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Albstadt Vom Hühnerstall zum Paradies

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Vor 14 Jahren entstand das Gruppenbild, das Michael Günther mit damaligen Heimkindern des "Jardin del Eden" zeigt. Die anderen Fotos wurden in diesem Sommer aufgenommen. Foto: Günther

Albstadt-Ebingen - Im Jahr 1992 arbeitete der junge Ebinger Michael Günther mehrere Monate lang in einem Kinderheim in Ecuador; nach seiner Rückkehr baute er einen Spender- und Unterstützerkreis für den "Jardin del Eden" auf. Die Initiative wird in diesen Tagen 20 Jahre alt.

Die Gründung des "Garten Eden" – so heißt das Heim auf Deutsch – lag, als Michael Günther ihn kennenlernte, drei Jahre zurück, und die Verhältnisse, die dort herrschten, muteten wenig paradiesisch an: Die zwölf bis 15 Kinder, die im "Jardin" wohnten, waren in einem notdürftig hergerichteten früheren Hühnerstall untergebracht, dessen Wohnkomfort freilich ungleich größer war als der ihrer vormaligen Bleibe: Roberto Altamirano und Anita Con­stante, die Heimgründer, hatten "ihre" Kinder von der Straße oder aus dem Gefängnis geholt – dort waren sie in mit alten Zeitungen und Kartonpappe ausgelegten Räumen eingepfercht, und zwar nicht etwa, weil sie selbst kriminell gewesen wären, sondern weil ihre Ernährer einsaßen. Ihre neuen Lebensverhältnisse waren, damit verglichen, sehr human – dem Freiwilligen aus dem fernen Alemania erschienen sie dennoch primitiv.

Aus einem Dutzend Kinder wurden über 70

Geldmangel war das größte Problem, und so machte sich Michael Günther, kaum nach Albstadt heimgekehrt, auf die Suche nach potenziellen Gönnern für den "Jardin". Mit Erfolg: Die Spenden, die flossen, ermöglichten es Altamirano und Constante, nicht nur neue Unterkünfte zu errichten und den Wohn- und Betreuungsstandard zu heben, sondern auch mehr Kinder aufzunehmen – inzwischen sind es über 70. Noch einmal 70 werden vom Projekt "Niños libres", auf deutsch "Freie Kinder" betreut, das dem "Jardin" angegliedert ist: Pflegefamilien früherer Straßen- und Gefängniskinder erhalten psychologische und materielle Hilfe. Mal isst man gemeinsam, mal geht es ins Schwimmbad.

Hinzu kommen zwei Bildungsprojekte in Dörfern im Hinterland. Panzaleo, wo der "Jardin del Eden" zuhause ist, liegt 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Quito am panamerikanischen Highway. In Pujili und Sucua dagegen sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht: Pujili liegt über 4000 Meter überm Meeresspiegel im Hochland, Sucua im Stammesgebiet der Shuar-Indianer im Regenwald des östlichen Tieflands. Viele Kinder in den entlegenen Provinzen wachsen vater- oder elternlos heran, weil die Erwachsenen ein besseres Leben in den Großstädten suchen. Nicht selten folgen ihnen die Halbwüchsigen und vermehren das Heer der Straßenkinder in Quito und Guayaquil. In Pujili und Sucua aber können Jugendliche nun eine weiterführende Schule, das Colegio, besuchen und haben danach ganz andere berufliche Möglichkeiten.

Bildung bewahrt vor Leben auf der Straße

Das gilt natürlich auch für die Kinder des "Jardin" in Panzaleo – im neuesten Spendenbrief der "Michael-Günther-Stiftung" zeigt ein 20 Jahre altes Foto drei Geschwister, die damals im "Jardin" lebten – das Mädchen ist heute OP-Schwester, der eine Bruder Ingenieur. Rainer Günther, der nach dem Unfalltod seines Sohns im Jahr 2000 dessen Erbe antrat und die Stiftung gründete, hat sie beide im Sommer getroffen. Zusammen mit 14 weiteren Unterstützern bereiste er Ecuador – mitunter im Pritschenwagen, weil manche Hängebrücken in den Kordilleren nicht bustauglich sind.

20 Jahre nach Michael Günthers Aufenthalt im "Jardin del Eden" zählt der Kreis derer, die das Heim finanziell unterstützen, mehr als 400 Köpfe; über die Hälfte der Gönner ist in Albstadt und seiner weiteren Umgebung zu Hause, der Rest im Oberland und in Sachsen. Die einen spenden sporadisch, andere per Dauerauftrag; das Gymnasium Ebingen, an dem Rainer Günther unterrichtete und Michael Günther Abitur machte, steuert verlässlich die Erlöse von Weihnachtsbasaren und anderen Veranstaltungen bei. Da sich der Staat in Ecuador mittlerweile stärker engagiert und die Standards gestiegen sind, ist der Anteil der Spenden aus Deutschland am Budget des "Jardin des Eden" in jüngster Zeit gesunken – er beträgt aber immer noch rund ein Drittel.

 
 

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