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Albstadt Was bei Hoheit im Bett liegt

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Im Schloss Sigmaringen plaudert Ursula Baumgärtner mit Karl Friedrich von Hohenzollern.Fotos: Baumgärtner Foto: Schwarzwälder Bote

In den Garten von Gerlinde Kretschmann, ins Schloss Sigmaringen, in den Garten der Hochschule und ins Amtszimmer des Oberbürgermeisters nimmt Ursula Baumgärtner Literaturfreunde in einem Film mit – Büchersofa mal anders.

Albstadt/Sigmaringen. Was liest der Ex-Kriminaler Klaus Konzelmann, wenn er coronabedingt keine Abendtermine hat? Warum konnte Karl Friedrich, Fürst von Hohenzollern, schon vor der Schule lesen? Wie hat die baden-württembergische First Lady Gerlinde Kretschmann als Lehrerin Kinder zum Lesen – und Eltern zum Vorlesen – motiviert? Und wie schafft es ein Freund von Hochschulrektorin Ingeborg Mühldorfer, Wissenschaft spannend zu verpacken?

Diese Fragen beantwortet der zweite "Büchersofa"-Film, für den Moderatorin und Literaturkritikerin Ursula Baumgärtner, ihr (Kamera-)Mann Christian und Tanja Wachter, Leiterin der Stadtbücherei Albstadt, auf "Tour de Literatur" gegangen sind.

Schon die erste Station vermittelt seltene Einblicke: In seinem Schloss berichtetet der Chef des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen – Unternehmer, Musiker und Vielleser –, dass seine Kinderschwester ihm mittelalterliche Geschichten vorgelesen habe und er so schon vor der Einschulung lesen lernte. Erfinder- und Abenteuergeschichten habe er verschlungen, und heute lese er oft zwei Bücher parallel: Biografien, Fachbücher, Romane, und im Bett kürzere Geschichten, etwa von Ferdinand von Schirach oder Bernhard Schlink.

Dann macht Karl Friedrich von Hohenzollern Lust auf Delia Owens: "Der Gesang der Flusskrebse" verbinde einen Roman mit einer Kriminalgeschichte, die – nachdem das Happy End vorüber scheint – ganz anders ausgehe als erwartet. Der Fürst schwärmt von großartigen Schilderungen der Natur in Louisiana, einem besonderen Mädchen, das dort alleine aufwächst, und den beiden Männern in ihrem Leben, von denen einer stirbt.

Dass auch Fachliteratur Lesevergnügen bieten kann – diesen Beweis tritt Inge Mühldorfer im Garten der Sigmaringer Hochschule an, wo sie das Buch eines Freundes vorstellt: Ernst Peter Fischer – Mathematiker, Chemiker und Biologe – hat bei einem Nobelpreisträger promoviert und schafft es, Lesern Wissenschaft greifbar zu machen. "Die Welt in deiner Hand" macht das Handy, aber auch die Entwicklung der Hand und die Möglichkeiten zum Thema, die durch den aufrechten Gang entstanden seien, wie die promovierte Infektionsbiologin betont. Ein Handy – den Begriff habe wohl ein Schwabe erfunden; "Hän die kei Schnur?" – hätten mehr Menschen zur Verfügung als fließendes Wasser, verrät Mühldorfer, die als Kind "Die rote Zora", als Teenager Hermann Hesse und erst kürzlich, mit ganz anderen Augen als früher, mal wieder Siegfried Lenz’ "Deutschstunde" gelesen hat.

"Wann ist das zu Ende? Das wissen wir noch nicht"

An Fischer fasziniert sie, wie er es schaffe, Wissenschaft spannend zu erklären und deutlich zu machen: "Die Wissenschaftsgeschichte gehört zur Kulturgeschichte genau so wie Literatur, Malerei... – und eines bedingt das andere." Fischer beschreibe eine Welt, "von der wir noch nicht wissen: Wann ist das zu Ende. Man lernt das Staunen in diesen Büchern."

"Kein Buch für den Strand, sondern für eine stille Ecke" stellt Gerlinde Kretschmann in ihrem idyllischen Laizer Garten vor, nämlich "Löwen wecken" von Ayelet Gundar-Goshen. Sie erzählt vom Neurochirurgen Etan Grien, der in Israel am Rand der Wüste lebt und Fahrerflucht begeht, nachdem er einen illegal im Land lebenden Eritreer totgefahren hat. In dieser Nacht schlafe er besser denn je, doch dann lerne er eine Eritreerin kennen, die ihn erpresst – und führt darauf hin ein Doppelleben...

