Auch wenn Fußballfans sich gelegentlich in die Haare geraten – eines eint sie: die Treue zum Fußball. Foto: Thaut Images - stock.adobe.com

Im September 2024 kam es nach einem Spiel der C-Jugendfußballer des FC 07 Albstadt und des FC Steinhofen zu Handgreiflichkeiten. Jetzt standen die Beteiligten vor Gericht.

Amtsgerichtsdirektorin Dagmar Röhm war überrascht: Sie hatte, wie sie freimütig bekannte, mit Zuhörerrängen voller Jugendfußballer gerechnet und sich wohl insgeheim auf den einen oder anderen Ordnungsruf eingerichtet.

 

Nichts von alledem: Im Publikum saßen zwei Zaungäste, ein Pressevertreter und der Vater des einen Angeklagten, und nicht nur dort, sondern auch auf der Anklagebank war die Stimmung eher gelöst.

Die Richterin, die sich selbst als Basketballfan ohne ausgesprochene Affinität zum Fußball outete, konnte zu ihrer Freude feststellen, dass man im vermeintlich von Hooligangewalt terrorisierten deutschen Amateurfußball die Suppe längst nicht so heiß isst, wie sie angeblich gekocht wird.

Was war vor 13 Monaten geschehen? Aufgrund von Unstimmigkeiten bei einem ein Jahr zurückliegenden Aufeinandertreffen beider Mannschaften war die Stimmung im Tailfinger Stadion Lichtenbol schon vor dem Anpfiff angespannt gewesen. Der eine der beiden Angeklagten, ein damals 18 Jahre alter Albstädter, will Steinhofener Sticheleien gehört haben – „mal sehen, ob euer Trainer heute gut tut“. Das Spiel selbst verlief ohne Zwischenfälle und endete mit einem 2:0-Sieg des FV 07.

Unglücklich gefallen und den Finger gebrochen

Danach aber eskalierte die Begegnung: Beim Abklatschen wurde ein Handschlag verweigert, und es fielen böse Worte; anschließend, so die Anklage, wurde angeblich ein Albstädter von seinem Gegenüber geschubst. Worauf dessen Sohn seinerseits den Aggressor schubste, und zwar so heftig, dass der stürzte und sich beim Aufprall einen Finger brach.

Jetzt war es wiederum am Vater des Steinhofeners, den jungen Albstädter zu attackieren. Der will sich danach auf dem Boden wiedergefunden haben, mit den Händen des 49-jährigen Angreifers an seiner Kehle. Was dieser bestreitet: „Ich habe ihn kurz festgehalten, wir sind beide umgefallen, dann haben ich Schläge am Rücken und am Kopf gespürt. Gewürgt habe ich niemanden.“

Die Zeugen wurden nicht mehr gebraucht

Was tatsächlich vorgefallen ist, hätte eine aufwendige Beweisaufnahme an den Tag bringen sollen – mehr als ein Dutzend Zeugen waren geladen. Sie wurden entweder ohne Vernehmung wieder heimgeschickt oder telefonisch ausgeladen: Albstädter und Steinhofener haben ein Jahr Zeit gehabt, zu deeskalieren und die Friedenspfeife zu rauchen, inzwischen sind sowohl Freundschafts- als auch Rundenspiele ausgetragen worden, und die Fingerglieder des Steinhofener Jugendbetreuers sind auch wieder intakt.

Keine der beiden Seiten hatte noch das mindeste Interesse an einer Strafverfolgung, und auch dem Staatsanwalt war es recht – das Verfahren wurde eingestellt.

Ganz ungeahndet bleiben die Ausraster nicht

Ganz ungeschoren kommen die beiden Angeklagten allerdings nicht davon: Der ältere, der ordentlich verdient, muss 1000 Euro zahlen, die das Haus Nazareth in Sigmaringen bekommen soll, und der jüngere, der studiert und im Zweifelsfall mehr Zeit als Geld hat, leistet 25 Stunden soziale Arbeit. Die beiden besiegelten die wiederhergestellte Sportsfreundschaft per Handschlag.