Martin Luding (links) ist der Star in vielen Spots von David Rothe und wird es auch in der Comedy-Serie „Das goldene Handwerk“ sein. Foto: Andreas Post

Seine Kino-Werbespots für Handwerksfirmen sind so komisch, dass David Rothe aus Albstadt eine zündende Idee hatte: Er dreht eine Handwerker-Comedy-Serie für Streaming-Dienste.

Mit der „Schwarzwaldklinik“ hatte es genauso angefangen: Produzent Wolfgang Rademann hatte vor 40 Jahren festgestellt, dass Deutschland keine Arztserie hat – und dringend eine braucht.

 

„Es gibt nix übers Handwerk!“ So hat das Team um David Rothe beim Drehen von Anwerbe-Spots für Handwerksfirmen festgestellt. Das brachte den Albstädter Filmemacher auf eine Idee.

Recruiting-Spots zum Totlachen

„Was macht man als erstes, wenn man eine Baustelle betritt?“ Die Azubi-Frischlinge der Baufirma glauben es zu wissen: „Helm aufsetzen!“ Aber sie liegen falsch: „Bier aufmachen!“ unterweist sie der Polier, den Martin Luding überhaupt so komisch spielt, dass das Kinopublikum sich vor Lachen biegt, wenn der Spot einer Baufirma zum Anwerben von Azubi und Fachkräften läuft.

Regisseur David Rothe und sein Team von „Rothestreifen“ haben in solche Spots alles gepackt, was es an Klischees über Handwerker gibt – und festgestellt: „Das taugt für mehr als Kinospots – daraus sollten wir eine Comedy-Serie machen.“ Und zwar für einen Streaming-Dienst. War sein Recruiting-Spot für die Acura-KlinikAlbstadt nicht viral gegangen unter Pflegekräften? Das sollte doch mit einer Handwerks-Comedy auch möglich sein.

In seinem Loft auf Langenwand ist Filmemacher, Drehbuchautor und Regisseur kreativ. Foto: Karina Eyrich

Tatort Albstadt

„Ich will das nicht in Köln, München oder Hamburg drehen, sondern hier!“ Das war David Rothe schnell klar. Denn in Albstadt finde er nicht nur die passenden Drehorte und die Unterstützung der Stadt bei der Suche danach, sondern noch mehr Hilfe: „Anwohner, die das total klasse finden“, und Sponsoren, darunter lokale Handwerksfirmen, die ihm Werkzeug und Geräte stellen, sowie ein Autohaus, das den Handwerkerwagen sogar passend beklebt mit dem Namen der Serie: „Das goldene Handwerk“.

Sein Projekt über Filmförderung zu finanzieren, kommt für David Rothe nicht in Frage: „Dann könnten wir frühestens 2027 drehen.“ Doch die erste Klappe soll schon im Dezember fallen: Auf dem „Sattler-Areal“, wie es in der Serie heißen wird – in der Ebinger Riedstraße.

Good Vibes: An David Rothes Filmsets wird viel gelacht. Foto: Andreas Post

Im Cast ist noch Platz frei

Martin Luding spielt den Hauptprotagonisten“, verrät Rothe – klar: Mit ihm hat der Regisseur schon viel zusammengearbeitet und weiß seine Qualitäten zu schätzen. „Comedy ist nicht umsonst die Königsklasse – das ist sauschwer“, sagt Rothe über die Aufgabe, Zuschauer zum Lachen zu bringen. „Aber Martin weiß genau, was ich will, und ich weiß genau, wie ich ihn dahin triggern kann.“ Für die weibliche Hauptrolle hat Rothe mehr als 40 Frauen gecastet. Außerdem braucht er noch Komparsen, also Darsteller, die das Filmset beleben, vorbeilaufen oder herumsitzen. „Wer mitspielen will, darf sich einfach melden.“

Zwischen dem Regisseur David Rothe (rechts) und seinem Star Martin Luding stimmt die Chemie – sogar im Bett beim Dreh für den Spot „Ehrensache“, der sogar bei einem Filmfestival in Los Angeles nominiert war. Foto: Andreas Post

