Schlechte Nachrichten für Weißweintrinker – und dennoch jede Menge Auswahl an güldenem Wein – gab es bei der Weinwanderung in der Partnerstadt Chambéry – auch wenn sie eigentlich keine war – auf einem Weingut am Tor zu Savoien.
„Granges Longes“ heißt das Weingut, das Julia und Arnaud Cochet in Porte-de-Savoie – der Ort ist buchstäblich das Tour zur Weinregion Savoien – führen.
Durch die Weinberge von Myans sollte die Weinwanderung führen, welche die Gastgeber aus Chambéry für ihre Albstädter Freunde zum 45-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft organisiert hatten, doch die Wanderschuhe hatten diese vergeblich mitgebracht: Zehn Meter vom Bus in den Hof und 30 Meter vom Weinkeller zur obersten Rebe am Weinberg der Geschwister – eine Wanderung war das nicht.
Dem Gesamterlebnis freilich tat das nicht den geringsten Abbruch, denn schon der Ausblick vom Hof am Hang mit Blick auf den markanten Berg Granier – einem gigantischen Albtrauf nicht unähnlich – war die Anfahrt wert.
Die Chef-Übersetzerinnen haben vorher gepaukt
Das Fachvokabular für die Führung mit Arnaud Cochet hatten Claudia Schnau und Myriam Neugebauer vom Vorstandstrio des Arbeitskreises Chambéry schon zuvor gepaukt und konnten eins zu eins wiedergeben, was der Präsident des Verbands der unabhängigen Winzer Savoiens berichtete.
Etwa dass die dortigen Weine nach den Dörfern benannt sind, in deren Umgebung sie wachsen, dass jedes Dorf seine besonderen Bodenverhältnisse und die dazu passenden Reben hat.
Zwischen seinen Barrique-Eichenfässern und solchen aus Stahl erklärte Cochet die Herstellung, den Unterschied zwischen der alkoholischen und der malolaktischen Gärung, bei der Milchsäurebakterien eine wichtige Rolle spielen.
Die Klima-Krise drängt den Weißwein zurück
Er verriet, dass jener Teil des Alkohols, der dabei verdunste, für die Engel bestimmt sei und dass Akazienfässer eigentlich ebenso gut seien wie solche aus Barrique-Eiche – jede Holzart gebe dem Wein ihren eigenen, besonderen Geschmack.
Klimaschützer unter den Teilnehmern mussten kurz schlucken, als sie von jenem Winzer erfuhren, der seinen Wein mit Helikoptern nach Chamonix auf über 1000 Meter fliegt, was ihm einen besonderen Geschmack verleihe – in Albstadts Nachbarstadt Meßstetten auf 1000 Metern wird bisher noch kein Wein angebaut. Vielleicht ein Modell für die Zukunft?
In jedem Fall komme die blaue Traube mit dem Klimawandel besser zurecht, und daher werde die Weißwein- zugunsten der Rotwein-Produktion zurückgehen, kündigte der junge Winzer an, der im übrigen der Meinung ist: „Schlechten Wein gibt es nicht! Und wenn er nur für die Soße gut ist!“
Der Bestand beider Spielarten in seinem Keller ging anschließend drastisch zurück, denn nach einem kurzen Besuch am obersten Ende des Weinberges, wo Cochet von den Krankheiten, Schädlingen und deren Bekämpfung sprach, ging es zur Weinprobe.
Der Staat macht aus Trübem Hochprozentiges
Vor riesigen Behältern, in denen der Wein gekühlt wird, damit sich der helle Saft von den Trübstoffen trennt – aus ihnen macht der französische Staat Hochprozentiges – servierten die Geschwister zu Brot und Aufstrichen, Gemüse und Obst die weißen Maltaverne, Terre d’Enfance und Bloucle d’Or sowie die Roten Chaperon Rouge und Papinot.
Die schmeckten den Albstädtern so gut, dass Busfahrer Günther Maier anschließend viel Platz im Bauch seines langen Gefährts brauchte, um all die Kartons unterzubringen, welche die Gäste kauften. Maier selbst ist übrigens auch jenseits seiner Fahrten für die Firma Kopp strikter Alkoholiker-Abstinenzler – zum Glück für seine Fahrgäste: Auf der Fahrt durch die schmalen Sträßchen des Weinortes steuerte er den Bus so geschickt zuweilen nur Zentimeter an Hindernissen vorbei, dass die Fahrgäste ihm spontan Applaus spendeten.