Insgesamt 45 Welpen tummeln sich im Shelter in Rumänien. Sie benötigen dringend ein liebevolles Zuhause. Foto: Marion Probst

Wie Marion Probst aus Albstadt-Laufen versucht, junge und ältere Mischlingshunde vor dem sicheren Tod zu retten.

Ein lautes Freudenkonzert hatte Marion Probst erwartet, als sie in der rumänischen Stadt Sighetu Marmatiei Mitte April eintraf. Zwei Wochen lang war sie wieder im Shelter, um die größte Not zu lindern. Das Video, das sie angefertigt hat, spricht Bände. Wie in einem Gefängnis stehen sich zwei Reihen mit jeweils sieben Zwingern gegenüber. In jedem sind sieben Hunde, zumeist Rüden, untergebracht. Gleich um die Ecke buhlen insgesamt 45 Welpen im Alter von bis zu sieben Monaten um die Gunst und Aufmerksamkeit der Ehrenamtlichen aus Albstadt-Laufen, die verkündet: „Es ist so voll wie nie.“

 

Weder aggressiv noch bösartig​

Was das konkret bedeutet, dass im Shelter in der rumänischen Grenzstadt so viele Straßenhunde untergebracht sind, erläutert Marion Probst. Man kann die Schilderungen kaum ertragen. Mit einem Tierheim in Deutschland dürfe man das nicht vergleichen, wo ausreichend Platz für die Tiere vorhanden ist, es Gassigänger, hohe hygienische Bedingungen und medizinische Versorgung gibt. In Sighetu Marmatiei im Shelter hat man noch nicht einmal eine Kanalisation. Die Fäkalien landen praktisch überall – im schlechtesten Fall im Fressnapf, im besten Fall in der Grube.

Weshalb es überhaupt so viele Straßenhunde gibt, erklärt Marion Probst damit, dass die Rumänen massenhaft vom Land in die Städte gezogen seien und ihre Tiere zurückgelassen hätten. Aber auch auf dem eigenen Hof gehen die Besitzer nicht immer pfleglich mit den Hunden um. Sie sind oft angekettet, werden teilweise geschlagen. „Bei der älteren Generation ist ein Hund nichts wert“, sagt Marion Probst, „das ändert sich aber langsam.“ Obwohl eine Kastration nur umgerechnet 35 Euro koste, würden diese in den wenigsten Fällen veranlasst, sodass die Population weiter ansteigt und überhandnimmt.

Suchen Nähe des Menschen

Marion Probst stellt klar, dass die Hunde den Menschen gewohnt sind. Sie sind weder aggressiv noch bösartig. Ganz im Gegenteil suchen sie die Nähe des Menschen und sehnen sich nach Liebe und Aufmerksamkeit. Das alles stimmt schon traurig genug, wenn man in den Kurzvideos sieht, wie manche Hunde, die die Tierschützerin aus Albstadt an Stimme und Geruch erkennen, ihre Schnauze durch das Gitter der kleinen Zwinger stecken und vor Dankbarkeit und Freude ihre Hand oder ihre Wange lecken. Schier unerträglich ist aber der Gedanke, dass viele dieser Mischlinge getötet werden – es muss wieder Platz im Shelter geschaffen werden, schließlich ist es kein deutsches Tierheim, sondern ein rumänischer Tötungsshelter.

Und deshalb fährt Marion Probst nicht nur mehrmals im Jahr dorthin, um mit Spendengeldern Futter, Material und mehr zu kaufen. Allein im April waren es eine Tonne Trockenfutter für 500 Euro, 420 Kilogramm Nassfutter, 114 Kilogramm Welpenfutter und auch Holz, um den Zwingern neue Böden zu zimmern, die man besser reinigen kann – die Albstädterin ist bestens geübt im Schrauben, Bohren und Betonieren. Sie setzt sich vor allem für ein Umdenken ein und freut sich, dass inzwischen Influencer auf die Hunde-Mafia in Rumänien aufmerksam machen.

Tötung als Einnahmequelle

Aus staatlichen Mitteln und EU-Geldern würden die Hundefänger finanziert, so Marion Probst: „Es ist in diesem Land lukrativer, einen Hund einzufangen und ihn im Shelter abzugeben, als ihn kastrieren zu lassen und zu vermitteln.“ Damit den Hundefängern die Einnahmequelle nicht versiegt, sind sie auf „Nachschub“ angewiesen. Also bezahlen sie dubiose Hinterhofzüchter, damit es noch mehr Hunde einzufangen gibt. In den rund 140 Sheltern werden sie dann – auf teils bestialische Weise – getötet, wenn der Platz nicht mehr ausreicht. Deshalb versucht die Albstädterin immer wieder, Hunde zu vermitteln. Zumal man in Deutschland aus dem Tierheim nur dann ein Tier bekommt, wenn man nicht zu alt oder zu beschäftigt ist.

Bei ihren etwa 80 Vermittlungen aus Rumänien hat Marion Probst nur gute Erfahrungen gemacht. „Ich kann nicht alle retten, aber ich tue mein Möglichstes“, meint Marion Probst, die selbst manchmal das viele Leid nicht mehr ertragen kann und dennoch nicht müde wird, sich für die Lebewesen einzusetzen, die es ihr tausendfach auf Hundeart vergelten.