Bettina Zundel spricht über die Hugenotten. Foto: Lang Foto: Schwarzwälder-Bote

Vortrag: Bettina Zundel referiert bei den Heimatkundlern über die Hugenotten

Von Peter Thaddäus Lang

Albstadt-Tailfingen. Glaubensflüchtlinge brachten Wohlstand, wenn auch nur indirekt – das ist das Resümee von Bettina Zundels Vortrag im Rahmen des Veranstaltungsprogramms zum Thema Migation der Heimatkundlichen Vereinigung.

Im Maschenmuseum beleuchtete die Kunsthistorikerin ein Stück regionaler Wirtschaftsgeschichte. Unter dem Titel "Der Einfluss der Hugenotten auf die regionale Textilindustrie" ging Zundel auf die regionale Entwicklung der Textilindustrie ein. Bereits nach dem 30-jährigen Krieg entwickelte sich sowohl in Hohenzollern als auch auf württembergischem Gebiet das Handstricken zu einem neuen Gewerbezweig, der Strumpfstrickerei und Strumpfwirkerei. Eine wesentliche Erleichterung der Arbeit brachte der so genannte Handkulierstuhl, den 1589 ein englischer Geistlicher erfand: Von nun an konnte man 16 Maschen mit einem einzigen Arbeitsgang herstellen. Diese Erfindung verbreitete sich zunächst in Frankreich, und als 1685 ebendort die calvinistischen Hugenotten vertrieben wurden, brachten die Glaubensflüchtlinge den Handkulierstuhl auch nach Deutschland und damit schließlich auch auf die Schwäbische Alb.

Von industrieller Arbeitsweise kann man erst nach der Eröffnung der hiesigen Eisenbahnlinie 1878 sprechen; in Tailfingen setzte die Industrialisierung dann noch einige Zeit später ein.

Den armen Albbauern brachte die Arbeit in der Fabrik bescheidenen Wohlstand, wie man etwa an der Zunahme der Gastwirtschaften ablesen kann.

Die Fabrikantensöhne hingegen konnten sich feine Luxusautos leisten, mit denen sie stolz durch den Talgang brausten, und ihre Schwestern trugen ebenso stolz Jäckchen und Mäntel aus Nerz und Zobel. Eine grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse ergab sich erst durch die Textilkrise in den 1980er-Jahren.

In der sich an den Vortrag anschließenden Fragerunde ergab sich allerdings, dass nur eine sehr kleine Zahl an Hugenotten in Württemberg sesshaft wurden; im Raum des heutigen Albstadt lassen sich überhaupt keine finden.

Die Veranstaltung schloss mit einer Führung durch das Maschenmuseum.