Er war der letzte Mann der Ersten Stunde gewesen, der letzte Vertreter der Gründergeneration im Albstädter Gemeinderat; als er 2010 das Gremium verließ, endete mehr als eine Ära. Jetzt ist Jürgen Häffner im Alter von 84 Jahren gestorben.
Albstadt-Ebingen - Jürgen Häffner war Ebinger von Geburt, Albstädter aus Überzeugung und Apotheker mit Leib und Seele. Nach dem Pharmaziestudium und der Promotion in Tübingen war er in die Untere Apotheke eingetreten, die sein Großvater 1894 von Hieronymus Edelmann übernommen hatte und die er – in dritter Generation – bis 2000 führte.
1973 ließ er sich von Oberbürgermeister Hans Hoss für die FDP-Kreistagswahlliste "keilen" und wurde aus dem Stand gewählt. Er sollte dem Gremium 41 Jahre lang angehören; das Kreistagsmandat war nicht nur sein erstes, sondern auch sein letztes – erst 2014 gab er es ab.
Aus dem Stand ins Gremium und gleich Fraktionschef
1975 entstand die Stadt Albstadt; bei der Gemeinderatswahl im März kandidierte Jürgen Häffner für eine Liste, die aus dem Schulterschluss der in Ebingen sehr präsenten Freidemokraten und der in Tailfingen starken Freien Wähler hervorgegangen war und unter dem Namen "Freie Demokraten Albstadt" antrat. Er wurde gewählt und sogleich zum Fraktionschef gekürt – Gotthilf Daub, der Doyen der Freien Wähler, zog selbst die Rolle der "Grauen Eminenz" und des wortgewaltigen, aus der Tiefe des Raums kommenden Hinterbänklers dem Sitz in der ersten Reihe vor.
Zwei Wahlperioden lang führte Häffner die "Freien Demokraten" an, weitere zwei Jahrzehnte, bis 2006, die Freien Wähler – 1985 wurde umfirmiert, um Verwechslungen mit der FDP, deren Ableger man nun mal nicht war, ein für allemal vorzubeugen.
In den ersten Jahren ein Drahtseilakt
Die ersten Jahre waren schwierig, die Verteilung der Ressourcen in einer kommunalen Gemeinschaft, der sich nicht alle Mitglieder euphorisch angeschlossen hatten, ein Drahtseilakt. Der "junge Spund" an der Fraktionsspitze machte seine Sache nicht schlecht: Häffner, vom Naturell her alles andere als ein Peitschenschwinger, verstand seine Aufgabe als die des Moderators, dies umso mehr, da er es mit gestandenen Persönlichkeiten zu tun hatte, die teilweise um einiges älter waren als er.
Jürgen Häffner: Nicht alles hat er bekommen
Zu seinen wichtigsten politischen Zielen gehörte fortan die Schaffung von Wohn- und Gewerbegebieten, wobei er nicht alles bekam, was er gerne gehabt hätte – dem nicht verwirklichten Gewerbegebiet Ehestetten trauerte er noch lange nach.
Als Erfolge auch der Freien Wähler – die unter seiner Ägide zweitstärkste Kraft im Albstädter Gemeinderat wurden – betrachtete er den Bau von Osttangente und Tunnel in Ebingen. Es waren Projekte, ohne welche die Neugestaltung der Innenstadt nicht möglich gewesen wäre.
Leidenschaftlicher Anwalt des Kunstmuseums Albstadt
Ein nicht allein politisches, sondern auch persönliches Anliegen war ihm stets das Wohlergehen der Städtischen Galerie, des heutigen Kunstmuseums, gewesen. Seine Frau Monika und er engagierten sich viele Jahre lang im Förderverein des Museums; als 2010 vor dem Hintergrund kollabierender kommunaler Finanzen die Schließung erwogen wurde, war Jürgen Häffner einer seiner leidenschaftlichsten Anwälte im Gemeinderat. Die Interessen der Stadt Albstadt vertrat er, außer im Kreistag, auch im Regionalverband; außerdem war er Schöffe am Landgericht Hechingen.
Unermüdlicher Spendensammler für die Kinderhilfe Sansibar
Es gab noch weitere Ehrenämter: Jürgen Häffner zählte unter anderem zu den Gründern des Fördervereins der Martinskirche, und er unterstützte die von seiner Tochter Nicole Häffner begründete Kinderhilfe Sansibar nach Kräften. Was ihm darüber hinaus an Freizeit blieb, nutzte der bekennende Italienliebhaber zum Lesen, Musik- und Kunstgenuss, im Ruhestand hörte er Geschichtsvorlesungen in Tübingen.
Der Albstädter Kommunalpolitik blieb er ein aufmerksamer, wohlmeinender und dabei mustergültig zurückhaltender Beobachter. Jürgen Häffner hinterlässt seine Witwe, zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Er ist am Samstag in Ebingen beigesetzt worden.