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Albstadt Überholt der E-Bus die Talgangbahn?

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So oder ähnlich sähe der Elektro-Bus aus, der künftig auf der Talgangbahnstrecke verkehren könnte. Foto: Bosch Media Service Foto: Schwarzwälder Bote

Die Stadt Albstadt nimmt am vom Bundesumweltministerium ausgelobten Wettbewerb "#mobilwandel2035" teil – er bietet ihr Gelegenheit, die Ausarbeitung eines Konzepts für E-Kleinbus-Verkehr auf der Talgangbahnstrecke komplett vom Bund finanzieren zu lassen.

Albstadt. Bereits im Juli 2019 hatte das Ingenieurbüro Steinbacher-Consult im Technischen und Umweltausschuss des Gemeinderats Pläne vorgestellt, auf der Talgangbahntrasse anstelle von Zügen E-Shuttle-Busse verkehren zu lassen; am Donnerstag stand das Thema aus gegebenem Anlass auf der Agenda des Gemeinderats.

Was Steinbacher-Consult vorschwebt, ist ein Elektrobus, der autonom auf der früheren Bahnstrecke zwischen Ebingen und Onstmettingen verkehrt und über eine digitale Mobilitätsplattform mit allen möglichen anderen Verkehrsmitteln vernetzt ist – Roller, Scooter, E-Bike und, wenn es denn sein muss, auch das Auto. Er würde, genau wie die reaktivierte Talgangbahn, die Mobilität im Talgang steigern und gleichzeitig den CO-Ausstoß reduzieren; anders als die Talgangbahn käme er dabei aber ohne riesigen Investitionsaufwand für Gleisinstandsetzung und Brückenertüchtigung aus.

Weitere Pluspunkte: die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit Hochschule und Technologiewerkstatt autonomes Fahren praktisch zu erproben, und der Imagegewinn, den die Pioniertat in Sachen Elektromobilität einbringen würde. Das ist aber noch nicht alles: Es winkt – das war der oben erwähnte gegebene Anlass – Fördergeld aus Berlin.

Im Sommer hat das Bundesumweltministerium einen Wettbewerb mit dem trendigen Namen "#mobilwandel2035" ausgelobt, in dessen Rahmen die Albstädter sich die Ausarbeitung eines ganzheitlichen Konzepts für einen autonomen E-Busverkehr auf der einstigen Bahntrasse zu 100 Prozent vom Bund bezahlen lassen könnten. Des Konzepts wohlgemerkt – die Umsetzung ist eine andere Sache.

Höchstens zehn von 200 Bewerbern dürfen Zuschussanträge stellen

Doch zuerst muss die Stadt am Wettbewerb teilnehmen und zu diesem Zweck bis zum 15. November eine "Skizze" ihres E-Bus-Projekts einreichen. Kommt sie in die engere Auswahl – maximal zehn von schätzungsweise 200 Bewerbern – , dann darf sie einen Zuwendungsantrag stellen. Sobald der bewilligt ist – voraussichtlich im Frühsommer 2021 – beginnt Förderphase I, in deren Verlauf die bis dato nur "skizzierte" Zielvorstellung unter Beteiligung der Albstädter Bürger konkretisiert und weiter entwickelt würde.

Mit dem "Zielbild", das dabei entsteht, kann sie sich dann für die zweite Förderphase bewerben, in der es um die Umsetzung geht – die fünf Besten kommen weiter. Sollten die Albstädter an dieser Hürde scheitern, besäßen sie zumindest eine solide Grundlage für die Entscheidung zwischen Bahn, Bus und etwaigen anderen Optionen.

Der Stadt erscheint dieses Kalkül plausibel: Umfassende Informationen über eine ernstzunehmende Alternative zur Bahn, das Ganze zum Nulltarif – zur 100-prozentigen Förderung von Phase I kommt nämlich noch das freundliche Angebot von Steinbacher-Consult hinzu, die erforderliche Projektskizze anzufertigen, und zwar für Gottes Lohn.

Wer wollte dem geschenkten Gaul ins Maul schauen? Die Freien Wähler haben es getan und waren skeptisch, aus grundsätzlichen Erwägungen. Vor zwei Jahren hatte man beschlossen, parallel zur laufenden "Standartisierten Bewertung" der Talgangbahn eine "Machbarkeitsstudie" für die Strecke zu erstellen, um im Fall der Fälle Alternativen zu haben – jetzt, so fürchten die Freien Wähler, drängt sich eine dieser Alternativen mit Macht in den Vordergrund, eben der E-Bus.

Aber ist mit einer Bewerbung denn irgendetwas entschieden? Kann man nicht jederzeit aussteigen, wenn etwa das Resultat der immer noch ausstehenden Standartisierten Bewertung – die derzeit, auf halbem Weg, gar nicht so günstig ausfällt – am Ende doch für eine Reaktivierung der Talgangbahn spräche?

Zumindest ein Teil der Freien Wähler traut augenscheinlich sich selbst und den Ratskollegen nicht so recht über den Weg; man fürchtet, dass, am "Masterplanprozess" vorbei, vollendete Tatsachen geschaffen werden. Die meisten anderen Stadträte teilten dieses Misstrauen in die eigene Urteilsfähigkeit nicht – der Verwaltungsantrag wurde mehrheitlich angenommen.

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