Zehn Jahre lang war Sibylle Biermann-Rau Pfarrerin der Friedenskirche – das Bild zeigt sie mit dem Modell des Gotteshauses. Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder-Bote

Friedenskirche: Pfarrerin Sibylle Biermann-Rau verlässt nach zehn Jahren Ebingen und geht nach Reutlingen

Von Martin Kistner

 

Zehn Jahre lang war Sibylle Biermann-Rau Pfarrerin der Ebinger Friedenskirchengemeinde. Jetzt ist ihre Zeit in Albstadt um: Am 24. Juli wird sie offiziell im Sonntagsgottesdienst verabschiedet; im September bricht sie endgültig die Zelte ab.

Albstadt-Ebingen. Die "letzten Male" häufen sich: Je näher der Abschied rückt, desto öfter begegnet Sibylle Biermann-Rau Gemeindegliedern, die mutmaßen, dass man sich so bald nicht wiedersehen wird. Abwarten – das Wiedersehen ist bei Biermann-Rau biografische Konstante. Der Pfarrdienst an der Friedenskirche war selbst ein "Déjà-vu"-Erlebnis, denn bereits 1982 hatte die damalige Tübinger Theologiestudentin ein Gemeindepraktikum in Ebingen absolviert, damals an der Thomaskirche bei Pfarrer Martin Wurster. Eine Vertrautheit mit Landschaft und Menschen dürfte schon damals da gewesen sein – Sibylle Biermann-Rau stammt selbst von der Alb, nämlich aus Geislingen/Steige.

Dem Praktikum in der Ebinger Oststadt folgten drei Tübinger Jahre, genauer: das Vikariat in Hagelloch. Einige Jahre lang war Biermann-Rau Pfarrerin in Waldenbuch, dann ließ sie sich von der Landeskirche nach Thüringen "verleihen" und feierte in Apolda prompt ein Wiedersehen mit Ebingen – der Martinskirchenchor konzertierte in der Partnergemeinde. Dann wieder Tübingen, diesmal Bebenhausen-Lustnau. 2005 beschloss Biermann-Rau, ein Sabbatjahr einzulegen, und dieses verbrachte sie – in Ebingen. Als just zu dieser Zeit die Pfarrstelle an der Friedenskirche vakant wurde, bewarb sie sich um Gerlinde Kepplers Nachfolge und wurde genommen. Im September 2006 endete der Sabbat – und es begannen zehn Jahre Pfarrdienst in Ebingen.

Was wird aus diesem Jahrzehnt in Erinnerung bleiben? In einer schrumpfenden Gesamtkirchengemeinde war und ist die Friedenskirche die mit dem schwächsten "Standing" – nach der Kirchensanierung von 2002 werden keine weiteren Kirchensteuermittel in die Bausubstanz investiert, die Stelle, die Biermann-Rau antrat, war keine volle mehr und wurde zudem 2012 von 75 auf 50 Prozent gekürzt. Die Konsequenz war eine verstärkte Kooperation mit der Emmauskirche, die zum Leitmotiv von Biermann-Raus Dienstzeit wurde. Sie bedeutete Doppeldienste in beiden Gotteshäusern, eine gemeinsame Kinderkirche und Seniorenarbeit, neuerdings gemeinsamen Konfirmandenunterricht und eine neue Gottesdienstkonzeption, in der die Friedenskirche im 14-Tages-Turnus "bespielt" wird.

Maßnahmen, die eher aus der Not geboren sind – doch Sibylle Biermann-Rau hat es verstanden, aus dieser Not eine Tugend zu machen, und das Zusammenwachsen der beiden Gemeindeteile aus Überzeugung tatkräftig unterstützt – unter anderem mit Neuerungen wie den musikalischen Gottesdiensten, die nun fünfmal im Jahr stattfinden. Sie hat aufs Miteinander gesetzt – auch auf der Ebene der Gesamtkirchengemeinde, wo sie ebenfalls ein "Zusammenrücken" beobachtet und ausdrücklich begrüßt. Weitere Betätigungsfelder, die ihr wichtig waren: der Weltladen und das Engagement für einen fairen Welthandel – in den Ebinger Gemeindesälen wird nur noch Fair-Trade-Kaffee getrunken – und die durchaus kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Kirche, deren antisemitischer Vergangenheit sie ein Buch gewidmet hat.

Eine Gemeinde wird sie nicht mehr übernehmen

Was kommt nun? Sibylle Biermann-Rau wird keine Gemeinde mehr übernehmen, sondern Referentin von Dekan Marcus Keinath in Reutlingen – Predigten in der Reutlinger Marienkirche sind freilich Teil des Auftrags. Wohnen wird sie in Tübingen – es gibt abermals ein Wiedersehen. Sind weitere denkbar? Wer weiß? – Biermann-Rau behält sich vor, auch künftig auf den Traufgängen zu wandern. Albstadt ist für sie nicht aus der Welt.

Weitere Informationen: Sibylle Biermann-Rau wird am 24. Juli in einem Gottesdienst der Gesamtkirchengemeinde Ebingen in der Friedenskirche offiziell verabschiedet, macht aber noch bis zum Ferienende "Vertretung für sich selbst" und Kollegin Ilze Druvina. Ihre Stelle wird nicht mehr besetzt.