Gerlinde Kretschmann findet trotz ihrer vielen Aufgaben Zeit zum Lesen, wie sie Ursula Baumgärtner erzählt. "Wenn ich im Zug nach Stuttgart fahre und ein Buch in der Hand habe, stört mich auch niemand", sagt sie. Ihren Enkeln liest sie Bücher von Janosch, "Räuber Hotzenplotz" und "Lukas, der Lokomotivführer" vor, findet "gute Kinderbücher genau so spannend wie einen guten Roman" und hat schon als Grundschullehrerin die Kinder beauftragt, Bücher aus der Klassenbibliothek vorzustellen. Eltern sollten im Hausaufgabenbuch eintragen, wenn sie ihrem Kind vorgelesen hatten. "Kinder brauchen lesende Vorbilder", weiß die Landesmutter.

In seinem Amtszimmer erzählt Oberbürgermeister Klaus Konzelmann gut gelaunt von einem Thriller, "bei dem nicht auf jeder Seite ein Toter liegt": "Der Junge aus dem Wald" von Harlan Coben hat das Stadtoberhaupt während des ersten Lockdowns verschlungen und verkneift sich einen Spoiler. Nur so viel verrät er: Die Mutter seines verstorbenen Freundes, eine Rechtsanwältin, bittet den Mann, der als Junge ohne Erinnerungen im Wald gefunden wurde und bei einer Pflegefamilie aufgewachsen war, um Hilfe. Der Grund: Ihr Enkel sorgt sich um eine verschwundene Mitschülerin.

"Überraschende Wendungen" zeichneten das "ganz, ganz spannende" Buch aus, schwärmt Konzelmann, der zurzeit allerdings lieber weniger Aufregendes liest: Gunter Haugs "Schwäbische Sternstunden".

Ursula Baumgärtner selbst hat freilich auch jede Menge Tipps für ihr Publikum (siehe Info). Optisch unternimmt sie dafür eine Tour durch Haus und Garten, zu ihren Lieblings-Leseplätzen – inhaltlich eine Reise durch die halbe Welt.

Der Film: https://www.youtube.com/watch?v=Vgwcwus7xG8&feature=youtu.be

Unter Ursula Baumgärtners Buchtipps ist für viele Geschmäcker etwas dabei:

  "Wenn Du mich heute wieder fragen würdest" von Mary Beth Keane erzählt von einem Ehepaar in einer amerikanischen Vorstadt und seinen argwöhnischen, ja teils aggressiven Nachbarn, deren Kinder nebeneinander aufwachsen und sich heimlich treffen, bis ein folgenschwerer Vorfall alles zu zerstören droht. "Ein großartiger Roman über die Kraft der Liebe und der Vergebung", sagt Baumgärtner, die Keane mit den großen amerikanischen Erzählern in eine Reihe stellt.

  "Männer in Kamelhaarmänteln" von Elke Heidenreich erzählt von Filmstars und ihren berühmten Kleidungsstücken, aber auch von der Autorin selbst und ihren Klamotten. "Die Geschichten haben’s in sich!", sagt Ursula Baumgärtner.

  "Menschliche Dinge" von Karine Tuil hat die Literaturkritikerin "beschäftigt wie lange kein Roman mehr": Weil er schonungslos die Gesellschaft der Reichen und Schönen unter die Lupe nehme. Erzählt werde die Geschichte eines jungen Mannes, der durch seine Erfahrungen mit Beziehungen in die Mühlen der Justiz gerate, und die Plädoyers von Rechtsanwalt und Verteidiger zeigten, dass es im Prozess gegen ihn "nur Opfer gibt".

  "Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise" von Jean-Paul Dubois lasse bis zum Schluss offen, was Paul, der sich im Montrealer Gefängnis eine Zelle mit einem grobschlächtigen Rocker teilt und unter dem Verlust seiner Privatsphäre leidet, eigentlich verbrochen hat. "Ein Roman darüber, dass man immer zwei Mal hinschauen sollte, bevor man ein Urteil über einen Menschen fällt", kommentiert Baumgärtner.

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