Pfarrer Bernd Mayer und Kirchengemeinderatsvorsitzender Andreas Mader gehen in die Offensive, um die Lage der evangelischen Kirchengemeinde zu verbessern. Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder-Bote

Gemeindeforum: Evangelische Gemeinde Tailfingen lädt zur Debatte über ihre Situation

Die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen lädt ihre Gemeindeglieder auf Samstag, 18. Februar, zu einem Forum im Gemeindesaal Stiegel ein. Es geht um ernste Themen: den demografischen Wandel, schrumpfende Einkünfte und eine in die Jahre gekommene Infrastruktur.

 

Albstadt-Tailfingen. 9125 Gemeindeglieder zählte die evangelische Kirchengemeinde Tailfingen im Jahre 1960 – 57 Jahre später sind es noch 4412, deren Durchschnittsalter um einiges höher liegt als damals. Die Gründe sind bekannt: sinkende Geburtenraten, die Abwanderung der Jüngeren, der Niedergang der Textilindustrie und Kirchenaustritte. Zwar gibt es auch Zuzug in Albstadt, aber die Neuankömmlinge sind nur zu einem geringen Teil Protestanten. Nicht einmal die Hälfte der Tailfinger ist heute noch lutherischer Konfession. Zum Vergleich: Wie die Stiftungstafel der Pauluskirche aus dem Jahr 1907 ausweist, waren damals 4330 von 4598 Tailfingern evangelisch.

Wenn eine Gemeinde kontinuierlich schrumpft, dann wird irgendwann die Anpassung der Infrastruktur unausweichlich – und sei es nur, weil mit der Zahl der Gemeindeglieder die Höhe der Einkünfte und die Finanzkraft sinken. Bereits 2002 war die vierte Tailfinger Pfarrstelle gestrichen worden, seit dem vergangenen Jahr leisten die Tailfinger Pfarrer Amtshilfe im benachbarten Onstmettingen, und weitere Stellenstreichungen sind abzusehen: Drei Pfarrer für 4000 Gemeindeglieder ist eine Relation, die, wie Pfarrer Bernd Mayer einräumt, von der Landeskirche als durchaus komfortabel angesehen wird. Diese will bis 2024 5,75 Pfarrstellen im Kirchenbezirk Balingen einsparen; dass Tailfingen dabei ungeschoren bleibt, ist kaum vorstellbar.

Noch drängender sind die baulichen Probleme

Fast noch drängender sind die Probleme mit der baulichen Infrastruktur. Der Kirchengemeinderat hat im vergangen Jahr beschlossen, sich am "Projekt Integrierte Beratung" der Landeskirche zu beteiligen und die Dienste eines Beratertrios in Anspruch zu nehmen. Zu diesem gehört auch ein Architekt, und der hat im Sommer 2016 den gesamten Immobilienbestand der Kirchengemeinde untersucht und den Sanierungsbedarf ermittelt.

Das Resultat war vorhersehbar, aber dennoch ernüchternd: Mit Ausnahme der bereits sanierten Pauluskirche haben es alle größeren Gebäude bitter nötig. Bei der Erlöserkirche, ihrer Pfarrwohnung und dem Gemeindesaal beläuft sich der Sanierungsbedarf auf über 1,3 Millionen Euro, beim 1938 erbauten Gemeindehaus Moltkestraße gar auf 1,85 Millionen und im Falle des Gemeindezentrums Stiegel auf 602 500 Euro.

Daneben nehmen sich die 116 500 Euro für eine Sanierung der Peterskirche harmlos aus, aber der Schein trügt: Das Problem der Feuchtigkeit hat Architekt Sebastian Läpple ausgespart – wollte man das fehlende Fundament und die nötige Dränage auch noch finanzieren, fielen noch mindestens weitere 300 000 Euro an. Doch auch ohne diese Summe übersteigt der Gesamtbedarf 4,6 Millionen Euro.

Und diese übersteigen wiederum die Möglichkeiten der Gemeinde: Bereits im Dezember hat der Kirchengemeinderat beschlossen, den Bestand zu reduzieren. Aber wo? Das will das Gremium nicht einfach dekretieren, und deshalb holt er jetzt die Gemeinde ins Boot: Alle evangelischen Tailfinger, aber auch die Vertreter benachbarter Kirchengemeinde, der Tailfinger Katholiken und Methodisten sowie der Vereine sind eingeladen, sich am Samstag im Gemeindesaal Stiegel über die Situation zu informieren und dann, in Gruppen aufgeteilt, zu diskutieren: über Chancen und Risiken des Gemeindelebens von morgen, über Stärken und Schwächen der Tailfinger Kirchengemeinde, über Einsparmöglichkeiten und Tabuzonen für den Rotstift.

Auf der Grundlage des Meinungsbilds will der Kirchengemeinderat dann Strategien für eine Verschlankung der Infrastruktur entwickeln und diese bei einer Gemeindeversammlung am 9. März 2018 vorstellen. Im Sommer soll der Beschluss folgen.