Noch interessanter als der Blick in die Wohnstuben der Diskutierenden waren ihre Ansichten und Ideen, die Händler, Gastronomen, Wirtschaftsfachleute und Bürger der Stadt in der Albwerkstadt zusammengetragen haben.Screenshot: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Albwerkstadt: Bei der ersten Online-Diskussion der überparteilichen Reihe greifen Ideen schnell ineinander

Die Ideen sind nur so gesprudelt bei der ersten Online-Albwerkstadt am Montagabend, zu der die CDU Albstadt eingeladen hatte. Tenor: Mit Vernetzung und Zusammenarbeit fällt oder steht der Erfolg.

Albstadt. Ob Handel, Gastronomie, Hotels, Tourismus, Kultur, Verkehr oder das Leben in Albstadt überhaupt: Es gab kaum ein Thema von öffentlichem Interesse, das bei der Diskussion in der ersten Online-Albwerkstadt nicht gestreift wurde. CDU-Stadtverbandschef Roland Tralmer sorgte als Moderator dafür, dass die Disputanten nicht an einem Thema kleben blieben.

Was er erreichte, spiegelte gleichzeitig die Erkenntnis, die am Ende der gut zweieinhalbstündigen Runde stand: Vernetzen ist das Stichwort – nur zusammen funktioniert’s.

Beispiel: Traufgänge. Was nutzen der Stadt Traufgänger, die nur auf Wanderwegen herumlaufen, wenn sie anschließend nicht in die Stadt kommen? Ideen, sie in die Stadt zu holen, gibt es: ein Skulpturenweg, der Lust auf die Museen macht, oder ein Gutschein-System wie auf Autobahnraststätten: Parkgebühr zahlen, den Betrag beim Einkaufen in einem Innenstadtgeschäft oder beim Einkehren in einem lokalen Lokal wieder einlösen.

Weiteres Beispiel: ein gemeinsames großes Fest, das Besucher – auch für mehrere Tage – in die Stadt zieht und die Albstädter in den Stadtteilen näher zusammenbringt. Dass ein Handels- und Gewerbeverein, ein paar einzelne Akteure, ein paar wenige Einzelhändler und Gastronomen das nicht alleine stemmen könnten – davon konnten alle ein Lied singen, die entsprechende Ansätze schon unternommen hatten. Das müsse ein Gesamtprojekt aller sein – und die Stadtverwaltung ihren Ämtern eine klare Linie vorgeben, damit alle dafür und nicht dagegen arbeiteten.

Das Beispiel Wochenmarkt betraf Ebingen, denn in Tailfingen funktioniert er. Argumente gegen eine Marktverlegung in die Marktstraße waren keine zu hören. Die Innenstadt würde profitieren, da waren sich alle einig.

Und das waren sie in vielen weiteren Punkten: Mehr Grün in der Stadt, Poser raus, unnötigen Verkehr raus, mehr Spielgelegenheiten für Kinder – und vor allem: Erlebnisse, Musik- und Kulturveranstaltungen, damit Stadtbesucher zusätzliche Anreize haben.

Die Blaupause gibt esschon: Tailfingen

Dass Urlauber nur mit entsprechendem Hotelangebot zu gewinnen seien: Auch darüber bestand Einigkeit. Ein Hotel am Bahnhof nutze Geschäftsreisenden und Weltcup-Gästen oder -Sportlern, der Urlaubsgast wolle schöne Ausblicke, Grün und Wellness. Dafür brauche es Investoren, und für jene wiederum bestimmte Standortfaktoren. Auch in diesem Punkt: Alles ist vernetzt.

Für die Innenstadtbelebung hat Albstadt schon eine Blaupause: Tailfingen. Dort gibt es den Co-Working-Space mit der Technologiewerkstatt, dort entstehen Wohnhäuser mit gehobenem Standard. Wo gewohnt und gearbeitet werde, dort kauften die Leute auch ein, dort gingen sie auch in die Lokale.

Wie sieht es mit Parkplätzen aus? Das war die größte Streitfrage am Abend. Während die einen befürchten, dass eine Innenstadt ohne Parkplätze bald eine tote sei, sehen die anderen die Chance in Parkplätzen an der Peripherie der Innenstadt und mehr Aufenthaltsqualität in derselben – ohne störenden Autolärm und die bekannten Gefahren, etwa für Kinder und Senioren. Die Stadt schon jetzt zum Pilotprojekt für autonomes Fahren zu machen – für nicht wenige klang das gut. Zukunftsmusik bleibt es trotzdem noch. Ebenso wie das Parkleitsystem – die kleine Spitze, wie lange er schon darauf warte, konnte Roland Tralmer sich nicht verkneifen.

Noch ein wichtiger Aspekt des Abends: Die Unterstützung von kommunaler Seite sei wichtig, in vielen Punkten unverzichtbar – von der Regionalplanung über baurechtliche Fragen bis hin zur Willkommenskultur für Investoren.

Die Albwerkstadt ist – auch das ein wichtiges Fazit des Abends – wieder da. Wieder mal in einem Lokal zu diskutieren, darauf freuen sich schon alle. Die Online-Veranstaltung aber, gut und stringent von Roland Tralmer moderiert, hat in kurzer Zeit viele Ideen zutage gefördert, die schnell ineinander gegriffen haben. So wie es sein soll.