Oberbürgermeister Klaus Konzelmann gratuliert seinem neuen ständigen Stellvertreter. Foto: Eyrich Foto: Schwarzwälder Bote

Wahl: Baubürgermeister wird Erster Beigeordneter / Steve Mall zeigt Sportsgeist

Mit einem deutlichen Votum hat der Gemeinderat am Donnerstagabend Baubürgermeister Udo Hollauer zum Ersten Bürgermeister der Stadt Albstadt gewählt. Der freute sich "riesig" – und löste danach ein Versprechen ein.

 

Albstadt. 22 Stimmen hat Udo Hollauer bei der Wahl zum Ersten Bürgermeister der Stadt Albstadt auf sich vereint, fünf der erst kürzlich gewählte künftige Finanzbürgermeister Steve Mall, der ab Sonntag offiziell im Amt sein wird. Beide hatten sich zuvor im Gemeinderat mit glänzenden Reden um die ständige allgemeine Vertretung des Oberbürgermeisters beworben, wobei Hollauer – anders als Mall es konnte – mit dem punktete, was er bereits in Albstadt geleistet hat.

"Zwischenzeitlich bin ich der Alte Hase im künftigen Bürgermeister-Diensttrio", sagte Hollauer und fügte mit Blick auf Oberbürgermeister Klaus Konzelmann augenzwinkernd hinzu: "Nicht an Lebens-, sondern an Bürgermeister-Dienstjahren." Hollauer erinnerte an die Bewerbungsrede des scheidenden Finanzbürgermeisters Anton Reger, der vor acht Jahren mit ihm um das Amt des Ersten Beigeordneten konkurriert hatte. Reger hatte damals gesagt, dass die damit verbundenen Befugnisse zum Finanzdezernenten gehörten, weil bei ihm die Fäden zusammenliefen. "Aber: Um Fäden in der Hand halten zu können, müssen sie gesponnen werden", kommentierte Hollauer. Und die "Spinnerei", das "Kreativwerk", stehe in Tailfingen: Gemeint war das Technische Rathaus. Drei Viertel der Auszahlungen des Finanzhaushalts würden in seinem Zuständigkeitsbereich umgesetzt.

Steve Mall argumentierte ähnlich wie seinerzeit Reger und wies darauf hin, dass in Zeiten doppischer Haushalte die Folgekosten von Projekten immer wichtiger würden. Er machte deutlich, dass er gerne bereit sei, die Aufgabe als ständiger allgemeiner Vertreter des Oberbürgermeisters zu übernehmen und die Stadt als solcher auch auf übergeordneten Ebenen zu vertreten. Allerdings stellte er auch klar, dass er sich vor der Wahl mit Udo Hollauer ausgetauscht habe und für beide klar sei, dass die "kollegiale, vertrauensvolle Zusammenarbeit" im Vordergrund stehe und nicht vom Wahlergebnis abhängen werde.

Tatsächlich plauderten beide intensiv und freundschaftlich auf dem Flur, während im Ratsaal die Stimmen ausgezählt wurden.

Die FDP will noch warten – doch das Gesetz lässt das eindeutig nicht zu

Noch vor den Bewerbungsreden hatte die FDP ihren Antrag zurückgezogen, mit der Wahl ein halbes Jahr zu warten – um Mall erst besser kennenzulernen und dann fundierter entscheiden zu können. Diese Frage sei bereits im Jahr 2011 Gegenstand einer schriftlichen Anfrage beim Regierungspräsidium Tübingen gewesen, ließ die Stadtverwaltung wissen, und die Rechtslage habe sich seit damals nicht geändert: "Das Regierungspräsidium kam damals zu dem Ergebnis, ›dass die Wahl des Ersten Beigeordneten als ständiger allgemeiner Stellvertreter des Oberbürgermeisters zeitnah erfolgen muss, um eine umfassende Stellvertretung gewährleisten zu können. Die Wahl des Ersten Beigeordneten sollte dementsprechend unmittelbar nach der Besetzung der freien Beigeordnetenstellen vorgenommen werden.‹" Das bedeute: vor Dienstantritt des neu gewählten Beigeordneten. "Denn wenn alle Beigeordneten bestellt sind, muss die Frage der Reihenfolge der Stellvertretung, die sich aus der Funktion des Ersten Beigeordneten ergibt, geklärt sein."

Oberbürgermeister Klaus Konzelmann war schließlich der erste Gratulant nach Verkündung des Wahlergebnisses, und Udo Hollauer freute sich "riesig". Dann fügte er etwas hinzu, was die Stadträte gerne gehört haben mögen: "Jetzt kann ich’s endlich wahr machen und Sie im Anschluss zu einem kleinen Umtrunk einladen." Nach seiner Wiederwahl als Baubürgermeister am 7. November hatte er Anton Reger die Spendierhosen überlassen müssen: Es war der Abend der offiziellen Abschiedsfeier für den bisherigen Finanzbürgermeister und Ersten Beigeordneten.

Steve Mall sollte das Ergebnis der Wahl zum Ersten Bürgermeister nicht persönlich nehmen: Zwar stimmt es, dass Gemeinderäte in aller Regel Finanzbürgermeister in diese machtvolle Position heben, weil eben das meiste am Geld hängt. Dass das Gremium in diesem Fall anders entschieden und nicht den erst kürzlich gewählten Mall, sondern Baubürgermeister Udo Hollauer auf den Schild gehoben hat, war abzusehen, ehe Mall sich bewarb. In den vergangenen acht Jahren haben Hollauer und sein Team im Technischen Rathaus gearbeitet wie die Pferde. Der Chef geht dabei mit bestem Beispiel voran, sitzt oft bis in die Nacht am Schreibtisch und kümmert sich, wird ihm ein Problem zugetragen, bis es gelöst ist. Nun haben die Räte ihm weitere Befugnisse erteilt – wissend, dass er sie zum Wohl der Stadt nutzen wird. Der jüngere Steve Mall bekommt noch seine Chance.