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Albstadt Wie Estland Vorbild sein kann

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Schulunterricht auf Estnisch: selbstorganisiert mit Tablets und Smartphones Foto: Rodon Foto: Schwarzwälder Bote

Digitalisierung in der Schule: Wie geht es besser? Wie geht es anders? Diesen Fragen stellt sich die Walther-Groz-Schule Albstadt, die seit zwei Jahren Projektschule für den digitalisierten Unterricht mit Tablets ist, und schickte Lehrer nach Estland.

Albstadt-Ebingen. Um den pädagogischen Horizont zu erweitern, greift die Walther-Groz-Schule immer wieder auch auf ungewöhnliche Fortbildungsformate zurück: Eines dieser Programme ist das "Erasmus+"-Programm der Europäischen Union, das kleinen Lehrerteams ermöglicht, sich die Lösungskonzepte von Schulen anderer EU-Länder anzuschauen und darauf auch eine Zusammenarbeit aufzubauen.

Im Rahmen dieses Programms haben sich drei Lehrer der Kaufmännischen Schule Albstadt vor Ort in Estland an Schulen informiert, wie dort die digitale Schule umgesetzt wird. Betreut wurden sie dabei von der Lehrerin Ave Ermus, die über ein "Erasmus+"-Programm erst 2017 an der Walther-Groz-Schule zu Gast war. Estland wählten die Lehrer deshalb, weil dieses Land als eines der fortschrittlichsten Länder in der Anwendung der Digitalisierung angesehen wird.

Zielort war die Stadt Pärnu im Südwesten des Landes an der Ostsee, die mit ihren 45 000 Einwohnern exakt so groß ist wie Albstadt. Dort erhielten die Lehrer Einblicke in fünf verschiedene Schulformen und erfuhren, wie dort die Digitalisierung umgesetzt wird. Das reicht vom einfachen Einsatz von Lehrercomputern mit Beamern und Projektionsfläche bis zum virtuellen Unterricht über die Internet-Lernplattform Moodle.

Interessant war vor allem der Vergleich mit der eigenen Schule: "Es zeigte sich, dass wir in vielen Anwendungsbereichen gleichauf mit den estnischen Schulen sind, in manchen Bereichen sogar weiter", berichtet Ulrich Rodon, Lehrer der Walther-Groz-Schule, der in seiner Funktion als Netzwerkadministrator mit dabei war. Das betreffe zum Beispiel den Einsatz von Tablets im Unterricht.

Estnische Schüler hingegen setzten viel stärker ihre Smartphones im Unterricht ein. Die Punkte, in denen Estland eindeutig voraus sei, seien die Ausstattung jeder Schule mit einem Informatiker, der nur für die Betreuung der Computerinfrastruktur zuständig ist, dem von allen Lehrern geforderten Nachweis von Computerkenntnissen und der einheitlichen Schulverwaltungsplattform Estlands.

"Erstaunlich war aber, dass es Informatikunterricht nur bis zur achten Klasse gibt", so Rodon. "Informatik-Wissen wird dann einfach vorausgesetzt oder, wo notwendig, individuell im normalen Unterricht um Notwendiges erweitert.

Eine weitere Erkenntnis der drei Lehrer: Vieles, was in Estland an Digitalisierung umgesetzt wird, wäre bei den deutschen Datenschutzbedingungen nicht umsetzbar. Bei ihrer Reise lernten die Albstädter, wo noch Lücken bestehen, die gefüllt werden können, sahen aber auch eine Bestätigung des Weges der eigenen Schule auf dem Weg der Digitalisierung.

"Die Offenheit und das Interesse der estnischen Kollegen wird zudem eine Basis für eine weitere Zusammenarbeit sein", betont Ulrich Rodon.

 

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Karina Eyrich

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