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Albstadt Zwischen "Höllenfürst" und engagierten Omas

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Foto: Rapthel-Kieser

Albstadt-Truchtelfingen - Ganz vorne in den Reihen der Anti-AfD-Demonstranten vor der Zollernalbhalle in Truchtelfingen steht eine weißhaarige Seniorin mit Brille. "Wehret den Anfängen", sagt die 75-jährige auf die Frage, warum sie in ihrem Alter an diesem kalten, dunklen Novemberabend in Albstadt auf die Straße geht.

Sie ist bei Amnesty International engagiert, so wie ihre Freundin neben ihr. Die ist erst 73. "Wir sind die Omas gegen rechts", lacht sie laut und etwas trotzig und sagt dann entschieden: "Man muss sich wundern, was heutzutage alles wieder in der Öffentlichkeit gesagt werden darf."

Ihre zwei Jahre ältere Freundin nickt. "Ich will nicht, dass es noch einmal so weit kommt." Zwei von rund 150 Demonstranten, die dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der IG Metall Albstadt gefolgt sind. Vertreter der SPD sind dabei, die MLPD und die Antifa, die Alboffensive und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen.  

Hier geht es direkt zum Artikel über die AfD-Veranstaltung

"AfD – no way", "Meine Heimat ist nicht Dein Reich" oder "Kein Mensch ist illegal" steht auf ihren Plakaten und Transparenten. Damit und mit skandierten Sprüchen wie "Es gibt kein ruhiges Hinterland" oder "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda" mit Rasseln, Trillerpfeifen und Hörnern, begehren sie dagegen auf, dass auf Einladung eines Teils der Kreis-AfD gleich in der Zollernalbhalle Dirk Spaniel und Andreas Kalbitz das Wort ergreifen wollen.

Wer ein Problem damit hat, soll die Halle verlassen

Kalbitz ist Vorsitzender des AfD-Landesverbands Brandenburg, und Dirk Spaniel einer von zwei Sprechern der AfD Baden-Württemberg. Sowohl Kalbitz, dessen brandenburgischer AfD-Landesverband bei der Landtagswahl im September 23,5 Prozent der Stimmen erhielt, als auch Spaniel werden dem rechten, völkischen AfD-Flügel um den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke zugerechnet.

Kalbitz wird mit rechtsextremen Vereinigungen in Verbindung gebracht. Und so redet der stellvertretende Kreisvorsitzende Joachim Wald auch gleich zu Beginn der Versammlung davon, dass diejenigen, die ein Problem damit haben, dass sie hier den "Höllenfürsten aus Thüringen" beschwören wollen, die Halle doch lieber gleich verlassen sollen.

Derweil untermauert der Vorsitzende der GEW, Bernd Romer, in einer Rede, warum man Kalbitz hier nicht haben will. Er sei mehrfach durch rechtsextreme Verstrickungen aufgefallen, laut Spiegel Online habe der Militärische Abschirmdienst mindestens drei Gespräche mit ihm geführt, da er von 1994 bis 2005 Fallschirmjäger war mittlerweile aber für Reservisteneinsätze gesperrt sei.

1993 nahm er am Sommerlager der rechtsextremen "Heimtreuen Jugend" teil, war von 1994 bis mindestens 2001 Mitglied der "Jungen Landsmannschaft Ostpreußen", begab sich 1999 und 2000 auf nationalistische Wallfahrt nach Belgien, besuchte 2007 ein Lager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" und reiste im gleichen Jahr mit Neonazis zum Neonaziaufmarsch nach Athen. 2014 und 2015 sei er Vorsitzender des rechtsextremen Vereins "Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit" gewesen und beschäftigte 2016 einen ehemaligen Neonazi als Mitarbeiter im Landtag.

Polizei hat mit Demonstranten alle Hände voll zu tun

Dass die AfD seit Jahren wie keine andere Partei gegen Minderheiten, Andersdenkende, Journalisten und Politiker hetze, mache sie zum Hauptverantwortlichen dafür, dass sich Rassismus und Antisemitismus weiter ausbreiten. Manche ließen diesen Worten Taten folgen, gab Romer zu bedenken, und nannte unter anderem die Brandanschläge von Solingen und Mölln, die Anschläge und Hinrichtungen des NSU, die Attacken auf Politikerinnen und Politiker und schließlich den Mord am Regierungspräsidenten Lübke und den Anschlag auf die Synagoge in Halle die Folge solcher Hetzerei.
 
Für die Polizei, die mit einem Großaufgebot vor Ort war, war die Veranstaltung der AfD in der Zollernalbhalle am Samstagabend durchaus eine schwierige Gemengelage. Die rund 150 Demonstranten hatten sich zu beiden Seiten der Absperrungen postiert und in der neuapostolischen Kirche direkt gegenüber fand gleichzeitig ein Gottesdienst statt. Aufgrund der Demo war es Besuchern der Kirche für kurze Zeit nicht möglich, das Gebetshaus nach dem Gottesdienst zu verlassen.

Bei der Absperrung an der Brückenstraße kam es gar zu Rangeleien. Einige Demonstranten wollten AfD-Anhänger nicht durchlassen, wurden verbal ausfällig oder gar tätlich.

Während die zwei Versammlungen des bürgerlichen Lagers laut Polizei "ohne Zwischenfälle" verliefen, schlossen sich Vertreter der Antifa Stuttgart, der Alboffensive sowie der OATS Villingen zu einer Spontanversammlung zusammen. Die Polizei konnte durch den Einsatz von zahlreichen Beamtinnen und Beamten verhindern, dass die Demonstranten die Halle blockierten. Dabei wurden sie von den Demonstrationsteilnehmern wiederholt beleidigt. Außerdem kam es zu kleineren körperlichen Auseinandersetzungen. Verletzt wurde nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch niemand.

Mehrere Anzeigen wegen Beleidigung werden von der Polizei derzeit noch bearbeitet.

Unbekannte beschädigen Auto eines AfD-Redners

Das Presserecht mussten die Ordnungskräfte vor Ort durchsetzen: Dass die AfD die regionalen Medienvertreter nicht reinlassen wollte, ließen die Beamten nicht durchgehen. Es sei eine angemeldete, öffentliche Veranstaltung einer Partei in einer städtischen Halle, da habe die Presse Zutritt, hatte der Einsatzleiter den Vertretern der AfD vor Beginn der Veranstaltung beim Kooperationsgespräch erklärt und geleitete die Medienvertreter hernach persönlich bis in den Vorraum.

Während der Veranstaltung wurde das Auto eines Redners der AfD durch bislang unbekannte Täter beschädigt. Strafrechtliche Ermittlungen wurden laut Polizei eingeleitet.

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