In Benzingen kommen erneut Skelettteile aus alamannischer Zeit zum Vorschein.
Winterlingen-Benzingen - Ein Bauherr hat in seiner Grube letzte Woche menschliche Skelettteile aus der alamannischen Zeit gefunden. Die Entdeckung reiht sich in die bisherigen Funde der Gegend ein.
Drei Gräber aus der Zeit um 600 nach Christus kamen in der Baugrube in der Nelkenstraße zum Vorschein. "Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass es hier eine alamannische Siedlung gab", sagte Andreas Zekorn, Kreisarchivar in Balingen.
Frieder Klein, Leiter des Fachbereichs Archäologie am Regierungspräsidium Tübingen, bezeichnete die Funde als einen "schönen, abrundenden Beitrag für die Ortsgeschichte Benzingen".
Bei zwei von den jetzt entdeckten Gräbern ist bereits sicher, dass es Männergräber waren. Dafür sprechen die gefundenen Grabbeilagen wie Messer, eine Spata – das ist ein zweischneidiges Langschwert – sowie ein Riemenende aus Eisen und eine Pinzette, um den Bart zu zupfen.
"Einer der Beerdigten muss außerdem ein Reiter gewesen sein, denn an seinen Fußenden fanden wir Sporen", so der Leiter des Fachbereichs Archäologie in Tübingen, Frieder Klein. Für die genaue Datierung der Skelette, die in der kommenden Zeit vorgenommen werden soll, spielen die Grabbeilagen eine wichtige Rolle.
Von Sensationsfunden sprechen die Fachmänner hier aber nicht. Denn dass Benzingen vor langer Zeit von Alamannen besiedelt war, ist bekannt: Bereits 1961 und 1978 stießen Häuslebauer ganz in der Nähe des jetzigen Fundorts auf menschliche Überreste aus alamannischer Zeit.
Raue Alb sehr früh besiedelt
"Vielmehr beweisen die Funde ein weiteres Mal, dass auch die raue Alb sehr früh besiedelt war", so Zekhorn. Denn trotz kalten Klimas und schlechter Böden sei die Gegend für eine Siedlung geografisch gut gelegen gewesen: "Bei Benzingen führten zwei römische Verkehrsstraßen zusammen", erklärte Zekorn. Diese Anbindung sei für die Siedlungsbewohner von Vorteil gewesen.
Dass die Überreste so gut erhalten blieben, ist dem feuchten Boden in Benzingen zu verdanken. Zur guten Erhaltung trug außerdem bei, dass bereits die Alamannen ihre Verstorbenen in Holzsärgen beerdigten.
Die Überreste der Skelette befinden sich zwischenzeitlich in Tübingen, wo sich die archäologische Denkmalpflege, das Landesdenkmalamt sowie ein Anthropologe darum kümmern – die Skelettteile müssen zunächst gereinigt, dann restauriert, gezeichnet und dokumentiert werden. Danach erhält das archäologische Landesmuseum die Benzinger Funde.