Im Sommer 2022 hatte der Albstädter Gemeinderat beschlossen, die Ebinger Festhalle noch bis zum Herbst 2024 zu nutzen und dann abzureißen. Die Voraussetzungen dieses Beschlusses existieren nicht mehr – aber ein Alternativbeschluss auch nicht.
Wäre alles so gekommen, wie es sich die Stadtverwaltung vor anderthalb Jahren vorgestellt hatte, dann erstreckte sich am Standort des Tailfinger Thalia-Theater jetzt eine plane Fläche, die Truchtelfinger Zollernalbhalle wäre Baustelle und die Ebinger Festhalle ein Todeskandidat mit neun Monaten Galgenfrist. Es kam aber anders: Ein halbes Jahr nach dem multiplen Abriss- und Umbaubeschluss machte ihn der Gemeinderat rückgängig und verzichtete auf die Umnutzung der Zollernalbhalle in eine Halle für kulturelle Zwecke und Events. Der für das Frühjahr 2023 vorgesehene Abbruch des Thalia-Theaters, der theoretisch weiter möglich gewesen wäre, weil das Theater ohnehin geschlossen ist, wurde vertagt. Eile war nicht geboten; kein Investor wartete fingerklopfend auf die Abrissfreigabe.
Juristische Folgen könnten schwerwiegend sein
Etwas anders sieht die Lage im Falle der Ebinger Festhalle aus; darauf hat erst jüngst Oberbürgermeister Roland Tralmer in der Novembersitzung des Technischen und Umweltausschusses hingewiesen. Der Notbetrieb mit etatmäßiger Brandwache, der es nach wie vor gestattet, Feste, Konzerte und Theatervorstellungen in der Festhalle zu veranstalten, kann laut Tralmer kaum eine Dauerlösung sein. Gewiss, es gebe keine rechtlich verbindliche Deadline für eine Einstellung des Betriebs, aber endlos könne die Notlösung nicht praktiziert werden – schon deshalb, weil die juristischen Folgen für den Fall, dass doch etwas passiere, nicht abzusehen seien. Er, so Tralmer, habe keine Lust, seine Amtszeit hinter schwedischen Gardinen zu verbringen.
Also muss eine Lösung her, und zwar möglichst noch in diesem Jahr. Zwar ist der Abbruchbeschluss vom Sommer 2022 nie formell widerrufen worden, und im Ausschuss waren auch jetzt noch Stimmen derer zu hören, die ihn als verbindlich ansahen. Aber die Zollernalbhalle steht halt nicht mehr als Alternative zur Verfügung – wo soll die Kultur denn dann hin? In dieser Situation und in der finanziellen Zwangslage, in der sich die Stadt befindet, hatte sie zuletzt vorgeschlagen, noch einmal einen unabhängigen Gutachter zu befragen, ob sich die Ebinger Festhalle denn für einen Normalbetrieb ertüchtigen ließe – und was das kosten würde.
Eingriffe wären zu beträchtlich
Nun gibt es bereits ein Gutachten; es stammt vom Stuttgarter Büro Kubus und kommt zu folgendem Ergebnis: Die Eingriffe, die erforderlich wären, um den brandschutzrechtlichen Anforderungen Genüge zu tun, sind so beträchtlich, dass mit ihnen der Bestandsschutz des Gebäudes hinfällig wäre – was das Aus bedeuten würde. Die Emporen könnten ohne einen zweiten Notausgang nicht genutzt werden; vor allem aber bedürfe die Bühne eines schweren Notvorhangs, der geeignet sei, den Zuschauerraum mindestens eine halbe Stunde lang gegen Rauch auf der Bühne abzuschirmen. Dieser Notvorhang sei aber so schwer, dass er die Statik des Bühnenraums überfordere; ertüchtige man sie, werde der Umbau so aufwendig, dass er nicht mehr als bestandswahrend angesehen werden könne. Die Folge: kein Brandschutz mehr.
Stadtrat Friedrich Rau ist anderer Meinung
Hier scheiden sich die Geister. Friedrich Rau etwa, Grünen-Stadtrat und Architekt, bestreitet, dass der schwere Sicherheitsvorhang erforderlich sei: Die Bestimmung betreffe nur Großbühnen; ob man die der Ebinger Festhalle als solche kategorisiere, hänge primär von der Höhe ihrer Oberbühne ab – die aber lasse sich variieren. Weitere statische Mängel des Gebäudes ließen sich nach Raus Einschätzung beseitigen, ohne dass man es auf den Kopf stellt. In dieser Diskussion soll das zweite Gutachten Klarheit bringen – allerdings wurde die Auftragserteilung in der Ausschutzsitzung im November abgelehnt, unter anderem von Rau selbst. Er fand, die Fragestellung provoziere abermals die Antwort „Rien ne va plus – Nichts geht mehr“.
Jetzt will Roland Tralmer das Gespräch mit den Wortführern der Initiative für die Erhaltung des Thalia-Theaters, Markus Ringle (Grüne) und Lara Herter (SPD), suchen, um eine konsensfähige Formulierung zu erarbeiten. Ihm ist die Sache wichtig – gestreifte Oberbekleidung, findet er, steht ihm nicht. Nicht mal Nadelstreifen.