Die Konzentration auf das Wichtige ist in der städtischen Finanzpolitik ebenso wichtig wie an Weihnachten, meint die Kolumnistin, verschenkt zu Weihnachten nur Zeit und staunt über den Optimismus der lokalen Stadtoberhäupter angesichts aktueller und kommender Finanzlöcher.
„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“, lautet ein Sprichwort. Glücklicherweise gehören Menschen an Schaltstellen in der Region Albstadt zu Letzteren: Bürgermeister Frank Schroft und sein Stadtkämmerer Daniel Bayer haben bei den Haushaltssitzungen in Meßstetten vielfach von den Chancen gesprochen, welche die – im Vergleich zu den Vorjahren – schlechte Haushaltslage auch eröffne: die Konzentration auf die Kernaufgaben einer Verwaltung und die Suche nach Möglichkeiten, sie effizienter zu machen, was sich dann auch künftig segensreich auf den städtischen Haushalt auswirken wird, selbst wenn die Zeiten wieder besser werden.
In Albstadt dürfte das länger dauern: Die größte Stadt des Zollernalbkreises hat weit mehr Schulden als ihre Nachbarin Geld auf der hohen Kante. Oberbürgermeister Roland Tralmer hat einen Sanierungsstau geerbt, der ihn eigentlich hätte veranlassen müssen, die Beine in die Hand zu nehmen und so schnell wie nur möglich wegzulaufen. Stattdessen haben er und Stadtkämmerin Michaela Wild sich einer überbordenden Verantwortung gestellt und bereits Erfolge zu verzeichnen: Einen genehmigungsfähigen Haushalt haben sie hingekriegt und arbeiten mit Hochdruck daran, den Gebäudebestand abzuspecken, um von den hohen Dauerkosten runterzukommen. Wer schlanker ist, wird beweglicher.
Das Humordepot ist voller als das Stadtsäckel
Bemerkenswert: Obwohl harte anderthalb Jahre hinter ihm und vermutlich noch härtere sechseinhalb Jahre vor ihm liegen, scheint Tralmer seinen Humor nicht zu verlieren – im Gegenteil. Offenbar motivieren ihn die ersten Erfolge seiner Amtszeit dazu, weiter zu machen und auch unangenehme Aufgaben anzupacken wie eben den Gebäudebestand. Dass alle rufen: „Sparen? Gerne! Aber nicht an mir!“ hat der OB mit dem gut gefüllten Humordepot ja schon erleben dürfen.
Was können wir tun anstatt zu meckern?
Und wir? Nehmen wir die Herausforderungen der aktuellen Krisenzeit in Wirtschaft und Politik, beim Klima und im Gesundheitswesen an? Fragen wir uns, wie wir einen sinnvollen Beitrag leisten können, um die Lage zu verbessern? Manche tun das, aber viel zu wenige. Zwischen Flensburg und Garmisch starren sie wie das Kaninchen auf die Schlange, wettern über die nichtsnutzigen Politiker, schimpfen auf die Ampel und planen vielleicht insgeheim schon, am 23. Februar, bei der Bundestagswahl, ihr Kreuzchen bei Rechtsauslegern und Scheindemokraten zu machen. Als ob die es jemals besser gemacht hätten!
Jetzt, in der Weihnachtszeit, haben wir ein anderes Mittel, unsere Wut und unseren Frust zu bekämpfen: Wir kaufen uns etwas Schönes! Und weil wir eh schon beim Shoppen sind, kaufen wir gleich für alle, die wir im zurückliegenden Jahr vernachlässigt haben, noch etwas Schönes dazu. Danach sind wir fein raus, denn wir haben ja in unsere Nächsten investiert. Die haben dann noch mehr daheim rumstehen, was sie abstauben müssen – und im nächsten Jahr noch weniger Zeit für ihre Nächsten.
Machen wir’s doch mal wie die Meßstetter und die Albstädter Stadtverwaltung: Überlegen wir uns doch mal, was wir und die Anderen wirklich brauchen, specken wir doch mal ab! Wie wär’s, wenn wir alle, anstatt am Weihnachtsmorgen noch hektisch etwas zu kaufen, nur damit etwas gekauft ist, die Zeit verwenden, um sie mit jenen zu teilen, die wir beschenken wollen? Das gesparte Geld investieren wir beim nächsten Einkauf notwendiger Dinge dann in eine hochwertigere und umweltfreundlichere Ausgabe, und so haben letztlich alle etwas davon: unsere Lieben, die Einzelhändler und Mutter Erde. Und wenn Ihnen die Mauerbauer auf den Wecker gehen: Lassen Sie uns gemeinsam Windmühlen bauen! Fröhliche Weihnachten allerseits!