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Albstadt Vor der Diaspora ist ihm nicht bange

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Mit seinem Sinn für Humor und seinem guten Draht zu Menschen hat Pfarrer Walter Schwaiger in Ebingen Akzente gesetzt. Die Bilder zeigen ihn beim Luthermahl mit Pfarrerin Marlies Haist und bei einer Kirchenausstellung mit Museumsdirektorin Veronika Mertens. Foto: Kistner

Acht Jahre lang war Walter Schwaiger geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Ebingen – jetzt bricht er die Zelte ab und geht nach Bad Saulgau.

Albstadt-Ebingen. Ebingen war nach Schwenningen – Vikariat – , Allmendingen – Pfarrer zur Anstellung – und Ostrach die vierte Berufsstation des gebürtigen Kirchheimers Walter Schwaiger; Bad Saulgau wird aller Voraussicht nach die letzte werden. Kein eiskaltes Wasser – Schwaiger war 13 Jahre lang evangelischer Pfarrer im katholischen Oberschwaben; er hat also Erfahrung damit, die konfessionelle Minderheit zu vertreten.

Mehr noch, er kann der Rolle einiges abgewinnen: Diasporagemeinden sind oft vergleichsweise jung und eher heterogen zusammengesetzt; es fehlen die jahrhundertelange Tradition und das gewachsene "Patriziat", das andernorts seit Generationen die Kirchengemeinderäte dominiert. Das hat Vor- und Nachteile; Walter Schwaiger zählt zu denen, die das Glas lieber als halb voll ansehen – er hält sich an die Vorteile.

Das hat er auch getan, als er im Februar 2012 aus Ostrach ins altwürttembergische, traditionell evangelische Ebingen kam. Die Gemeinde war wesentlich größer, die Infrastruktur komplexer als in Ostrach und das Arbeitspensum entsprechend groß. Die Restrukturierung der Sozialstation war zu Schwaigers Glück bereits von seinem Vorgänger Alfred Hägele abgeschlossen worden; dafür wartete eine kalte Martinskirche mit sanierungsbedürftigem Innenleben auf ihn. "Eine große Aufgabe, gleich zu Beginn – das war schon herb."

200 000 Euro kostete allein die Heizungssanierung; anschließend wurde der Boden erneuert und das Mobiliar teilweise ausgetauscht: Ein Teil der alten Kirchenbänke verschwand – viele fanden eine neue Heimat in den Wintergärten und auf den Terrassen von Gemeindegliedern, die sie gegen einen Obolus abnahmen – ; die frei gewordene altarnahe Fläche wurde mit Hilfe von Stuhlpaten und den Erträgen der Aktion "Tausend Taler für tausend Talente" neu möbliert, und zwar mit Stühlen. Das schmerzte zwar einige der Traditionalisten, denen die robuste Sitzbank Halt und Struktur bedeutete, hatte aber den Vorteil, dass der Kirchenraum flexibler genutzt werden konnte als zuvor.

Walter Schwaiger erinnert sich gerne an die Veranstaltungen, die in der Folge über die neu gewonnene Bühne gingen: "Play Luther", das Konzert "Crossover", christliches Kabarett, die Lesung mit Peter Härtling, das Kinderfest, das Martinsmahl, das Gastspiel von Ursula Cantieni – "ganz klar, es hat sich bewährt". Die Ebinger hatten freilich auch Glück mit dem Timing. "Die scheidende Leiterin der Denkmalschutzbehörde hat es uns noch erlaubt; die neue hätte es nicht getan. Hat sie mir selbst gesagt."

Wer einmal anfängt zu renovieren, hört nicht mehr auf. Nach dem Hausinneren der Martinskirche sind jetzt Dach und Fassade an der Reihe; um die anstehenden Ausgaben in siebenstelliger Höhe bewältigen zu können, hat die Kirchengemeinde den "Spendenweg ›Alles unter einem Dach‹" beschritten. Nicht auszuschließen, dass Walter Schwaiger im Ruhestand ist, noch ehe das Ende dieses Weges erreicht ist. So oder so, er will dabei sein, wenn der Abschluss der Dachsanierung einst mit einem Festgottesdienst gefeiert wird.

Weitere Errungenschaften der Ära Schwaiger, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: das Kauf-Wasch-Café in der Garten- und später Bahnhofstraße, die Veranstaltungsreihe "Gespräche in der Sakristei", die Stiftung "Kirchen und Musik Ebingen" – nicht alles davon hat er federführend auf den Weg gebracht, aber er war immer beteiligt. Untrennbar mit seinem Namen verbunden bleibt die Fusion von Ebingens evangelischen Kirchengemeinden –­ Schwaiger ist nach wie vor überzeugt, dass ein "Anschluss" der kleineren Gemeinden an die zentrale Martinskirche böses Blut geschaffen hätte, und froh, dass ein anderer Weg gefunden wurde.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Sein eigener Weg führt ihn jetzt nach Oberschwaben. Nach Pfingsten kommt der Möbelwagen; Mitte Juni tritt er offiziell seinen neuen Posten an, am 28. Juni ist Investitur – weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn unter den derzeitigen Bedingungen passen nicht mehr als 45 Personen ins Bad Saulgauer Gotteshaus. Auf eine Abschiedsfeier in Ebingen hat die Gesamtkirchengemeinde für Erste verzichtet, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – Walter Schwaiger wird seinen Ausstand geben, wenn die Coronavirus-Pandemie ausgestanden ist. Wer so lange nicht warten mag, kann sich sein Abschiedsvideo ansehen – es steht auf www.youtube.com/watch?v=RmhMa Gv1tQc&feature=youtu.be.

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