Die Wandergruppe des Albvereins Schömberg mit Wanderführer Hartwig Speck (rechts). Quelle: Unbekannt

Die Magie der Raunächte lernten 20 Teilnehmer bei einer Wanderung des Schwäbischen Albvereins unter Führung von Hartwig Speck kennen.

Schömberg - Speck hatte nach einer Tour 2020 nun zu seiner zweiten Raunächte-Wanderung eingeladen und führte die Wanderer Corona-gerecht vom Schömberger Marktplatz durch das Wohngebiet Ob Gassen und über die B 27 zum Gewann Schildäcker, wo das landwirtschaftliche Gebäude von Roland Wuhrer zum Vortrag und Beisammensein hergerichtet war. Bei Punsch, Glühwein und Weihnachtsbretle kam die Geselligkeit nicht kurz, man sehnte sich mal wieder danach.

Verweis auf Mondkalender

Hartwig Speck erklärte die Bedeutung der Raunächte im Jahresverlauf. Die Raunächte gelten als "übersinnliche Nächte", die zur Reflexion, zur Reinigung und zum Manifestieren von Wünschen für das neue Jahr dienen. Mit Raunächten bezeichnet man die Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar. Es sind zwölf Nächte, denen eine magische Bedeutung nachgesagt wird.

Früher lebten die Menschen nicht nach dem Sonnen-, sondern nach dem Mondkalender. Der Mondzyklus, von Neumond zu Neumond, dauerte 29,5 Tage. Auf zwölf Monate hochgerechnet, ergibt das 354 Tage. Das Sonnenkalender-Jahr hat aber 365 Tage. Das macht eine Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten, die laut dem Mondkalender nicht existieren, und deswegen als besonders magisch gelten.

Gesetze der Natur

"Man sagt", informierte Speck, "dass während den Raunächten die Gesetze der Natur gelten. Deshalb dienten diese übersinnlichen Nächte zur inneren Einkehr, zur Reflexion, zum Loslassen, zur Reinigung und zum Manifestieren von Wünschen für das neue Jahr." Rituale könnten dabei helfen. Jede Rauchnacht sei einem Monat des folgenden Jahres zugeordnet, deswegen werden die Nächte auch "Losnächte" genannt.

Die erste Raunacht, die von Mitternacht des 24. Dezember bis Mitternacht des 25. Dezember andauert, wird mit dem Januar in Verbindung gebracht, die Nacht darauf mit dem Februar und so weiter. "Was man in den Nächten erlebt, träumt oder deutet, kann einen Hinweis darauf geben, was im nächsten Jahr geschehen wird." Auch werde diese Zeit dafür genutzt, Altes loszulassen. "Schalte einen Gang zurück. Geh’ spazieren, gönne dir ein heißes Bad. Sei achtsam mit dir selbst", betonte Speck. Bei Zeremonien mit Weihrauch, Salbei oder Thymian könnten die Räume geräuchert werden, um negative Energien abzuleiten.

Unheil fernhalten

Wanderwegewart Bernd Mager hatte zur Verdeutlichung verschiedene Weihrauchsorten vorbereitet, die die Teilnehmer inspirieren sollten. Die Wanderschar war begeistert. Von diesem Ritual lasse sich der Name der Raunächte ableiten, die früher "Rauch-Nächte" hießen. Germanen und Kelten zündeten Räucherwerk an, um Unheil fernzuhalten.

Der Albvereins-Vorsitzende Ansgar Sproll bedankte sich bei Speck für die nun zweite, besondere Wanderung.