Familie Uhl am Strand in Norwegen. Foto: Uhl

„Gar nichts“, sagt Melanie Uhl auf die Frage, was sie vermisst aus der alten Heimat in Deutschland. Seit einigen Monaten lebt sie in Norwegen – aus Sorge um die Kinder.

Dass die Tochter mit gerade einmal zehn Jahren nach einem Handballspiel am späten Abend alleine mit dem Bus nach Hause fährt – auf der Alb wäre das für Melanie Uhl undenkbar gewesen. Da hätte die 34-Jährige Angst um ihr Kind und dessen Sicherheit gehabt.

 

„Wenn wir durch Albstadt gelaufen sind, also, was wir da alles gesehen haben... das geht gar nicht.“ Der jungen Mutter fehlen die Worte. In den vergangenen Jahren habe die Familie so viel Schlimmes gehört, was auch in der Umgebung des beschaulichen Straßbergs passiert sei. Wenn die Kinder mal alleine draußen waren, hätten sie alle möglichem Schimpfwörter aufgeschnappt. Und die Eltern mussten dann erklären, worum es geht.

Klasse mit 18 Kindern gilt als sehr groß

Die drei älteren Kinder der Uhls gehen zur Schule, das Jüngste in den Kindergarten. „Der Alltag ist schon anders, als in Deutschland“, berichtet die Mutter. Und auch, dass die Kinder mittlerweile fließend Norwegisch sprechen.

„Als wir ankamen, wurde uns seitens der Schule gesagt, dass die Kinder in eine sehr große Klasse kämen“, erzählt Uhl. Sie habe befürchtet, dass dort 30 oder mehr Schüler wären. „Tatsächlich sind es 18 Kinder, die von zwei Lehrern betreut werden.“

Melanie Uhl führt Kreuzfahrt-Touristen

Uhl hat in Deutschland in der Kosmetikbranche gearbeitet. Nun bietet sie Touren an für Touristen, die zum Beispiel mit Kreuzfahrtschiffen wie der „Aida“ in Stavanger anlegen. Wenn sie mal länger unterwegs sind, werden die vier Kinder in der Schule betreut – und das völlig kostenfrei.

„Auch das Schulmaterial wird gestellt“, sagt Uhl. „Wir müssen nicht mal für einen Radiergummi bezahlen.“ Außerdem bekomme jeder Schüler ein eigenes Laptop. „Das dürfen sie auch privat zu Hause benutzen.“

Niedrige Kriminalitätsrate als Auswander-Ursache

Die niedrige Kriminalitätsrate war mit ein Grund, warum sich das Ehepaar für das Land im hohen Norden entschieden hat. „Die Gesetze sind hier viel strenger“, meint Melanie Uhl. So sei es auf öffentlichen Plätzen strikt verboten, Alkohol zu konsumieren. „An Plätzen, zu denen Kinder Zugang haben, darf kein Alkohol getrunken werden.“

Familie Uhl ist angekommen im Alltag. An den Wochenenden touren sie durch ihr neues Heimatland. Es gibt noch viel zu entdecken für die junge Familie – gleichwohl ist ihnen vieles schon vertraut.

Tacco-Freitag ist Wochenend-Routine

Der „Tacco-Freitag“ zum Beispiel: wie bei allen Norwegern kommt auch bei den Uhls am Tag vor dem Wochenende diese eigentlich mexikanische Spezialität auf den Tisch. Sehr zur Freude der Kinder, die diese gefüllten Wraps lieben, wie die Mutter sagt.

Vermisst sie wirklich „gar nichts“? Nichts Materielles, räumt die 34-Jährige ein. Die Freunde und die Familie in der alten Heimat schon. Deshalb geht es in den Sommerferien auf Heimaturlaub. Zuerst zu Oma und Opa nach Lautlingen, dann nach Italien – Sonne tanken – und auf der Rückreise wird noch der älteste Bruder besucht.