bieten. Heute steht sie auf dem neu gestalteten Hof vor der Stauffenberg-Gedenkstätte am Karlsplatz. Das hat inhaltlich durchaus Berechtigung - und doch ist etwas verloren von der Wirkung dieser Figuren und vom Stolz dieser Kunst. Der Nachhall Hrdlickas in Baden-Württembergs Landeshauptstadt bleibt. An der hiesigen Kunstakademie hat er einst gelehrt - und mit der ihm eigenen Radikalität die Debatte über das Kunst-Sein an sich wie auch über das Selbstverständnis der Professoren angeheizt.

Ein Künstler muss aus Hrdlickas Weltsicht bestehen können, alleine - und kann schon deshalb im Grunde keinen Lehrer wollen, sondern einen intellektuellen Widerpart. Solche Haltung braucht Weggefährten. Freerk Valentien als Galerist und Günther Wirth als Ausstellungsmacher und Kritiker begleiteten Hrdlicka, forcierten, jeder auf seine Weise, auch das Sichtbarmachen von Wendepunkten in Hrdlickas Schaffen. Und über die Kritikerpersönlichkeit Karl Diemer positionierte sich gerade unsere Zeitung vehement für den künstlerischen Freiheitsgedanken Hrdlickas. Allianzen mit Folgen - nirgendwo sonst etwa trat der Maler Hrdlicka früher auf als in Stuttgart, und kaum eine Privatgalerie forcierte so sehr den politischen Hrdlicka wie Valentien. Und in bester Erinnerung ist zuletzt auch dies: Hrdlickas "klaustrophobische Tableaux" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung") für Christof Nels Inszenierung von "Intolleranza 1960" 1992 in der Staatsoper.

"Mir fällt nichts ein, mir fällt was auf." Ein Hrdlicka-Satz. Voller Unbedingtheit. "Der Anschluss" heißt denn auch ein Bilderzyklus, beschäftigt sich aber keineswegs mit der militärisch abgesicherten Eingliederung Österreichs in Hitler-Deutschland, sondern mit der deutschen Wiedervereinigung. Da konnte man, musste man im Gespräch dagegenhalten - und darf doch anhaltend von der rohen Figuration begeistert sein.

Und Wien? Die Stadt, in der Hrdlicka 1928 geboren wird, an der er sich reibt, immer wieder, aus der es ihn hinaus-, in die es ihn zurückzieht? Die Geschichte provoziert andere Blicke - wie sehr etwa hätte man sich für die Auseinandersetzung mit den Protagonisten des 20. Juli 1944 die Präzision Hrdlickas gewünscht. 1972 entstand sein kühler Radierzyklus "20. Juli 1944", 33 Jahre später bearbeitete er das gleiche Thema malerisch - und legte auf seine Art die innere Zerrissenheit Claus von Stauffenbergs offen.

Immer wieder der Südwesten also. Und so feierte Alfred Hrdlicka auch seinen 80. Geburtstag in der Region - Reinhold Würth hatte ihn eingeladen, in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall einen umfassenden Rückblick zu realisieren. Von Krankheiten gezeichnet, reiste Hrdlicka doch an. Das Leben, machte die Schau deutlich, ist für Alfred Hrdlicka eine einzige Härte. Er, der früh schon die Losung ausgegeben hatte "Die Macht in der Kunst geht vom Fleische aus", war sich treu geblieben. 1967 hatte er in einem "I'm alright" überschriebenen Text gegen die von ihm ausgemachte Inhaltsleere der Kunst und Kunstrezeption gepoltert: "Wer die unzählbaren Publikationen über Kandinsky kennt, wird sich wundern, wie viel sich über diese vom Schmutz der realen Umwelt gesäuberte Malerei sagen lässt, wie selig die Museumsfachleute sind, hier nicht mit Politik, sozialen Problemen und anderen Widerwärtigkeiten konfrontiert zu werden, aber dafür tief schürfende Abhandlungen verfassen zu können über die Welt der Flecke, Striche, Kringel, die keiner Weltanschauung verpflichtet sind oder etwas zu Leide tun." Hrdlicka antwortete auf seine Weise - mit unauslöschbaren Skulpturen, Bildern und Zeichnungen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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