Im Fokus: Alexander Waibl, der Trainer des Dresdner SC. In unserer Bildergalerie zeigen wir alle fünf Finalserien um die Meisterschaft, an denen Allianz MTV Stuttgart beteiligt war – der Dresdner SC und sein Coach spielen dabei eine nicht ganz unwichtige Rolle. Foto: Baumann

Alexander Waibl, der Trainer des Volleyball-Bundesligisten Dresdner SC, hat gegen seinen Ex-Club aus Stuttgart eine makellose Endspielbilanz – trotzdem gibt er sich vor der Finalserie demütig und erklärt, warum es nicht die Zeit ist, um „große Töne zu spucken“.

Stuttgart - Das nächste höchst brisante Aufeinandertreffen beginnt an diesem Samstag (16.30 Uhr/Sport 1). Erneut stehen sich die Volleyballerinnen des Dresdner SC und von Allianz MTV Stuttgart in einer Finalserie um die Meisterschaft gegenüber. Der Respekt von DSC-Trainer Alexander Waibl vor seinem Dauerrivalen ist groß: „Wir haben diese Saison gegen die Stuttgarterinnen nicht mal einen Satz gewonnen.“

 

Herr Waibl, der Dresdner SC und Allianz MTV Stuttgart spielen eine gute Saison, haben aber noch keinen Titel gewonnen. Wie wichtig ist es, am Ende die Schale in Händen zu halten?

Natürlich ist es immer schön, einen Titel zu holen, und es ist auch so, dass die beiden aktuell besten deutschen Teams im Finale stehen, weshalb eine tolle Serie zu erwarten ist.

Aber?

Wir in Dresden denken und arbeiten prozessorientiert, definieren unseren Sport auch über unsere Nachwuchsarbeit. Unser Ziel ist es, eigene Spielerinnen in die Bundesliga-Mannschaft zu integrieren und dabei immer wieder auch Titel zu holen, was uns regelmäßig gelingt. Deshalb haben wir Ruhe, selbst wenn mal ein Jahr ohne den ganz großen Erfolg dabei sein sollte.

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Ist das bei Allianz MTV Stuttgart anders?

Da ist schon mehr Druck auf dem Kessel.

Inwiefern?

In Stuttgart hat man einen etwas anderen Ansatz. Dort wird jedes Jahr ein Team gebaut, das möglichst schnell erfolgreich sein soll. Deshalb ist für die Verantwortlichen und den Verein die Finalserie um die Meisterschaft noch wichtiger als für uns.

Um die Saison zu retten?

So würde ich es nicht ausdrücken. Ich finde, dass beide Teams schon ganz starke Momente hatten, zum Beispiel in den europäischen Wettbewerben. Und dass jetzt die Gegenwart zählt, in der noch viel zu erreichen ist.

„Diese Nervenstärke fand ich enorm beeindruckend“

Wer ist der Favorit?

Beide Mannschaften sind in der Lage, auf sehr hohem Niveau zu spielen. Die Frage nach der Favoritenrolle ist etwas für Medien und Fans. Fakt ist, dass wir in dieser Saison keinen Weg gefunden haben, um Allianz MTV Stuttgart in der Bundesliga zu schlagen, wir haben noch nicht mal einen Satz gewonnen. Also sind wir ganz bestimmt nicht in der Situation, um große Töne zu spucken, zumal die Stuttgarterinnen bei den beiden 3:0-Heimsiegen im Halbfinale gegen den SSC Schwerin eine Nervenstärke gezeigt haben, die ich enorm beeindruckend fand.

Sie gelten als Trainer, der immer eine Idee hat – auch für das Play-off-Finale?

Für eine solche Serie gibt es nicht nur einen Plan. Dafür ein Problem, das alle haben, die auf die Stuttgarterinnen treffen – es heißt Krystal Rivers. Sie ist eine überragende Spielerin, und sie hat ihre Qualitäten nicht nur im Angriff, sondern auch im Block, in der Abwehr, beim Aufschlag. Wir brauchen eine Strategie, wie wir mit ihr umgehen, die kann sogar so aussehen, sie weitgehend zu ignorieren. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, und wir werden wahrscheinlich nicht immer dieselbe wählen.

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Ihr Team darf als Sieger der Bundesliga-Heimrunde die Serie in Dresden beginnen und hätte auch in einem etwaigen fünften Spiel Heimrecht. Ist das ein Vorteil?