Erst hebt der Pilot ab

Das Drehbuch für die Pilotfolge hat David Rothe mit dem Schalk im Nacken bereits geschrieben. Sein Held Norbert „Günni“ Günther, ein Tausendsassa mit marodem Handwerksbetrieb, ist aufmerksam geworden auf ein EU-Förderprogramm zur Digitalisierung und wird unversehens zum Aushängeschild desselben, hat stets ein Kamerateam am Hintern, muss sich plötzlich mit Sozialen Medien beschäftigen und hat zudem die Gemeinde an der Hacke, weil das Vorhaben, das heruntergekommene Sattler-Areal zu sanieren, seinen Zwei-Mann-Betrieb hoffnungslos überfordert.

Bauamtsleiterin Brigitte Barz, die eigentlich die fähigere Bürgermeisterin für die Gemeinde wäre, wittert Morgenluft für ihre eigene Karriere, doch es gibt ein Problem: „Günther-Bau“ hätte die EU-Förderung nie bekommen dürfen. Die Sache stinkt.

Alle Klischees, die das Handwerk zu bieten hat, nimmt David Rothe für seine Recruiting-Spots auf die Schippe – und will sie nun in eine Comedy-Serie packen. Foto: Andreas Post

Leonardo di Caprio als „Geburtshelfer“

Schon immer hat sich der gebürtige Ebinger David Rothe, dessen Vater früh einen Camcorder hatte, für Film interessiert und Stop-Motion-Filme mit seinem Spielzeug gedreht, dann aber doch eine Friseurlehre absolviert. Als Quereinsteiger arbeitete der Sohn einer kalifornischen Mutter dann einige Jahre in New York City im Computervertrieb. Von einer Bekannten, deren Onkel Gebäudeverwalter in Brooklyn war, erfuhr er von einer „riesigen Hollywood-Produktion“ dort, ging hin und fand sich mitten im Set von „The Wolf of Wallstreet“ wieder – mit Leonardo di Caprio in der Hauptrolle

„Ich bin heim zu meiner Frau und sagte: Ich will zum Film, will Teil dieser Faszination sein.“ Zurück in Deutschland ging Rothe zu einem befreundeten Werbefilm-Regisseur in Stuttgart. „Bei ihm habe ich jeden Job gemacht, bis ich das erste Drehbuch schreiben und erstmals Regie führen durfte.“ Irgendwann sei sein Chef gekommen und habe gesagt: „Es gibt nichts mehr, was ich Dir beibringen kann.“

Beim LA-Comedy-Festival war David Rothe nominiert. Foto: Rothe

Rothe streifen ganz oben

David Rothes Filmproduktion „Rothestreifen“ liegt nicht nur in Tailfingen auf Langenwand und damit in Albstadt ganz oben, sondern steht auch ganz oben, wenn es um Preise geht: Mit dem Spot „Ehrensache“ hat er das „Arts and Film“-Festival Mannheim gewonnen und war beim „LA Comedy Filmfest“ nominiert. „Nicht viele schaffen es, Haltung, Humor und Botschaft in einem Film zu vereinen. Rothestreifen schon“, bescheinigt ihm einer seiner Kunden, deren Statements auf der Firmenhomepage www.rothestreifen.com zu finden sind. Rothe selbst ist vor allem stolz auf sein Team, in dem Produktionsleiter Lorant Barabas, Jo Laidler, „mein Kameramann und begnadeter Co-Autor“, sowie die Filmstudentin Anna Minkenberg ganz wichtig sind. „Super Energie, super Vibes“, kommentiert Rothe die Zusammenarbeit. Seine Fans dürfen jetzt schon gespannt sein, wie diese filmverrückte Crem „Das goldene Handwerk“ auf die Schippe nimmt.

David Rothe und Martin Luding (rechts) im Loft auf Langenwand: Die beiden verstehen sich blind, wenn sie zusammen drehen. Foto: Andreas Post

Mehr Infos unter www.rothestreifen.com.