Das Akkordeon wurde von den Musikräten der Bundesländer zum „Instrument des Jahres 2026“ gekürt. In Kandern ist es am Muttertag in einem Konzert zu hören.
Kenner schätzen es als vielseitigen Weltenbummler, außerdem wird es liebevoll als tragbares Orchester bezeichnet. Alexa Fehrenbacher ist die erste Vorsitzende des Harmonikaorchesters Kandern (HOK). Seit genau zehn Jahren stellt sie sich engagiert dieser Aufgabe.
Ist das HOK ein reines Harmonika-Orchester? Oder gibt es auch Akkordeons?
Ob Ziehharmonika, Schifferklavier, Quetschkommode, Handorgel, Handharmonika oder Akkordeon – alle Namen bezeichnen das selbe Instrument. Wir sind so gesehen ein Akkordeon-Orchester.
Darüber hinaus haben wir noch einen Spieler in unserem Senioren-Orchester, der die diatonische Handharmonika spielt: Das bedeutet, auf Zug und Druck des Balgs erklingen verschiedene Töne – und nicht dieselben wie bei der „normalen“ Ausgabe.
Über welche musikalische Bandbreite verfügt das Orchester?
Über eine sehr große: Sie beginnt mit Volksmusik, Tango und Musette (französischer Dudelsack mit Balg), reicht über Märsche, Shanty und Pop hin zur Klassik und Kirchenmusik. Das Akkordeon lässt sich als Soloinstrument, als Begleitung oder im Orchester einsetzen.
Was wohl die wenigsten wissen: Es gibt ganz unterschiedliche Klang-Arten. Eine Harmonika kann nostalgisch klingen, also samtweich, aber auch einen harten Sound entwickeln. Das Instrument lässt sich sozusagen regulieren. Wie geht das?
Es gibt verschiedene Register, die die Töne verschieden färben, ähnlich wie bei einer Kirchenorgel. Durch den Balg wird die Lautstärke reguliert. Man kann einen weichen Tonanfang erzeugen, in dem man den Balg langsam öffnet. Bei einem weichen Tonende kommt der Balgstop zum Einsatz. Der Charakter des Stücks bestimmt die Art der Spielweise.
Auf Laien wirkt das Spiel auf der Harmonika schwer. Die rechte Hand hat eine andere Funktion als die linke. Wie schwierig ist es wirklich, das Instrument zu beherrschen?
Wie alles im Leben: Übung macht den Meister. Man fängt mit einfachen Übungen an und arbeitet sich hoch. Irgendwann ist es nicht mehr schwer, beides gleichzeitig zu beherrschen.
Ein Wort zu Kindern, die bekanntlich alles leichter nehmen. Ab welchem Alter geht’s los und wie lange muss ein Kind üben? Was lernt es fürs Leben?
Es gibt sehr kleine Akkordeons, die für Fünfjährige spielbar sind. Allerdings finde ich die Melodika, also ein Tasteninstrument zum Hineinblasen, besser bei kleinen Kindern. Das Notenlernen ist einfacher, und es gibt schnelle Erfolgserlebnisse. Das ist wichtig. Diese Methode ist übrigens leichter als das Spiel mit der Blockflöte, weil sich kleine Finger schwertun, die Löcher abzudecken. Für uns besitzen Zwei- und Drittklässler das richtige Alter. Das Kind kann lesen und versteht, worum es überhaupt geht. Zum Üben genügen 15 Minuten pro Tag. Auch wer nicht täglich, sondern etwas weniger übt, kommt gut voran.
Wann haben Sie angefangen? Auch als Kind?
Ich habe mit neun Jahren begonnen. Ich komme aus Bremen, und zwei Freundinnen hatten mein Interesse geweckt. Ich fing an zu üben, und bekam drei Monate später ein kleines Instrument. Das war ein Weihnachtsgeschenk. Es stammte vom Flohmarkt, und hat stolze 120 D-Mark gekostet. Als nächstes durfte ich mit der Gruppe proben, ein Musiklehrer in der Nachbarschaft gab Unterricht. Mein erstes Notendiktat enthielt vierzehn Fehler, das werde ich nie vergessen (lacht). Da waren mir die anderen schon voraus.
Ein Wort zur Kooperation mit dem Harmonikaorchester Endenburg-Sallneck. Das Konzert zu Weihnachten war ein voller Erfolg, und vom HOK waren Gastmusiker dabei. Sind weitere Projekte geplant?
Die Beteiligung war keine offizielle Kooperation, sondern eine private Sache. Endenburg hatte 2024 im Bezirk nach Unterstützung in einer Stimme gefragt, und ich habe mich gemeldet. Später kam noch eine Spielerin von uns dazu. Man hilft sich gegenseitig, wenn eine Stimme oder ein spezielles Instrument wie Elektronium oder Schlagwerk unterbesetzt ist. Es hat uns Spaß gemacht, so durften wir bereits 2025 wieder mitspielen, und es ist noch eine Spielerin mitgekommen. Ob beide Orchester ein Konzert zusammenspielen – das müssten wir besprechen. Auf einem Lehrgang vor Ostern in Trossingen hat sich mir gezeigt, dass es Stücke gibt, die in einem größeren Orchester einfach besser zu Geltung kommen. Ich denke, dass werden unsere Dirigenten Waltraud und Max Sütterlin bestätigen. Neue Mitstreiter sind willkommen, etwa, wer bereits Akkordeon spielt oder auch Klavierspieler. Das Senioren-Orchester probt 14-tägig jeden Donnerstag um 20 Uhr bei der AWO in der Ziegelstraße 3, die Aktiven proben jeden Dienstag um 20 Uhr im Bürgersaal Bibelisgasse 4.
Das Konzert: Sonntag, 10. Mai, 14.30 Uhr, Platzkonzert und Bewirtung anlässlich des Muttertags auf dem Festplatz in Holzen.