In Coronazeiten hat sich das etwas gewandelt, da es keine Zuschauer gibt, die einen pushen. Wir waren zuletzt sogar auswärts etwas stärker als daheim. Wenn es zu einem fünften Spiel kommt, wird es eher um die Frage gehen, wer frischer und fitter ist.

„Man ist gut beraten, im Erfolg die nötige Demut zu zeigen“

Sie haben als Trainer gegen Allianz MTV Stuttgart eine herausragende Bilanz in Finalspielen. Zweimal ging es um die Meisterschaft, zweimal um den Pokal – der Sieger hieß immer Dresdner SC. Ist das Zufall?

Das kann ich nur schwer beantworten. Klar ist aber: In einem Endspiel kommt es auf die Nerven und die innere Stärke an, man muss im entscheidenden Moment voll da sein. Und natürlich ist es so, dass die Erfolge der Vergangenheit nichts mehr zählen, einem aber schon die Zuversicht geben, es auch dieses Mal wieder hinzubekommen. Wobei man nie vergessen darf, wie eng im Sport Sieg und Niederlage beieinander liegen.

Volleyball ist da ein gutes Beispiel.

Richtig, weshalb man gut beraten ist, im Erfolg die nötige Demut zu zeigen. Oft sind es nur ein, zwei Bälle oder ein paar Zentimeter, die ein Spiel total verändern können.

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Ihr letzter großer Erfolg war der Pokalsieg im Februar 2020, als Ihr Team gegen Allianz MTV Stuttgart vor 10 000 Zuschauern in Mannheim fünf Matchbälle abgewehrt hat.

Viele Dinge im Volleyball passieren nicht zufällig, aber Glück gehört eben auch dazu.

Wie groß ist dessen Anteil?

Es ist sicherlich eine große Qualität, in engen Situationen genau das abzurufen, was man kann – so wie es Allianz MTV Stuttgart zuletzt gegen den SSC Schwerin gelungen ist. Ich würde sagen: 90 Prozent macht das eigene Leistungsvermögen aus, zehn Prozent sind Glück. Es gab in dem Pokalspiel damals genügend Momente, die zu einem 3:1-Sieg für die Stuttgarterinnen hätten führen können. Dann hätte jeder zu uns gesagt: gut gespielt, aber der Gegner war halt besser.

„Diese Trennung konnte ich in keiner Weise nachvollziehen“

Und trotzdem hat auch diese bittere Niederlage dazu beigetragen, dass die Verantwortlichen das Vertrauen in Trainer Giannis Athanasopoulos, die wichtigen Spiele gewinnen zu können, mehr und mehr verloren haben – was letztlich im November zu öffentlicher Kritik an ihm und seinem Abschied führte.

Über die Hintergründe weiß ich zu wenig Bescheid, allerdings konnte ich diese Trennung in keiner Weise nachvollziehen. Da waren von allen Seiten womöglich ein paar Emotionen zu viel im Spiel. Ich fand sehr schade, was passiert ist, weil ich Giannis Athanasopoulos enorm schätze – aber letztlich ist es natürlich nicht meine Baustelle.

Wie gut kennen Sie seinen Nachfolger Tore Aleksandersen?

Nicht sehr gut. Seine große Zeit in Schwerin war vorbei, als ich in die Bundesliga kam. Ich habe aber viel von ihm gehört und weiß, dass er ein sehr akribischer Arbeiter ist, der sehr viel Wert auf Details legt. Und dass er eine andere Art hat als Giannis Athanasopoulos, der die Spielerinnen über seine Begeisterungsfähigkeit erreicht hat. Tore Aleksandersen hat die besondere Möglichkeit, die sich ihm in Stuttgart mitten in der Saison geboten hat, super genutzt. Diese Finalserie wird eine Herausforderung für uns beide.

Sind Spiele gegen Ihren Ex-Verein aus Stuttgart noch etwas Besonderes für Sie?

Nicht mehr, und erst recht nicht in der Pandemie, in der es nicht möglich ist, meine Familie und Bekannte in der Halle zu treffen.

Es kommen keine Heimatgefühle mehr auf?

Doch, natürlich! Wenn ich die A 81 hinunterfahre, fühlt sich das stets an wie eine Rückkehr. Und es ist immer noch so, dass ich Menschen sehr gerne Schwäbisch reden höre. Stuttgart bleibt neben Dresden meine Heimat.

In unserer Bildergalerie finden Sie die Geschichte der fünf Finalteilnahmen von Allianz MTV Stuttgart auf einen Blick.