Günter Wiebusch spricht sich für vernünftigen Tierschutz aus. "Wildtierfütterung unnötig".

Albstadt - Eisige Kälte und starker Schneefall bestimmen das Winterwetter. Dank einer dickenWinterjacke und einem Dach über dem Kopf können sich die Menschen gut vor den Minus-Temperaturen schützen. Bei Tieren sieht es anders aus.

Aber Grund zur Sorge, meint Günter Wiebusch, Vorsitzender des Tierschutzvereins Zollernalbkreis, gebe es nicht: "Die Wildtiere kommen damit gut klar." Daher sieht der Tierarzt die Wildtierfütterung, die sich im Winter bereits eingebürgert hat, eher skeptisch – egal, wie kalt es draußen ist. "Das ist in unseren Breitengraden nicht nötig. Die Tiere finden immer was zum Fressen. Viel wichtiger ist Ruhe", so Wiebusch. Daher appelliere er an die Spaziergänger, nicht querfeldein zu laufen, sondern lieber auf den Wegen zu bleiben.

Wenn die Tiere in ihrer Ruhe gestört werden, verbrauchen sie mehr Kalorien. Daher solle man auch Hunde, die zum Streunen neigen, zu dieser Jahreszeit anleinen. "Die Wildtiere haben im Winter einen verlangsamten Fluchtinstinkt. Und ich habe auch schon erlebt, dass ein Reh im Schnee stecken bleibt", erzählt Wiebusch.

Auch bei Fütterung von Vögeln gibt es einiges zu beachten. So soll dafür gesorgt werden, dass die Futterstelle öfters gesäubert wird und frisches Wasser zur Verfügung steht. Für jede Vogelart gebe es zudem im Fachhandel verschiedene Futtersorten, erzählt Wiebusch. "Man muss einfach beobachten, welche Vogelart im eigenen Garten zu finden ist, und das passende Futter kaufen", rät der Experte. Zu viel Fürsorge sei aber auch dort nicht angebracht. "Man sollte kein Fleisch für Raubvögel wie Mäusebussards zur Fütterung auslegen. Das ist übertrieben", sagt Wiebusch.

"Der Tierschutz muss vernünftig bleiben", ist Wiebusch überzeugt. Daher sei es auch nicht nötig, Hunde beim Spaziergang "anzuziehen". Man dürfe nicht vergessen, dass die Tiere keine Menschen sind. Es reiche, wenn man beim Spazierengehen immer wieder eine kurze Pause einlegt und die Pfoten von Eisklumpen befreit: "Sonst laufen sie sich wund. Gesunden Hunden macht das aber nichts aus." Salz reize die Pfoten zusätzlich. Aber jedes Tier reagiere anders drauf. "Man muss einfach beobachten, ob die Hunde empfindlich reagieren oder nicht", sagt Wiebusch.

Weidentiere wie Rinder und Pferde können auch im Winter draußen bleiben. "Der Klimareiz ist wichtig für eine artgerechte Haltung", weiß Wiebusch. Allerdings sollte auf der Weide eine Unterstellmöglichkeit zur Verfügung stehen.

Bei streunenden Katzen im Winter sei Vorsicht geboten. "Man sollte sie nicht füttern", ermahnt der Vorsitzende. Wer es dennoch tue, müsse bedenken, dass die Verantwortung für das Tier über den Winter hinaus gehe. "Man sollte die Katzen im Frühjahr dann auch kastrieren lassen, damit die Population nicht in die Höhe schießt", rät er. Die streunenden Katzen im Zollernalbkreis seien wie die Straßenhunde in Rumänien. Um sich artgerecht um sie zu kümmern, sei ein Katzenhaus im Tierheim Tailfingen geplant.

In den vergangenen Jahren habe die Bereitschaft, sich für den Tierschutz einzusetzen überhand genommen. Der rührselige Schutz sei in der Gesellschaft sehr angesehen, aber das sei zu viel. "So hart es klingt, der Winter ist immer noch ein Auslesefaktor", weiß der Tierarzt. Das sei entscheidend für die Arterhaltung, denn "der Stärkste überlebt".

Die Rührseligkeit steigere zwar die Spendenbereitschaft, helfe den Tieren aber nicht. "Die Menschen sollten ihre Fürsorge lieber auch ihren Mitmenschen zu kommen lassen und nicht nur den Tieren", ist der Vorsitzende des Tierschutzvereins überzeugt.