„Sparweihnachtsbaum“, Feldpostkarten, handgesägte Krippen: Während der Weltkriege wurde Weihnachten in Albstadt auf eine ganz eigene Weise gefeiert. Ein Rückblick.
Große Geschenke, LED-Lichterketten am Christbaum und eine gemeinsame Feier im Kreis der Liebsten: An diese Rituale hat sich die heute wohlhabende Gesellschaft gewöhnt. Dass die Geburt Christi in Albstadt nicht schon immer in diesem Maße gefeiert wurde, zeigt ein Blick in das vergangene Jahrhundert.
Im Ebinger Heimatmuseum weisen einige Exponate während der derzeit laufenden Weihnachts- und Winterausstellung auf die Traditionen zu Weihnachten zu den Zeiten des Ersten (1914 bis 1918) und des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) hin. Gefeiert wurde das Heilige Fest auch wegen der damals ärmlichen Verhältnisse in einem Durchschnittshaushalt – Stichwort Nahrungsmittelknappheit – minimalistisch.
Christbaumschmuck: Christbäume gab es in den Albstädter Wohnungen zu Weihnachten zwar auch während des Ersten Weltkriegs. Ein Vergleichsexemplar ist auch im Ebinger Heimatmuseum zu sehen. Jedoch wurde dieser äußert kostengünstig geschmückt. Unter anderem selbst gebastelte Papiersterne zierten den Tannenbaum. Gerd Lichtenberg, zweiter Vorsitzender vom Förderverein Ebinger Heimatmuseum, spricht von einem „Sparweihnachtsbaum“. Und wer Christbaumkugeln hatte, besaß solche mit Metallkappen. „Der Wertstoff Plastik war damals schlichtweg nicht bekannt“, informiert Lichtenberg weiter. Erst in den 50er-Jahren seien die damals als neumodisch geltenden Plastikkappen aufgekommen. Lametta, heute nur noch selten zu sehen, gab es indes auch schon im Ersten Weltkrieg. Darauf weisen Postkarten aus jener Zeit hin.
Feldpostkarten: Postkarten waren übrigens zur Weltkriegszeit ein oft verwendetes Kommunikationsmittel. Zu Weihnachten wurden sogenannte Feldpostkarten an die Familie nach Hause geschickt. „Postkarten haben auch als Lebenszeichen gedient“, erläutert Gerd Lichtenberg. Feiern mussten die Familien den Heiligen Abend ohne die Männer und Väter an der Front. Postkarten, die an Ebinger Haushalte geschickt wurden, sind im Heimatmuseum einige zu begutachten. Die Motive der Weihnachtspostkarten waren an die Kriegszeit angepasst. Abgebildet waren Soldaten oder allein stehende Frauen vor der heimischen Christbaum. Im Zweiten Weltkrieg prägte die übliche Propaganda die Feldpostkarten. Auf einer steht beispielsweise geschrieben: „Zum Weihnachtsfeste Gesundheit, Heil und Sieg“.
Christbaumständer: Statt komfortabler Einseiltechnik mussten die meisten Christbäume in Christbaumständern – wohlgemerkt aus Gusseisen – früher per Hand mittels Fixierschrauben angezogen werden. Dazu musste jeden Tag Wasser nachgegossen werden. Im Ebinger Heimatmuseum gibt es einen reichen Fundus – Lichtenberg schätzt circa 50 verschiedene Exemplare – alter Christbaumständer. Die Ausstellungsstücke im Heimatmuseum sind alles Spenden aus Albstädter Haushalten, teils auch aus der näheren Umgebung.
Geschenke: Die ganz großen Geschenke lagen früher noch nicht unter dem Baum. Auch wenn dieser Brauch schon zu Weltkriegszeiten in Albstadt bestand, wie erneut Postkarten verraten. Ein häufig gesehenes Geschenk war Zubehör für Kaufläden oder Puppenhäuser. Die Kaufläden und Puppenhäuser selbst wurden teils von den Familienvätern in Handarbeit gesägt. Auch viele Krippen seien damals selbst gebastelt worden. Woher nahmen die Familien die Zeit? Ganz einfach: Einen Fernseher oder andere digitale Medien gab es nicht; die Abende waren frei für Hobbys wie Bastelarbeiten.
Winter: Dass an Weihnachten ordentlich Schnee liegt, gleicht mittlerweile sogar im höher gelegenen Albstadt einer Rarität. Fotos aus dem Jahr 1953 aus Ebingen zeigen hingegen eine verschneite Marktstraße. Weil es kalt war und viele Räumlichkeiten – Schlafzimmer wurden auch als „kalte Kammern“ bezeichnet – keine Heizung hatten, kamen schon früher Wärme-Flaschen zum Einsatz. Statt aus dem heute bekannten Gummi-Material waren die Bettwärmer früher aus Metall. Um Verbrennung zu vermeiden, mussten diese in Stofftücher eingewickelt werden. Heute sind diese Gegenstände echte Sammlerstücke.
Eintauchen in das Leben an Weihnachten können Interessierte in der Weihnachts- und Winterausstellung im Ebinger Heimatmuseum noch an allen Sonn- und Feiertagen bis zum Dreikönigstag am 6. Januar 2026. Geschlossen bleibt es am Heiligabend, am 1. Weihnachtstag sowie an Silvester. Ab Sonntag, 18. Januar, macht das Museum eine Winterpause bleibt bis einschließlich Sonntag, 1. März, geschlossen.
Gruppenführungen sind jederzeit möglich. Anmeldung dazu bei Gerd Lichtenberg unter Telefon 0162/63 415 06 oder per E-Mail an lichtenberg@hs-albsig.de.