Der Extremsportler Alexander Huber beeindruckte das Publikum in Burladingen durch seine Rekorde, aber vielmehr durch seine persönliche Art
Es kommt nicht darauf an, auf die höchsten Gipfel der Welt im Himalaya oder in Südamerika geklettert zu sein, Berge, die schon viele bestiegen haben. Es kommt auch nicht auf die Zahl der Gipfel an, die man im Leben bewältigt hat.
Es kommt darauf an, neue Herausforderungen zu finden, seinen eigenen Weg zu gehen. Und das ist selbst in mittleren Höhenlagen möglich, vielleicht sogar im Flachland – so verstand man die Botschaft des Huber-Buam Alexander Huber, der am vergangenen Wochenende in der Stadthalle Burladingen einen Vortrag über seine Bergsteigerkarriere hielt. Wenngleich er selber freilich extremste Touren an Steilwänden und Überhängen bewältigte, ohne Seile, nur auf die Kraft seiner Hände und Füße angewiesen.
Huber berichtet in charmantem Bayerisch
Die Stadthalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Im vergangenen Jahr hatte Alexanders Bruder Thomas auf Einladung des Burladinger Albvereins eine Bildershow aus beeindruckenden Bergwelten gezeigt und von seinen Expeditionen berichtet. Damals schon ein riesiger Erfolg, dürften es dieses Mal sogar noch mehr Besucherinnen und Besucher gewesen sein.
Im charmanten Bayerisch berichtete Huber nicht von einem Rekord nach dem anderen, sondern ebenso von Touren, die scheiterten. Beispielsweise als er und Kameraden in Pakistan wegen Schnee- und Wetterlage ihre Expedition abbrechen mussten. Dabei sei man, ins Basislager zurückgekehrt, auf eine Schweizer Expedition getroffen, die den Aufstieg ebenfalls abgeblasen hatte. Im Zelt – ein Filmclip bewies es – wurde dann ausgiebig und ausgelassen gemeinsam gefeiert.
Er erzählt aus Kindheit und Jugend
Diese Begegnung, meinte Huber, wäre nie zustande gekommen, wenn man den Gipfel geschafft hätte. Für ihn war das ein mehr als ausreichender Trost, dass die monatelangen Vorbereitungen und der lange, über Tage dauernde Anmarsch umsonst waren.
Er erzählte auch aus seiner Kindheit und Jugend, vom Vater, der ihn und seinen Bruder an die Kletterei herangeführt hatte. Mit dem Vater zusammen hatte er vor einigen Jahren nochmals den Watzmann „gemacht“. Da war der Erzeuger bereits 80 Jahre alt.
Die Kraft lässt nach, wie Huber, inzwischen 56, an sich beobachtet
Die Kraft lässt nach, wie Huber, inzwischen 56, natürlich auch an sich selbst beobachtete, wenn er mit jüngeren Begleitern im Gebirge war. Deren Bizeps und Beinmuskulatur seien bei Weitem nicht so stark ausgeprägt wie seine – aber dennoch überlegen. Dafür besitze er die Erfahrung. Und beides zusammen mache ein Team stark.
Einen der Tipps, die er seinen Zuhörerinnen und Zuhörerinnen gab, wenn sie einmal in einer Steilwand hängen sollten: „Nicht loslassen!“ Das erzeugte natürlich Gelächter. Es war nicht das einzige an diesem Abend.
Hunderte Meter über einem gähnenden Abgrund
Freilich hat Huber selber schon „losgelassen“, wenn er nicht weiterkam und der nächste Griff am Fels nicht in Reichweite war, sondern ein Stück höher lag. Also die Muskeln angespannt, und mit dem ganzen Körper nach oben geschnellt, um einen möglichen Halt, erklammern zu können – Hunderte Meter über einem gähnenden Abgrund. Nicht empfehlenswert für Laien und gewöhnliche Bergwanderer.
Gern unter Menschen ohne Allüren
Sein bevorzugtes Gebiet, das erzählte er ebenfalls, sind die Berge und Klüfte Sardiniens. Sie sind ein, so verstand man es, von Alpinisten noch weitgehend unentdecktes Gebiet, das unbekannte Herausforderungen bereithält. Hier fühle er sich nicht nur wegen der Klettermöglichkeiten wohl, sondern auch wegen der Mentalität der Sarden. Alexander Huber, das spürte man, ist gerne unter Menschen ohne Allüren, genießt die ungezwungene Atmosphäre einer Dorfwirtschaft.
Was man vielleicht weniger wusste: Der 56-Jährige studierte Physik und arbeitete bereits an einer Doktorarbeit. Er gab sie jedoch auf. „Die Liebe zu den Bergen war stärker, und für beides zugleich bringst du die Zeit nicht auf.“ Er spielt außerdem Klavier und unterhält einen eigenen Bauernhof.
Am Schluss zeigt er den Werbespot, in dem er für einen Riegel wirbt
Am Schluss zeigte Huber – natürlich – noch den bekannten Werbespot, in dem er und sein älterer Bruder Thomas für einen Süßriegel werben. Der Spot, merkte er grinsend an, sei bei Weitem besser, als das Produkt. Was erneut Gelächter hervorrief.
Das Publikum war abschließend beeindruckt und rundum von der Art des Extremsportlers eingenommen. Klaus Denuel, Vorsitzender des Burladinger Albvereins, überreichte dem Referenten ein Präsent, versehen mit dem Wunsch, ihn einmal wieder begrüßen zu dürfen. Das sagte Huber mit Dank an das Publikum gerne zu. Abschließend rief er den Zuhörerinnen und Zuhörern zu: „Geht hinaus in die Natur und genießt sie!“