Zum zweiten Mal geht die Aktion „Onstmettingen zeigt Herz für die Tafel“ an den Start; Initiatorin ist erneut Ulrike Münster. Es sind mehr Vereine und Einrichtungen dabei als im Vorjahr. Die Situation der Tafel hat sich kaum verändert – der Druck steigt wieder.
Vor Jahresfrist war die erste Aktion „Onstmettingen zeigt Herz für die Tafel“ im nördlichsten Stadtteil Albstadts initiiert worden. Die Hoffnung, dass die Onstmettinger Bevölkerung hinter der Sache stehen und sie unterstützen würde, trog nicht; das Ergebnis war mehr als eindrucksvoll: Über 500 gefüllte Tüten wurden abgegeben, über 700 Euro gespendet.
Auslöser der Aktion war ein Besuch gewesen, den die Frauen im Albstädter Gemeinderates im November 2022 dem Ebinger Tafelladen abgestattet hatten, um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen und zu sehen, wo der Schuh drückte. Er drückte überall; für Ulrike Münster stand sehr schnell fest, dass Hilfe Not tat. Und so startete sie die Aktion „Onstmettingen zeigt Herz für die Tafel“ und holte dafür acht Vereine, die beiden Kirchen und das Haus Raichberg mit ins Boot. 2000 Tüten wurden an alle Onstmettinger Haushalte verteilt – 500 kamen befüllt zurück.
Die Kunden sind andere – aber nicht weniger
Seither hat Ulrike Münster den Kontakt zu Harald Gerstenecker, dem Marktkoordinator der Albstädter Tafelt, nicht abbrechen lassen, und daher wusste sie, dass die erste Spendenaktion den Druck zwar merklich gelindert, die Situation der Tafel sich aber nicht grundlegend gewandelt hat. Die Klientel mag sich in der Zusammensetzung geändert haben, ist aber nicht kleiner geworden. Im vergangenen Jahr, so Gerstenecker, seien rund 75 Prozent der Tafelkunden geflüchtete Ukrainer gewesen; mittlerweile sei der Anteil der Türken, Palästinenser, Syrer, Afghanen und Afrikaner merklich gestiegen. „Aber auch die Deutschen kommen – junge Frauen, Männer oder Rentner, die einfach kein Geld mehr für Essen haben.“
„Helfer sind immer ein Thema“
In der Urlaubszeit war der Andrang zurückgegangen; seit dem Schulbeginn steigt er wieder spürbar an. Die Caritas gibt eine wachsende Zahl von Fünf- Euro-Gutscheinen aus; Anspruch darauf haben alle diejenigen, deren Einkommen unter der Pfändungsgrenze liegen. Mit der Zahl der Bedürftigen wächst auch der Personaldruck: Rund 30 Helfer stehen zur Verfügung; der älteste ist 90 Jahre alt, einige Fahrer auch schon Mitte 70. „Helfer sind immer ein Thema“, sagt Harald Gerstenecker.
Und so läuft die zweite Aktion an. Erneut haben Freiwillige Flyer an die Spendentüten getackert, und werden in der letzten Septemberwoche von Vertretern von DRK, Liederkranz, Fußballclub, Musikverein, Tennisclub, Turnverein, Rad- und Motorsportclub, Albverein, VdK, Feuerwehr, evangelischer und katholischer Kirchengemeinde sowie dem Haus Raichberg an die Haushalte verteilt.
In die Tüten kommt alles, was die Tafel braucht
Was kommt in die Tüten? Alles, was die Tafel braucht: Nudeln, Reis, Mehl, Kaffee, Tee, Marmelade und Schokolade, aber auch Hygieneartikel des täglichen Bedarfs. Die Tüten sind relativ klein; wer mit einer einzigen nicht auskommt, darf weitere hinzufügen. Sie werden vom 30. September bis 13. Oktober täglich zwischen 8 und 19 Uhr im Raichberg, der Philipp-Matthäus-Hahn und der katholischen Kirche St. Maria entgegen genommen und am 17. Oktober um 18 Uhr an die Tafel übergeben.
Erfreulich: Die Teilnehmerzahl ist um zwei höher als im Vorjahr. „Ich danke euch dafür, dass ihr wieder so viel Zeit investiert, die Aktion unterstützt und daran glaubt“, erklärte Ulrike Münster am Montagabend im Onstmettinger DRK-Raum. „Ich finde ich es toll, dass hier nicht jeder sich selbst der Nächste ist, sondern dass wir der Ellenbogengesellschaft etwas entgegensetzen und Solidarität leben. Ich bin stolz, in einer solchen Gemeinde zu Hause zu sein.“