Vor über 75 Jahren gründete Fritz Fuss effeff / Neues Buch erzählt die Geschichte des Türöffners und der Welt
Von Nicole Westhauser
Albstadt-Lautlingen. Zur gleichen Zeit, als Charlie Chaplin große Erfolge feierte und Margaret Mitchel den Roman "Vom Winde verweht" veröffentlichte, verschrieb sich der Ebinger Fritz Fuss der Herstellung von Türschlössern. 1936 gründete er die Firma effeff.
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Unternehmens ist im vergangenen Jahr das Buch "Fritz Fuss und das Jahrhundert des elektrischen Türöffners" entstanden, das Autor Gernot Guth nun in der Lautlinger Schloss-Scheuer vorgestellt hat. Das Werk lässt die Firmengeschichte Revue passieren; im Mittelpunkt steht der effeff-Gründer.
Warum ein Buch über einen Albstädter Unternehmer schreiben? Warum nicht? "Über den Entwickler eines so alltäglichen Produktes wie des Türöffners gibt es keine Literatur", sagt Guth. "Über den Erfinder der Atombombe schon. Die hat aber noch keinen glücklich gemacht." Sein Buch ist vor allem für Menschen gedacht, die keine Ahnung von Technik haben. "Dass die Heinzelmännchen nicht die Türe aufmachen, ist klar" – aber wer dann?
Die Chronik beginnt 1936 – die Weltwirtschaftskrise liegt damals wenige Jahre zurück – mit dem wagemutigen Entschluss von Fritz Fuss, sich selbständig zu machen und eine eigene Firma zu gründen. Sie endet im Jahr 2011, in dem effeff, das seit 2000 zum Assa-Abloy-Konzern gehört, sein 75-jähriges Bestehen feiert. Dazwischen liegen zahlreiche Patente und eine Menge Weltgeschichte. Denn nicht nur Fritz Fuss und der elektrische Türöffner sind Thema von Guths Buch – er passt die effeff-Geschichte in einen größeren historischen Rahmen ein, erwähnt sowohl wichtige geschichtliche Eckdaten wie die Erfindung des Computers oder die Wiedervereinigung als auch das eine oder andere bizarre Ereignis. So wirft er Schlaglichter auf seinen Protagonisten und dessen Umgebung. Und er zeigt, dass Fuss seiner Zeit voraus war – etwa damit, dass er den zweiten Bildungsweg einschlug oder dass er nach dem Krieg seinen Bruder Helmut Fuss als kaufmännischen Mitarbeiter anstellte, was zu dieser Zeit eher unüblich war.
Verlegt und lektoriert hat das Buch Volker Lässing, Lehrer an der Walther-Groz-Schule und Verfasser des Buchs "Den Teufel holt keiner" über Otto Hahn und die Tailfinger Jahre des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Es sei seltsam gewesen aus der Rolle des Autors in die Rolle des Lektors zu schlüpfen, berichtet er – aber er habe es gern gemacht. "Schließlich geht es um ein Stück ›heimische Geschichte‹."
das buch: Gernot Guth: "Fritz Fuss und das Jahrhundert des elektrischen Türöffners", Volker Lässing Verlag, 112 Seiten, 22 Euro.