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Albstadts "Mister Bisoro" Rolf Armbruster stirbt nach Leben voller Tatkraft

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Bei den Menschen in Bisoro war Rolf Armbrusters Herz zu Hause. Foto: Eyrich

Um ihn trauern nicht nur die Albstädter, sondern wohl auch Tausende Menschen in Bisoro/Burundi und in der Partnerstadt Chambéry: Rolf Armbruster, Albstadts "Mister Bisoro", ist mit 85 Jahren gestorben.

Albstadt-Ebingen - "Wenn er vor seinem Schöpfer steht, hat er nichts zu befürchten", hatte eine Mitarbeiterin einst über Edward Kennedy gesagt. Auf Rolf Armbruster trifft das mindestens ebenso zu.

Gut 20 Jahre lang – das ist nur die offizielle Zahl – hatte sich Armbruster für die 1993 von Albstadt und seiner Partnerstadt Chambéry gegründete Entwicklungspatenschaft für Bisoro in Burundi federführend engagiert. Die Bilanz: 4500 Frauen und 240 Männer haben lesen und schreiben gelernt, zwölf Grund-, vier Werkrealschulen und ein landwirtschaftlich-technisches Gymnasium, eine Volkshochschule, sieben Schulgebäude, drei Gesundheitsstationen, Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung, eine Berufsschule mit Internat und eine Genossenschaft zur Produktion und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte sind entstanden. "Der Weg aus der Armut ist der Schulweg" – das hat 2016 sogar Bundespräsident Joachim Gauck von Rolf Armbruster gelernt, den er zum Dank für seinen Einsatz mit 220 weiteren Ehrenamtlichen ins Schloss Bellevue eingeladen hatte.

Jährlich rund 2000 Stunden investiert

Seit Armbruster 1998 im Arbeitskreis Chambéry die Betreuung übernommen hatte, hat er jährlich rund 2000 Stunden investiert, das Einwerben privater Spenden und öffentlicher Fördergelder ebenso intensiviert wie die Zahl der Projekte. Von einem "Bisoro-Konzern Armbruster" hatte AK-Vorsitzender Hans-Joachim Hofmann noch im Januar bei Armbrusters Verabschiedung gesprochen.

Dabei hatte Armbruster sich schon 2015 offiziell zurückgezogen, bei Besorgung und Verladung von Sachspenden aber weiter mitgeholfen, seinem Nachfolger Klaus Ölkrug den Weg über die oft komplizierte, mit viel Kärrnerarbeit verbundene Materie geebnet – und selbst stets tatkräftig mit angepackt. Mehrfach war er selbst in Bisoro gewesen, wo ihn jeder kennt – darauf war der bescheidene Wahl-Albstädter dann doch ein bisschen stolz, wenngleich er Lob für seine Verdienste stets umlenkte, einmal sogar in einem Leserbrief im Schwarzwälder Boten nach der Verleihung der Auszeichnung "Echt gut Baden-Württemberg" 2015. Tenor: Ein Gemeinschaftswerk vieler sei das, und werde nur an seiner Person festgemacht.

Trotzdem hat es ihm Preise eingebracht, darunter den Preis für sein Lebenswerk der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit "Meine Welt. Deine Welt. Eine Welt.", die Bürgermedaille der Stadt Albstadt 2014 und zuletzt das Bundesverdienstkreuz, das er gesundheitsbedingt nicht mehr in offiziellem Rahmen entgegen nehmen konnte.

In seinem Labor brannte nachts noch lange Licht

Geboren am 19. Juli 1935 in Baiersbronn-Mitteltal, war Armbruster 1963 als Lehrer für Physik, Chemie und Mathematik ans Gymnasium Ebingen gekommen und von 1987 bis 1998 dessen Schulleiter. Dort hatte er vom Beginn 1976 an den Schüleraustausch mit dem Lycée Vaugelas unterstützt und dabei einen Wegbegleiter gewonnen: Französischlehrer Rainer Günther, später 20 Jahre lang AK-Vorsitzender, dessen Pendant in Chambéry, Alain Laury, und dessen Vorgänger Julien Viret verband eine innige Freundschaft mit Armbruster und Térence Ndikumasabo von der "Vereinigung der Freunde der Gemeinde Bisoro".

Dass Armbruster, in dessen Labor im Gymnasium oft spätabends noch Licht brannte, noch Zeit fand, sich im Kirchengemeinderat der Martinskirche zu engagieren, den evangelischen Gesamtkirchengemeinderat Ebingen zu leiten, sich im Roßberg-Freizeitverein, im Verein "Dritte Welt", in der Kantorei der Martinskirche und im Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Ebingen einzubringen, war wohl nicht nur seiner eisernen Konstitution zu verdanken, sondern vor allem seiner Frau Gudrun, die er schon während des Studiums kennengelernt und 1963 geheiratet hatte.

Einer ihrer beiden Söhne, Jörg, und die gemeinsame Tochter Ulrike traten in die Fußstapfen der Mutter, die Medizin studiert hatte, der andere Sohn, Hannes, als Physiker in die des Vaters.

Geschenkt haben ihre Kinder dem Paar acht Enkel und zwei Urenkel, die nun um ihren Opa und Uropa trauern, denn mit Kindern und Jugendlichen konnte es Rolf Armbruster immer besonders gut. Sich für die Bildung, die Jugend und damit für die Zukunft einzusetzen, war ein Motor für seine große Tatkraft, die sich mit viel Disziplin und steter Bereitschaft, anderen zu helfen, vereint hat. Sein hintersinniger Humor, vor allem aber seine uneitle Bescheidenheit zeichneten Rolf Armbruster menschlich aus – durch seinen Tod haben viele einen echten Freund verloren. Selbst jene, die in nicht persönlich kannten – die Menschen in Bisoro, für die Rolf Armbruster mehr getan hat, als jemals von ihm erwartet worden war.  Die Beisetzung am Freitag findet coronabedingt im Familienkreis statt.

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